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Mit Leidenschaft und „Zwilllings-Vorteil“ nach Rio

Sport - Mit Leidenschaft und „Zwilllings-Vorteil“ nach Rio

Marathon in Hannover: Dort starteten die beiden Zwillingsschwestern Anna und Lisa Hahner aus Gengenbach und sind dabei ihren Olympiatickets für Rio de Janeiro wieder ein Stück näher gekommen.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 11.04.2017, 14:40

Anna und Lisa Hahner werden am 14. August gemeinsam am Start des olympischen Marathons in Rio stehen. Die immer gut gelaunten 26-Jährigen bezeichnen das Laufen als ihre gemeinsame „Leidenschaft“ und setzen voll auf den „riesigen Zwillings-Vorteil“. Am Samstag sind die beiden Marathonläuferinnen zu Gast im aktuellen sportstudio.

Anna ist die Ältere, doch die 16 Minuten sieht man ihr nicht an. Ihr Scheitel verläuft von links nach rechts, genau anders herum als bei Lisa. Aber wer soll sich das merken? Lisa trägt im Alltag eine Brille – die sie zurzeit durch Kontaktlinsen ersetzt hat. Und sie ist zwei Zentimeter größer als Anna. Anna mag lieber weiße Schokolade, Lisa zieht dunkle vor. Auch keine Unterschiede, die sich auf den schnellen Blick deutlich zeigen. Aber Anna und Lisa Hahner wären nicht die perfekt eingespielten und aufeinander abgestimmten Marathon-Zwillinge aus dem Schwarzwald, wenn sie keine Lösung für ihre Fans hätten: Anna trägt Ohrringe. Immer. Lisa nie.

Rennrad-Unfall ohne Folgen

Anna (li.) und Lisa Hahner  im Training
Anna (li.) und Lisa Hahner im Training Quelle: dpa

Ende Juni hatte Anna einen Unfall mit dem Rennrad. Dabei zog sie sich ziemliche Wunden an der linken Schläfe und am linken Arm zu. Deshalb habe sie überlegt, sich die Frisur umzustylen und den Scheitel zu ändern, damit die Narbe verdeckt wird. „Aber dann hätte Lisa ihren Scheitel ja auch ändern müssen“, sagt Anna Hahner. „Also habe ich es gelassen.“ Am vergangenen Sonntag war sie erholt genug vom Schock und den Schmerzen, um beim Halbmarathon der Leichtathletik-EM in Amsterdam anzutreten. In 1:18,41 Stunde wurde sie 74. Was zählte, sei aber vor allem gewesen: „Ich weiß, dass mein Körper wieder bereit ist, sich voll aus zu belasten.“

Das ist wichtig. Denn das größte Ziel und die härteste Herausforderung ihrer bisherigen Karriere steht den laufenden Zwillingen in diesem Jahr noch bevor: der olympische Marathon am 14. August in Rio. Als sie 17 waren, haben die Hahners nach einem Vortrag des ehemaligen Musikers und Extremsportlers Joey Kelly das Laufen als „gemeinsame Leidenschaft“ entdeckt, wie sie sagen. Seitdem spulen die Hahner-Twinds einen Großteil ihrer Trainingskilometer im Gleichschritt ab, was sie als großen „Zwillings-Vorteil“ bezeichnen. Sie vermarkten sich sehr erfolgreich als Einheit. Sie wohnen zusammen. Sie backen und kochen zusammen und machen zur Entspannung gemeinsam Musik. „Aber es ist sehr unwahrscheinlich, dass wir in Rio gemeinsam im Gleichschritt über die Ziellinie laufen werden“, sagt Anna.

Laufen statt Master

Die Kritik ihres ehemaligen Coaches, des Bundestrainers Wolfgang Heinig, sie würden sich zu wenig um das Training und zu viel um ihre Vermarktung kümmern, lassen die Hahner-Twins nicht an sich ran. Jeder müsse den für ihn passenden Weg finden, sagen sie. Als sie ihren Lehramts-Bachelor (Anna in Französisch und katholische Theologie, Lisa in Französisch und Mathe) in der Tasche hatten, stellte sich ihnen die Frage: Den Master machen und in den Beruf einsteigen? Oder ganz auf das Laufen setzten? Sie taten letzteres und müssen nun davon leben. Anna erklärt: „Da reicht es nicht, schnell zu laufen, wenn niemand weiß, dass man schnell läuft.“

Lisa ist im vergangenen Oktober beim Frankfurt-Marathon in 2:28:39 Stunden persönliche Bestzeit gelaufen. Anna brauchte im vergangenen September in Berlin 2:30:19 Stunden. Ihre Bestzeit (2:26:44) hatte sie dort im Jahr zuvor aufgestellt. „Wir hatten beide nicht das Gefühl, über die Marathonziellinie zu laufen und bähm, die Olympiaqualifikation ist sicher“, sagt Lisa. Die Olympianorm lag im vergangenen Herbst noch bei 2:28:30 Stunden. Sie wurde erst im Januar wie einige andere Richtwerte in der Leichtathletik gesenkt, dann reichten 2:30:30 Stunden für die Olympiaqualifikation. Nach den Skandalen um Doping und Korruption in Russland und im Internationalen Leichtathletik Verband IAAF wollte man den Athleten nicht mehr (zu) extreme Leistungen abverlangen.

Gemeinsam nach Rio

In diesem Frühjahr mussten beide Hahners noch einen Leistungsnachweis über die Halbmarathon-Distanz erbringen (mindestens 1:15:00 Stunde), auch das gelang. Damit sei ihr größtes Ziel bereits erreicht, sagen die Zwillinge, sie dürfen gemeinsam in Rio antreten. Wenn sich irgendwo auf den 42,195 Kilometern dann zeigt, dass es nicht mehr im Gleichschritt weitergeht, wird das den gewohnten Frohsinn der Zwillinge nicht trüben. Viel geredet werde unterwegs nicht, sagen sie. „Aber ein paar kurze, motivierende Sätze oder Wörter gehen schon“, erklärt Anna.

Die Trennung auf der Strecke könnte sich dann wie folgt anhören:

Die eine sagt: „Ich ziehe jetzt an.“
Und die andere schnauft: „Go.“
„Wir sehen uns im Ziel.“
„Hau rein.“

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