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Sonderrolle mit Gefahrenpotenzial

Toni Kroos in der DFB-Elf

Toni Kroos macht in der deutschen Nationalmannschaft weiter, bestimmt aber selbst die Bedingungen: Mit der Ausnahmestellung für einen Ausnahmekönner begibt sich Bundestrainer Joachim Löw zum Neustart auf dünnes Eis.

Toni Kroos und Joachim Löw
Toni Kroos und Joachim Löw
Quelle: epa

Gut Ding will Weile haben. Und wenn der Boss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Reinhard Grindel, erneut betont, dass Gründlichkeit vor Schnelligkeit gehe, brütet der Bundestrainer Joachim Löw halt erst recht ausgesprochen lange über seiner WM-Analyse. Während die Technische Studiengruppe des Weltverbands FIFA noch vor dem Finale ihre Erkenntnisse des Turniers zusammenstellte und der Öffentlichkeit vortrug, lässt sich der Trainerstab der deutschen Nationalmannschaft damit mehr als zwei Monate Zeit.

Das letzte Gruppenspiel, das 0:2 gegen Südkorea, nur zur Erinnerung, fand am 26. Juni in Kasan statt. Bis Löw seine Ergebnisse aus der Aufarbeitung inklusive fachlicher Argumentation und personeller Konsequenzen vorstellt, wird es der 29. August sein. Dann ist in München der Auftritt des mittlerweile nicht mehr unumstrittenen 58-Jährigen geplant.

Löw begrüßt Entschluss

Immerhin hat Löw in der Zwischenzeit eine wichtige Personalie im Zwiegespräch geklärt. Toni Kroos macht im Nationalteam weiter. "Mit seiner Erfahrung, Klasse und Persönlichkeit ist er natürlich ein Schlüsselspieler, dem in unseren Planungen eine ganz wichtige Rolle zukommt - auf und neben dem Platz", teilte Löw über die Verbandshomepage mit. Allerdings findet sich in seiner Mitteilung kein Wort davon, dass Deutschlands Fußballer des Jahres die Voraussetzungen im Grunde selbst bestimmt hat.

Der 86-fache Nationalspieler will nämlich in der DFB-Auswahl selbst gewählte Auszeiten nehmen. "Wir werden gemeinsam Lösungen finden, damit ich hier und da auch eine notwendige Ruhepause bekomme", sagte der Taktgeber von Real Madrid der "Bild"-Zeitung. Als zweifacher Familienvater und Vielspieler eines Global Players benötige er Ruhephasen, "schließlich wollen alle Beteiligten, dass ich im Sommer 2020 in einer guten Verfassung bin." Das sei, so die Kroos-Lesart, der einzige Weg, "und ich bin Jogi für sein Verständnis dankbar".

Gefährliche Forderung

Die Forderung ist bei näherer Betrachtung nicht ungefährlich. Eigentlich dürften ähnlich belastete Akteure - wie Mats Hummels oder Thomas Müller vom FC Bayern - auch auf solch einen Status pochen. So ist das von Kroos ausgesandte Signal nicht sonderlich mannschaftsdienlich, obgleich der 28-Jährige ja gerade verlangt, dass "wir wieder dahinkommen, dass jeder sein Ego in den Hintergrund stellt, sich und seine Stärken zum Wohl des Teams einbringt und der mannschaftliche Erfolg im Mittelpunkt steht."

Er selbst aber pocht auf eine Rolle, die in unausgesprochener Form auch Michael Ballack, Torsten Frings oder Bastian Schweinsteiger genossen, die in der Ära Löw immer wieder Freundschaftsspiele sausen ließen. So könnte Kroos zwar den Auftakt der Nations League am 6. September gegen den Weltmeister Frankreich in München bestreiten, nicht aber vier Tage später den Test gegen den WM-Teilnehmer Peru in Sinsheim.

Wie bei Neuer

Ob das wirklich gut ankommt? Schon in der Causa Manuel Neuer, für den Löw nach monatelanger Verletzungspause und ohne Einsatz im Verein bis auf den letzten Drücker einen Platz freihielt, war das Leistungsprinzip außer Kraft gesetzt. Der Bundestrainer hatte ja beinahe so getan, als würde die Mannschaft ohne einen Rückhalt zwischen den Pfosten in Russland spielen, wenn der Kapitän nicht fit werde. Auch bei Kroos sind die Sonderrechte zweifelhaft, wenn einer nur wichtige Länderspiele absolviert. Stimmt das mit den Grundwerten überein, die beim Neuaufbau doch mehr Hingabe, Identifikation und Leidenschaft sein müssten?

Kroos ist unbestritten eine wichtige Figur, im Mittelfeld nach dem Rücktritt von Mesut Özil sicherlich die wichtigste, aber auch der Mecklenburger hat keine gute WM hinter sich. Nachdem er zum dritten Mal in Folge mit Real Madrid die Champions League gewann, konnte er hernach diese Spannung nicht mehr halten. Im Grunde hatte er bei der WM einen lichten Moment, als er in letzter Minute im zweiten Gruppenspiel gegen Schweden die Kugel zum 2:1-Siegtreffer ins Toreck zirkelte. Doch seine Rückwärtsbewegung im Schleichtempo war oft ein Ärgernis und soll intern sehr wohl Thema im Mannschaftskreis gewesen sein. Insofern ist es jetzt verwunderlich, mit welchem Selbstverständnis der von der Veranlagung beste deutsche Mittelfeldspieler seinen Sonderweg geht und selbst die Voraussetzungen diktiert, zu denen er bis zur EM 2020 weiterspielt.

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