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Klärendes Finale für Kovac

Über die offene Trainerfrage beim FC Bayern vor dem DFB-Pokalfinale

Nach dem Pokalfinale am Samstag wird die Dauerdebatte um Bayerns Trainer Kovac aufhören, so oder so. Bei seinem Verbleib aber wohl nur vorerst, denn die viel kritisierte Kakofonie der Bayern-Bosse droht sich fortzusetzen – und dem Verein zu schaden.

Kovac Bayern-Trainer enttäuscht
Bayern-Trainer Niko Kovac.
Quelle: imago/Jan Huebner/Herkert

Auf ihrer Website haben sie dem Trainer schon mal die Ehre erwiesen. Mit "DFB-Pokal-Experte Niko Kovac" überschrieb der FC Bayern einen Text zu jenen Erfolgen, mit denen der 47 Jahre alte Fußballlehrer in diesem Wettbewerb bereits mit berühmten Kollegen auf einer Stufe steht.

Kovacs Serie

Wie zuvor nur Otto Rehhagel (1989 bis 1991 mit Bremen), Udo Lattek (1984 bis 1986 mit Bayern) sowie Hans Schmidt (1935 bis 1938 mit Schalke) hat es Kovac geschafft, dreimal in Serie ins Endspiel einzuziehen, vor den Bayern zuvor zweimal mit Eintracht Frankfurt. Vor Kovac war das nur Schmidt in seinen ersten drei Spielzeiten als Trainer gelungen.

Kovac könnte am Samstag (20 Uhr/ARD) gegen RB Leipzig sogar zwei Alleinstellungsmerkmale im deutschen Fußball erreichen: Als Erster, der als Spieler und Trainer mit einem Verein das Double holt. Und als erster Trainer, der mit zwei Klubs direkt hintereinander Pokalsieger wird. Im Vorjahr hatte er mit Frankfurt beim 3:1 über seinen jetzigen Arbeitgeber triumphiert.

Neue Spieler, gleicher Trainer?

Auch wegen der historischen Quervergleiche wirkt es auf viele Experten und Beobachter zunehmend befremdlich, dass vom FC Bayern noch immer offen gelassen wird, ob Kovac seinem bis 2021 erteilten Arbeitsauftrag weiterhin nachkommen und den Umbruch in der Mannschaft mitgestalten darf. Dann mit den bereits erworbenen Verteidigern Lucas Hernández und Benjamin Pavard sowie mit dem Offensivtalent Jann-Fiete Arp.

Leipzigs Nationalstürmer Timo Werner gilt als weiterer Transferkandidat, ebenso Chelseas derzeit verletztes Flügeltalent Callum Hudson-Odoi. Zudem bestätigte Uli Hoeneß das Bayern-Interesse an Nationalspieler Leroy Sané (ManCity, Marktwert 100 Mio.). Laut "Kicker" bemühen sich die Münchner auch um Atlético Madrids defensiven Mittelfeldakteur Rodrigo Hernández ( festgeschriebene Ablöse 70 Mio.) und um den ehemaligen DFB-Sportdirektor sowie Co-Trainer Hansi Flick als neuen Assistenten, da Peter Hermann abtritt.

Klarheit nach dem Finale?

Einige von Kovacs Trainerkollegen sehen den Umgang in München mit dem Trainer kritisch: Als "unverständlich" bezeichnet etwa Friedhelm Funkel die Hinhaltetaktik in Sachen Kovac. Als "absolut respektlos" empfindet Ralf Rangnick den Umgang mit Kovac, womit er aber wohl vor allem auf die Medien zielte. "Die Methodik ist an der Grenze der Unanständigkeit", kritisierte der langjährige TV-Kommentator Marcel Reif dagegen die Klubführung des FCB.

Das Pokalfinale am Samstag ist so gesehen auch ein erlösendes Endspiel für Kovac. Denn danach dürfte ja rasch klar werden, ob er die Mannschaft im Umbruch weiter anleiten wird, wofür derzeit mehr spricht als dagegen.

Fans feiern den Trainer

Falls ja, muss er sich aber wohl darauf einstellen, schon bei kleinen Dellen wieder von der alten Debatte eingeholt zu werden. Auch wegen des traditionellen Machtgerangels an der Säbener Straße und der damit einhergehenden Kakofonie, die Präsident Hoeneß und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in der Trainerfrage an den Tag legen und dem Verein damit schaden.

Sogar aus Sicht der Fans, die Kovac noch vor dem amtlichen Meistertitel am vergangenen Samstag feierten. "Bayern-Familie wird gepredigt, doch selbst nicht mehr gelebt. Umbruch heißt als Einheit standhaft zu bleiben", stand dabei auf einem ihrer vielen kritischen Banner.

Mühsamer Weg nach Berlin

Die Zweifel an Kovac in Klub und Mannschaft sind aber nicht nur Folge des deutlichen Achtelfinal-Aus in der Champions League gegen den FC Liverpool, sondern auch der wechselhaften Saison in Liga und Pokal. Äußerst mühsam geriet ja auch der Weg nach Berlin, mit den knappen Siegen bei den Regionalligisten SV Drochtersen/Assel (1:0) und SV Rödinghausen (2:1) sowie bei Hertha BSC (3:2 n.V.), gegen den Zweitligisten 1. FC Heidenheim (5:4) und bei Werder Bremen (3:2).

Hoeneß hatte zuletzt zwar seine Position pro Kovac wiederholt. Doch weder der Präsident noch Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic wollten eine klare Aussage zur Zukunft des Trainers treffen. Kovac hatte zuletzt fehlende Menschlichkeit beklagt, nachdem ihn die Dauerdebatte um seine Fähigkeiten fast durch sein gesamtes erstes Amtsjahr begleitete. Auch jetzt noch, im Pokalfinale.

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