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Eine Niederlage für die Chefs

Kommentar zur Trennung von Niko Kovac

Die 1:5-Pleite der Bayern in Frankfurt hat mit der Trennung von Niko Kovac für ein gewaltiges Nachbeben gesorgt. Das Ende der Arbeitsbeziehung ist nicht nur ein Misserfolg für den Trainer, sondern vor allem auch für die Bayern-Bosse.

Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge
Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge
Quelle: imago

Diese Trainer-Trennung ist in erster Linie eine Niederlage für die Chefs an der Säbener Straße: für den permanenten Kovac-Kritiker und Skeptiker Karl-Heinz Rummenigge, für den macht- und glücklosen Sportdirektor Hasan Salihamidzic und natürlich für Kovac-Befürworter und Beschützer Uli Hoeneß. Das Traineraus - ausgerechnet am Ende seiner Herrschaftszeit beim FC Bayern - als persönlicher Misserfolg. Bad End statt Happy End!

Vieles auf der Strecke geblieben

Seit dem Abschied von Pep Guardiola 2016 ist den Bayern vieles abhandengekommen: (noch) nicht die nationale Titeldominanz, die internationale Konkurrenzfähigkeit auf allerhöchstem Niveau allerdings schon. Dazu die Missverständnisse auf dem Trainermarkt: Carlo Ancelotti und Niko Kovac. Nicht, weil sie keine Trophäen gewinnen konnten, sondern weil sie fußballerisch weder in die Fußstapfen von Guardiola treten, noch eigene fußballerische Fußabdrücke hinterlassen konnten. Die Guardiola-DNA im bayerischen Spiel ist leider längst nicht mehr nachweisbar.

Es drängt sich die Frage auf, warum dem FC Bayern - nicht nur dem eigenen Selbstverständnis nach, Deutschlands bester und wichtigster Fußballklub - ausgewiesene Fußballlehrer wie Thomas Tuchel oder Julian Nagelsmann bisher durch die Lappen gegangen sind. Dass jetzt unter anderem Erik Ten Hag ein möglicher Kandidat sein soll, ist eher ein Signal von wenig Weitblick auf dem Trainermarkt: der Niederländer stand schon zwei Jahre unter Vertrag beim FCB, parallel zu Guardiola, als Coach der Regionalliga-Reserve. Viereinhalb Jahre später, nach der glänzenden Europapokal-Saison mit Ajax, scheint er jetzt auch für die Bayern groß genug zu sein.

In dieser Phase der Saison einen Trainer mit fußballerischen Expertise zu finden, ist schwierig genug. Lieber eine Übergangslösung samt Übergangssaison, mit einem Neustart im nächsten Sommer, statt eines überteuerten Schnellschusses. Nur ist die Saison noch lang und keinesfalls sicher, dass Hans-Dieter Flick ein Jupp Heynckes ist. 2009 – nach dem K.o. für Klinsmann – vollendete Heynckes die nur noch kurze Spielzeit. Danach kam Louis van Gaal, menschlich mühsam, sportlich aber der Wegbereiter des schönen Fußballs. Van Gaal, Heynckes und dann Pep Guardiola – der Mut der Münchner Macher wurde belohnt mit erfolgreichen Fußballjahren und einem Spielstil mit Wiedererkennungswert. Der FC Bayern stand damals für viel mehr als das folkloristische "Mia san mia".

Herbstblues beim FC Bayern

Aktuell offenbaren sich im Zuge der Trainerfrage weitere Probleme: wer hat den strategischen Scharfsinn für eine Wahl dieser Tragweite und wer die Entscheidungsgewalt? Noch ist Hoeneß im Amt und wird auch vom Tegernsee weiter mitmischen, Rummenigge landete mit Ancelotti keinen Volltreffer und schwächte als Kovac-Zweifler den eigenen Trainer öffentlich über Monate. Und welche Rollen dürfen ein Hasan Salihamidzic noch, beziehungsweise Oliver Kahn schon spielen? Herbstblues beim FC Bayern München, schon wieder.

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