Sie sind hier:

Ein großer Traum, viele kleine Chancen

Die Leichtathletik-WM in London

Die deutschen Speerwerfer starten mit gleich drei Medaillenkandidaten bei der Leichtathletik-WM ab Freitag in London (SPORTextra, ab 22:15 Uhr). In anderen Disziplinen sind die Aussichten auf Erfolge geringer, das Team befindet sich im Neuaufbau.

Deutsche Medaillenhoffnungen

Idriss Gonschinska, der Leitende Direktor Sport im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV), mag Zahlen. 72 deutsche Athleten wird er von Freitag bis zum Sonntag kommender Woche im Londoner Olympiastadion bei der Leichtathletik-WM an den Start schicken. Athleten aus 40 bis 45 Nationen kämen beim Höhepunkt des Jahres dafür in Frage, Medaillen zu gewinnen, sagt er. Natürliche auch deutsche.

Athleten aus 20 bis 25 Nationen hätten die Möglichkeit, Gold zu gewinnen. Auch darunter sind deutsche. Aber wie viele Medaillen genau er sich von seinem Team erhofft – das sagt Gonschinska nicht. Das sagt er prinzipiell nicht. Medaillenzählen mag er nicht. Er wünscht sich von seinen Athleten, „ihre Saisonbestleistung zu erreichen oder zu überbieten“.

Speerwerfer in der Favoritenrolle

Thomas Röhler
Olympiafavorit Thomas Röhler Quelle: dpa

Fest steht: Sollte den deutschen Speerwerfern das gelingen, haben sie Medaillen sicher. Wahrscheinlich sogar gleich drei. Denn Olympiasieger Thomas Röhler (93,90 m), der deutsche Rekordhalter Johannes Vetter (94,44) und Andreas Hofmann (88,79) liegen geschlossen an der Spitze der Weltjahresbestenliste.

Röhler, ein Mann des Wortes, reagiert auf die hohen Erwartungen so: „Wir sind verrückt genug davon zu träumen, alle Medaillen mit nach Hause zu nehmen. Aber wir sind auch Realisten genug, das Stadion nicht in Tränen zu verlassen, sollte das nicht passieren.“

Gedämpfte Erwartungen

Acht Medaillen, wie sie die Deutschen bei der letzten WM 2015 in Peking einsammeln konnten, scheinen diesmal allerdings außerhalb der Reichweite. „Wir befinden uns im ersten Jahr der Neuformierung für 2020“, betont Gonschinska.

Namhafte Erfolgsgaranten wie Kugelstoßerin Christina Schwanitz (ist gerade Mutter von Zwillingen geworden), die Speerwerferinnen Christina Obergföll und Linda Stahl (haben ihre Karrieren nach Rio beendet) oder im Diskuswerfen der Olympiasieger Christoph Harting und der Olympiadritte Daniel Jasinski (haben sich nicht qualifiziert) fehlen. Gonschinska sagt: „Das sind Athleten, die keine Nationalmannschaft in Europa einfach ersetzen kann.“

Erfolgsgaranten schwächeln

Diskuswerfer Robert Harting, Olympiasieger 2012 und dreimaliger Weltmeister, macht sein strapazierter Leistungssportler-Körper zu schaffen. Kugelstoßer David Storl, zweimaliger Weltmeister und Olympiazweiter 2012, hat sich nach all den frühen Erfolgen in ein sportliches Tief manövriert.

Stabhochspringer Raphael Holzdeppe, Weltmeister 2013 und WM-Zweiter 2015, fliegt nach einigen Verletzungen und gebrochenen Stäben nicht mehr so hoch wie einst. Und Titelverteidigerin Katarina Molitor hat in dieser Saison noch nicht das rechte Gefühl für den Speer gefunden.

Hoffnung auf Mehrkampf und Staffel

Aber es gibt auch hier und da noch Chancen. Die besten neben den Speerwerfern haben die deutschen Mehrkämpfer. Zehnkämpfer Rico Freimuth führt die Weltjahresbestenliste an, Siebenkämpferin Carolin Schäfer liegt auf Rang zwei. Hürdensprinterin Pamela Dutkiewicz hat vielleicht nicht ganz so gute Aussichten auf einen Podiumsplatz wie sie die verletzte Europameisterin Cindy Roleder gehabt hätte, aber die 25-Jährige hat mit Platz drei bei der Hallen-EM Anfang des Jahres angedeutet, auf einem guten Weg zu sein.

Wenn nicht für Edelmetall, dann zumindest für gute Unterhaltung wird die 4x100-m-Staffel der Frauen um die quirlige Gina Lückenkemper sorgen. Die 20-Jährige ist mit einer Bestzeit von 11,01 Sekunden nur noch eine Winzigkeit von der entscheidenden Schallmauer ihrer Disziplin entfernt.

Wer wird in London überraschen?

Dann wäre da noch Hochspringer Mateusz Przybylko, der in diesem Jahr schon mehrfach über 2,30 Meter und einmal über 2,35 flog. Damit ist er nah herangerückt an die internationalen Spitzenkräften des Über-die-Latte-Floppens. Und natürlich Konstanze Klosterhalfen, ein zierliches Persönchen mit wallendem Haar und unglaublichem Lauftalent. Zweimal ist sie in diesem Jahr schon unter den magischen vier Minuten geblieben. Zur Weltjahresbestzeit fehlen ihr noch gut drei Sekunden.

Welche deutschen Athleten es am Ende zu Bestleistungen bringen oder es sogar aufs Podest schaffen, werden die Wettkämpfe ab Freitag zeigen. Wie Idriss Gonschinska so schön sagt: „Den unmittelbaren Wettbewerb können wir nicht planen, den macht die Überraschung aus.“

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.