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Gefühlsausschläge in der 2. Liga

Topspiel 1. FC Köln - Hamburger SV

Der 1. FC Köln geht am Montagabend als souveräner Tabellenführer der zweiten Liga in das Gipfeltreffen gegen den Hamburger SV – der in diesem Frühjahr reichlich instabil daherkommt und deshalb gerade um das direkte Rückfahrtticket in die Bundesliga bangt.

Markus Anfang, Trainer des 1. FC Köln, spricht bei einer Pressekonferenz.
Markus Anfang, Trainer des 1. FC Köln, spricht bei einer Pressekonferenz.
Quelle: dpa/henning kaiser

Am vergangenen Sonntag hatte Markus Anfang einen Zettel auf seinem Schreibtisch liegen, wieder einmal. „In Duisburg drei Punkte holen“, stand darauf – eine auffordernde Botschaft von seinem Vater Dieter, der es sich zur Gewohnheit gemacht hat, seinem Sohn auf diese Weise mit Tipps und Punktevorgaben zu versorgen. Drei Tage später spielte Anfang mit dem 1. FC Köln beim stark abstiegsbedrohten MSV dann 4:4, nach 4:2-Führung.

Im Sinne des Vaters

Der Fußball allerdings war zu dem Zeitpunkt bereits völlig in den Hintergrund gerückt: Als sich beide Teams in Duisburg noch warmmachten, erlitt Dieter Anfang auf der Tribüne einen schweren Herzinfarkt. Sein Vater befinde sich „auf dem Weg der Besserung“, die Situation sei aber „immer noch ernst“, berichtete Anfang junior, sichtlich bewegt, vor dem Gipfeltreffen seiner Zweitliga-Spitzenreiter gegen den Tabellenzweiten Hamburg.

Anfang senior brachte seinem Sprößling Ende der 1970er Jahre in Köln das Kicken bei, trainierte ihn später lange Zeit beim KSV Heimersdorf im Norden der Stadt. Die beiden verbindet ein enges Verhältnis – und dass er schon zwei Tage nach dem dramatischen Zwischenfall in Duisburg wieder seiner Arbeit bei Pressekonferenzen und auf dem Trainingsplatz nachgehen konnte, begründete der Chefcoach des Geißbockklubs so: „Weil Papa es so gewollt hätte. Der Sport hat uns und ihm so viel gegeben.“

Hamburger Hin und Her

Für den Klub aus dem Kölner Grüngürtel, ohnehin ein hochemotionales Gebilde, findet das Duell der beiden Bundesliga-Absteiger der Vorsaison also – ungewollt – unter sehr speziellen Umständen statt. Für die Gefühlsausschläge bei den Hamburgern dagegen war zuletzt tatsächlich der Sport verantwortlich, und das in extremer Form.

So folgte dem Erreichen des Pokalhalbfinals Anfang des Monats – mit einem 2:0 bei Aufstiegskontrahent Paderborn – eine 1:2-Heimniederlage gegen Tabellenkellerkind Magdeburg, nach eigener Führung. Drei Wochen zuvor hatten die Hanseaten trotz 2:0-Vorsprungs zu Hause bereits gegen Darmstadt, ebenfalls im unteren Tabellendrittel beheimatet, verloren. Weswegen die geplante Rückkehr für den Herbstmeister inzwischen gewaltig auf der Kippe steht.

Stockender Spielfluss

Sechs Runden vor Schluss rangiert das Team von Hannes Wolf im Rückrundentableau nur auf Platz zehn. „Wir machen so viele Fehler, die verhindern, dass Spielfluss zustande kommt. Wenn man davon ein Video zusammenstellt, kommt man schon auf ein paar Minuten“, merkte der rätselnde HSV-Coach nach der Pleite gegen Magdeburg an.

Noch deutlicher wurde Mittelfeldakteur Lewis Holtby. „Solche Ergebnisse können wir nicht mehr abliefern, sonst wird es ganz schwer. Es ist ekelhalft. In der Phase, in der wir stecken, ist das Gift“, lärmte der frühere Nationalspieler (drei Länderspiele), der in Köln wegen einer Gelbsperre zuschauen muss.

Hemmungslose Offensive

Trainer Hannes Wolf, Hamburger SV
HSV-Trainer Hannes Wolf
Quelle: reuters

Holtbys Zwangspause ist ein weiterer Vorteil für die angriffswütigen Domstädter, deren Offensiv-Duo Simon Terodde (28 Tore) und Jhon Cordoba (16) in dieser Saison öfter ins Schwarze traf als die gesamte Hamburger Mannschaft (39). „Der HSV muss auf Sieg spielen, das könnte uns entgegenkommen“, sagt FC-Trainer Markus Anfang vor dem in jeder Hinsicht emotionalen Duell, das die Gäste aus Hamburg ohne ihren Torjäger Pierre-Michel Lasogga antreten. Der Mittelstürmer laboriert seit mehreren Tagen an einer Muskelverhärtung im Adduktorenbereich und konnte das Abschlusstraining nicht mit der Mannschaft bestreiten.

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