Sie sind hier:

Studie: Rehm hat keinen Vorteil

Sport - Studie: Rehm hat keinen Vorteil

Markus Rehm kämpft weiter um seine Olympia-Teilnahme: Der Weitspringer und Behindertensportler sowie DBS-Präsident Friedhelm Beucher im Interview mit ZDF-Sportreporter Alexander von der Groeben.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 30.05.2017, 06:00

Jetzt ist der Weltverband der Leichtathleten an der Reihe: Wissenschaftler aus Köln, Japan und den USA haben in einer Studie festgestellt, dass Weitspringer Markus Rehm keine gravierenden Vor- oder Nachteile im Vergleich mit Athleten ohne Behinderung hat. Rehm ist beinamputiert und springt mit einer Prothese.

Die Botschaft, die Markus Rehm in Köln mitzuteilen hatte, war als Aufdruck auf der Vorderseite des Podiums nicht zu übersehen. "Auf dem Sprung nach Rio! Jump to Rio!" - in Deutsch und Englisch machte der Prothesen-Weitspringer klar, was er in diesem Jahr erreichen möchte: den Doppelstart bei den Olympischen Spielen und bei den Paralympics in Brasilien.

"Nicht eindeutig"

Das könnte durchaus so kommen. Denn Rehm hat seinen Part erfüllt. Eine in Köln veröffentlichte Studio kam zu dem Schluss: "Zu diesem Zeitpunkt kann nicht eindeutig ausgesagt werden, dass die Prothese von Markus Rehm ihm beim Weitsprung einen oder keinen Gesamtvorteil bietet."

Nun ist der Leichtathletik-Weltverband IAAF am Zug und in der Pflicht, meint nicht nur Rehm. Die Dachorganisation habe sich bislang "erfolgreich versteckt".

Präsident fordert

"Wenn es kein Vorteil ist: Was hält dann noch auf?", sagte Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes in Köln und forderte: "Die IAAF muss aus der Deckung heraus." Bei diesen offenen Fragen könne sich die IAAF "nicht in die Büsche schlagen".

In Sachen Inklusion habe die IAAF auch eine gesellschaftliche Verantwortung: "Und dieser muss sie sich stellen", forderte Rehm die Welt-Leichtathletik um deren Chef Sebastian Coe auf. Dabei geht es Paralympics-Gewinner Rehm in erster Linie nicht darum, ob er einen Doppelstart eventuell sogar juristisch einklagt: "Der Klageweg ist nicht mein erster Weg."

Mit Hightech-Prothese

Rehm, der seit einem Unfall 2003 unterhalb des rechten Knies amputiert und mit einer Hightech-Prothese als Behindertensportler zum Top-Athleten geworden ist, will dreierlei erreichen: Klärung des Sachverhalts auch durch die IAAF, Fairness und die Chance, "mich mit den Besten der Welt messen zu können".

Und zu diesem Kreis gehört er nun einmal, nicht nur bei den Sportlern mit Handicap. In der vergangenen Woche erfüllte Rehm in Innsbruck mit 8,18 Metern die Olympia-Norm (8,15). "Mir geht es nicht darum, eine Medaille zu gewinnen", stellte der Orthopädie-Mechanikermeister zu seinen olympischen Absichten fest.

Gemeinsame Wettkämpfe

Er will aber gemeinsame Wettkämpfe für Sportler mit und ohne Handicap. "Man müsste die Veranstaltungen nicht so strikt trennen", sagte er zum Beispiel über die Olympischen und Paralympischen Spiele. Man könne mehr Inklusion schaffen, beispielsweise mit einem gemeinsamen Staffellauf bei der Übergabe der olympischen Flamme an die Paralympics-Sportler.

Rehm fühlt sich bestätigt, obwohl die von ihm verlangte Studie ein Risiko war. Sie hätte ja auch erbringen können, dass er als Weitspringer mit Prothese einen Vorteil hat. "Es ist ein schönes Ergebnis, dass man keinen Vorteil feststellen konnte."

Beucher: Weiter kämpfen

Beucher möchte den generellen Kampf um die sportliche Gerechtigkeit weiterführen. "Wir geben nicht Ruhe. Denn es ist auch Teil einer Diskriminierung", warf der ehemalige SPD-Politiker der IAAF vor und forderte den Weltverband auf: "Seid fair, habt keine Angst vor einer Auseinandersetzung."

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet