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Urteil: Fußballer-Verträge dürfen befristet sein

Sport - Urteil: Fußballer-Verträge dürfen befristet sein

Profiklubs können aufatmen: Heinz Müller, ehemaliger Keeper des FSV Mainz, ist mit seiner Klage vor dem Landes-Arbeitsgericht Rheinland-Pfalz gescheitert.

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1 min
Datum:
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Video verfügbar bis 16.02.2017, 15:40

Fußballvereine können vorerst aufatmen: Befristete Verträge sind nach Ansicht des Landesarbeitsgerichts Rheinland-Pfalz zulässig. Ex-Keeper Heinz Müller hatte gegen den FSV Mainz 05 geklagt.

Auch wenn viele Fußballer schwindelerregende Gehälter erzielen, sind sie doch Arbeitnehmer. Dies hat die Rechtssprechung lange entschieden. Arbeitnehmer haben Arbeitnehmer-Rechte und da gilt für gewöhnlich: Eine Befristung ohne Sachgrund ist nur für zwei Jahre zulässig. Ex-Mainz-05-Keeper Heinz Müller aber wurde zweimal befristet angestellt und sollte hiernach den Verein verlassen. Dies wollte er nicht hinnehmen und zog vor das Arbeitsgericht Mainz. Dort bekam er recht. Es sei kein gesetzlicher Sachgrund für eine weitere Befristung gegeben. Der Arbeitsvertrag laufe weiter. Anders sah es heute das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz.

Alter ist kein Grund für eine Befristung

Dabei machte es der Vorsitzende Richter Bernardi zu Beginn der Verhandlung spannend. Er betonte nämlich zunächst, dass das Alter von Heinz Müller, der bei Vertragsende 36 Jahre alt war, kein Sachgrund für eine Befristung darstelle. In Sachen Fußball offenbar bewandert, zählte Namen „betagter“ Profitorwarte auf. So seien die Italiener Dino Zoff und Gianluigi Buffon noch mit 40 bzw. 38 Jahren Weltmeister geworden.

Auch dass es weltweit im Profifußball befristete Verträge gebe, sei kein hinreichender Sachgrund für eine Befristung. Es müsse ein anerkennenswertes Bedürfnis für eine solche bestehen. Diese aber bejahte das Gericht. So bestünde bei Vertragsschluss ein hohes Maß an Ungewissheit, wie lange ein Spieler für die Mannschaft erfolgreich eingesetzt werden könne. Zudem sei nicht absehbar, ob die Leistungsfähigkeit eines Spielers etwa bei einer Steigerung des Gesamtniveaus eines Kaders auch in Zukunft ausreichend sei. Auch sei ein Abwechslungsbedürfnis des Publikums festzustellen. Dieses erwarte, dass jedes Jahr neue Spieler verpflichtet würden. Unbefristete Verträge stünde all diesen Aspekten entgegen.

Leistungseinbruch schwierig zu beweisen

Denn unbefristete Verträge bedeuten, dass ein Arbeitsvertrag nur dann beendet werden kann, wenn ein gesetzlicher Kündigungsgrund vorliegt. Ein solcher wäre etwa dann gegeben, wenn ein Spieler Sportinvalide sei.

Wenn aber nur vermeintlich seine Leistung abnehme, sei es überaus schwierig für den Verein dies gerichtlich zu beweisen. Es stelle sich auch die Frage, welcher Maßstab für die Leistungsfähigkeit gelte - der des FC Bayern oder der eines Amateurvereins. Unklar sei auch, wie man die Leistungsfähigkeit überhaupt messen könne.

Das Schreckensszenario von Gerichtsprozessen mit Gutachtenkriegen wurde vom Vorsitzenden an die Wand gemalt. Da man also den Spielern nur schwer kündigen könne, wäre Folge ein aufgeblähter Spielerkader, der einen Verein wirtschaftlich in Bedrängnis bringen könne.

Revision zugelassen

All dies führe dazu, dass aufgrund der Eigenart des Profifußballs befristete Verträge zulässig sind. Das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen. Die Revision zum Bundesarbeitsgericht wurde zugelassen.

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