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Schneckenrennen nach Europa

Fußball-Bundesliga, 30. Spieltag

Der Kampf der Bundesligisten um die Europa-League-Ränge scheint völlig offen. Weil alle Anwärter auf Platz fünf bis sieben wenig überzeugend auftreten. Dazu gehört auch der 1. FC Köln, der heute (20:30 Uhr) Hoffenheim empfängt.

Peter Stöger im Training des 1. FC Köln
Peter Stöger will sich nicht verrückt machen lassen von der Tabellensituation Quelle: imago

Die Sehnsucht beim gemeinen "Effzeh"-Fan könnte größer kaum sein. Einmal wieder die Atmosphäre eines außergewöhnlichen Flutlichtabends im Europapokal atmen: In fast schon romantischer Verklärung erzählen die älteren den jüngeren Anhängern, wie das damals war in den 80er und 90er Jahren, als der 1. FC Köln noch im alten Müngersdorfer Stadion die Beletage Europas empfing.

Letztmals übrigens am 15. September 1992. UEFA-Cup, 1. Runde. Die Rheinländer schlugen Celtic Glasgow zwar 2:0, fingen sich aber im Celtic-Park eine 0:3-Packung ein. Seit dem damaligen Ausscheiden gab es zwar eine Reihe von Freundschaftsspielen gegen internationale Gegner, aber eben nie mehr ein Pflichtspiel.

Dringend nötig: Punkte

Klar, dass die Erinnerungen seit Monaten wachgeküsst werden, schließlich starteten die Kölner mit 21 Punkten aus den ersten elf Spielen famos und standen vorübergehend auf den Champions-League-Rängen. Vor dem Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim (20.30 Uhr/Liveticker bei zdfsport.de) ist indes die Furcht groß, sogar Platz sieben noch zu verspielen. Der würde zur Teilnahme an der Europa-League-Qualifikation berechtigen, wenn der FC Bayern oder Borussia Dortmund das Pokalfinale gewinnen.

Doch kann ein Klub, der nur noch 19 Zähler in den vergangenen 18 Begegnungen verbucht hat, überhaupt von der internationalen Startberechtigung träumen? Viel zu viel Aufregung im Umfeld machen Geschäftsführer Jörg Schmadtke ("Ich verstehe die Historie dieses Klubs nun besser") und Trainer Peter Stöger („Die Situation in der Liga interessiert mich weniger, wir müssen Freitag ein ordentliches Spiel machen“) aus.

Selbst Kapitän Matthias Lehmann hat eingedenk von sechs Niederlagen in den vergangenen zehn Ligaspielen kein gutes Gefühl: "Wir müssen ganz schnell gucken, dass wir wieder punkten. Ansonsten werden das noch hässliche fünf Spiele, und wir werden noch ein paar Plätze nach hinten durchgereicht."

Viel Masse, wenig Klasse

Doch nicht nur die Kölner Versuche wirken fast schon verzweifelt, sich an einem Europa-League-Startplatz festzuklammern. Um die Ränge fünf bis sieben hat sich nämlich ein Schneckenrennen entwickelt. Weil Bayer Leverkusen und der FC Schalke 04 als "natürliche" Europapokalteilnehmer den Bundesliga-Alltag so vernachlässigt haben und die Nachrücker nicht das Niveau erreichen, gilt: viel Masse, wenig Klasse. Wie sagte Wolfsburgs Nationalspieler Mario Gomez erst kürzlich: "Acht Punkte zwischen Europa League und Abstiegsplatz, das gibt es normalerweise in der dritten und vierten Liga. Man kann das als Stärke oder Schwäche der Liga auslegen, ich finde, das ist eine Schwäche."

Die Qualität vieler Kandidaten scheint limitiert: Hertha BSC, vergangenen Sommer auf dem Weg in die Europa League am dänischen Vertreter Bröndby IF gescheitert, lieferte zuletzt beim FSV Mainz 05 (0:1) bei der achten Auswärtsniederlage mal wieder eine klägliche Vorstellung ab. Immerhin: Der Hauptstadtklub, der nun den VfL Wolfsburg empfängt, hat noch drei Heimspiele. Und der Tabellenfünfte hat sich seit Winter darauf verständigt, offensiv einen Europapokalplatz anzupeilen.

Freiburg hat andere Ziele, Frankfurt stürzt ab

Anders als der Sechste SC Freiburg, der als Aufsteiger ganz andere Ziele hatte. Offiziell ist die Europa League kein Thema. Die Breisgauer haben zudem aus der Saison 2013/2014 ihre Erfahrungen damit gemacht, dass kleine Vereine zwar wirtschaftlich von einer einmaligen Teilnahme profitieren, sportlich sich daran aber schnell verheben können.

Bei Eintracht Frankfurt hingegen soll die Europa League der Treiber sein, um den nächsten Schritt zu machen. Finanzvorstand Axel Hellmann würde am liebsten so schnell wie möglich wieder europäisch spielen, aber Sportvorstand Fred Bobic bevorzugte selbst in der herausragenden Hinrunde stets eine andere Sprachregelung: erst die 40 Punkte vollmachen, dann andere Ziele anstreben.

Bremen der lachende Dritte?

Bobic sollte mit seiner Bodenhaftung Recht behalten: Denn mit nur drei Zählern aus den vergangenen zehn Spielen ist die Talfahrt der Eintracht manifestiert und dass die auf Rang zehn stehenden Hessen nicht eher aus den Europapokalrängen purzelten, haben sie dem Schwächeln der anderen Teams zu verdanken. Vor dem Heimspiel gegen den FC Augsburg geht im Frankfurter Stadtwald gar die Angst um, noch in den Abstiegsstrudel gerissen zu werden.

Ganz anders die Gemengelage bei Werder Bremen: Die Grün-Weißen, die am 30. Spieltag beim FC Ingolstadt gastieren, sind das Team der Stunde. Und gemeinsam mit der punktgleichen Borussia aus Mönchengladbach der lachende Dritte? Mit 23 Punkten aus den vergangenen neun Partien liegt das Momentum auf Bremer Seite. An der Weser trällern die Fans bereits Europapokallieder, Trainer Alexander Nouri sagt lieber: "Wir wissen, wo wir herkommen." Von fast ganz unten aus dem Tabellenkeller. Die Verwandlung zu einem Europapokalanwärter geht nicht nur ihm in dieser Saison ein bisschen zu schnell.

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