Sie sind hier:

Cindy Roleder: Clever über die Hürden

Sport - Cindy Roleder: Clever über die Hürden

Kinderreporter Edgar besucht Hürdenläuferin Cindy Roleder beim Training in Leipzig. Dabei berichtet die WM-Zweite aus dem Vorjahr von ihrem olympischen Traum: "In Rio möchte ich ins Finale kommen."

Beitragslänge:
2 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 05.03.2017, 16:38

Hürdensprinterin Cindy Roleder hat sich in den letzten beiden Jahren mit EM-Bronze und WM-Silber selbst überrascht. Am Wochenende will sie bei den Deutschen Meisterschaften in Kassel den Titel – und damit die Rio-Fahrkarte holen.

Rico Freimuth wusste es, bevor Cindy Roleder selbst überhaupt nur davon zu träumen wagte. Der Zehnkämpfer aus Halle, seit Herbst 2013 Roleders Trainingspartner, wettete vor der Leichtathletik-EM 2014 in Zürich darauf, dass die Leipzigerin eine Medaille holen würde. „Er kannte natürlich meine Trainingsleistungen“, sagt Roleder, „trotzdem habe ich selbst nicht geglaubt, dass er Recht behalten würde.“ Tat er aber. Und damit nicht genug: Im vergangenen Jahr steigerte sich die 26-Jährige über die 100 Meter Hürden auf 12,59 Sekunden und wurde Vize-Weltmeisterin.

Neuer Schwung

Dabei war die Bundespolizeimeisterin 2013 schon fast soweit gewesen, mit dem Hürdenlauf abzuschließen. Seit fünf Jahren keine Steigerung mehr. Fünf Mal 12,91 Sekunden gelaufen – aber nie schneller. Und zuletzt nicht mal mehr die 13-Sekunden-Marke geknackt. Roleder war genervt. Sie habe irgendwie „zu alter Frische zurückfinden“ wollen und suchte deshalb das Gespräch mit Cheick-Idriss Gonschinska, dem Cheftrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Roleder äußerte den Wunsch, in der Hallensaison Mehrkämpfe zu absolvieren. Gonschinska schlug zudem einen Trainerwechsel vor.

Er kontaktierte sofort Wolfgang Kühne, den Coach der Zehnkämpfer Freimuth und Michael Schrader. Kühne, der gerade im Trainingslager in Südafrika weilte, erzählte seinen Athleten, dass Cindy Roleder in ihre Gruppe kommen würde. Alle waren einverstanden. Und am Abend saß Roleder „völlig perplex“ auf ihrem Bett und sagte zu einer Freundin: „Ich habe gerade den Trainer gewechselt.“ Seither absolviert sie vor allem im Winter gemeinsam mit Freimuth, Schrader und inzwischen auch Jennifer Oeser ein Mehrkampftraining. Heißt: Größere Umfänge und höhere Intensitäten als früher.

Dank an Kühne

Was Freimuth zu dieser freundlich-machohaften Erklärung für Roleders jüngste Erfolge veranlasst: „Die meisten Frauen trainieren einfach nicht genug. Dabei sind sie viel belastbarer als Männer. Frauen musst du einfach nur trainieren lassen, dann werden sie automatisch gut.“ Roleders Fazit lautet: „Für mich war es der Jackpot, dass ich zu Herrn Kühne gegangen bin. Ich kann nicht in Worte fassen, wie dankbar ich ihm bin, dass er mich genommen hat.“

Im Siebenkampf hat Roleder im vergangenen Jahr 6055 Punkte geschafft. Beachtlich für eine Hürdensprinterin, aber noch nicht gut genug, um im enorm starken deutschen Siebenkämpferinnen-Feld ganz vorn mitzumischen. Die Olympianorm liegt bei 6200, die EM-Norm bei 5950 Punkten. Aber Roleder ist inzwischen ja auch wieder mit ihrer Spezialdisziplin versöhnt. Sie sagt: „Es wäre dumm von mir, im Siebenkampf 15. zu werden, obwohl ich im Hürdensprint ins Finale kommen kann. Da muss man clever denken.“

Olympia im Blick

Cindy Roleder
"Krasse Nummer“: Cindy Roleder Quelle: reuters

Den Deutschen Meisterschaften am Wochenende in Kassel sieht sie gelassen entgegen. Neben ihr selbst haben schon Nadine Hildebrand (Sindelfingen) und Pamela Dutkiewicz (Wattenscheid) die Olympia-Norm (13 Sekunden) unterboten. Franziska Hofmann (Chemnitz) und Ricarda Lobe (Mannheim) sind nah dran. Es gehe um „den Titel und fertig, dann bis du dabei“, sagt Roleder. Denn fest steht: Egal, wie viele Athleten unter der Olympia-Norm bleiben – die Deutschen Meister haben das Ticket sicher. Roleder kann sich sogar vorstellen, dass in Kassel fünf Hürdensprinterinnen unter 13 Sekunden bleiben. „Das wäre natürlich Bombe, eine krasse Nummer.“

Für sie habe sich durch WM-Silber nicht viel verändert, sagt die große Blonde mit dem Waschbrettbauch, nur die Medienanfragen seien mehr geworden. Deshalb habe sie jetzt ein Management. „Aber die meisten Leute rufen immer noch bei mir an.“ Und sie müsse schließlich dran gehen, „es könnte ja auch die NADA sein.“ Aber es sei wichtig und gehöre nun mal dazu, immer bereit zu sein für eine Dopingkontrolle.

Doping im Fokus

„Bei uns in Deutschland ist das sehr streng, das ist auch gut so, aber das muss bitte überall auf der Welt genauso sein“, sagt Roleder. Deshalb sieht sie ebenso wie die übrigen deutschen Leichtathleten mit Spannung der Entscheidung des Welt-Leichtathletik-Verbandes IAAF entgegen, ob die russischen Athleten von den Olympischen Spielen ausgeschlossen werden. „Es ist traurig, dass man so denkt, aber ich wäre dafür“, sagt Roleder. „Ich habe keine Lust, von den anderen ausgelacht zu werden. Nach dem Motto: Ihr macht Euch gläsern, und wir können uns frei bewegen.“

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet