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Ohne Herz und Seele

Leichtathletik-WM Doha 2019 | Fazit

Die deutschen Leichtathleten haben bei der WM in Doha das Beste aus ihren Möglichkeiten gemacht, doch insgesamt waren die Titelkämpfe im Wüstenstaat gespenstisch. Auch wenn die IAAF von "der besten Show in der Geschichte" spricht.

Weitgehend leere Ränge bei der Leichtathletik-WM in Doha
Leichtathletik-WM im Wüstenstaat Katar: wenig Zuschauer, maue Stimmung.
Quelle: dpa

Nach der WM ist vor Olympia, nach zehn Tagen Weltmeisterschaft in Doha bleiben den deutschen Leichtathleten nun noch knapp zehn Monate bis zum Event aller Events im (Nicht-Fußball-)Sport. Und auch wenn diese WM im Wüstenstaat Katar nicht die allerbeste Werbung für die Leichtathletik insgesamt war, lässt sich doch sagen: Die deutsche Mannschaft hat bestmöglich "performt" - um es mit dem Lieblingswort von Idriss Gonschinska zu umschreiben, dem Generaldirektor Sport im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV).

Deutsche Medaillenkandidaten haben geliefert

Sechs Medaillen gab es für das 71-köpfige deutsche Team, eine mehr als vor zwei Jahren in London. Zweimal Gold durch Weitspringerin Malaika Mihambo und Zehnkämpfer Niklas Kaul, dazu viermal Bronze durch Gesa Krause (3000 Meter Hindernis), Christina Schwanitz (Kugelstoßen), Konstanze Klosterhalfen (5000 Meter) und Johannes Vetter (Speerwerfen). Diejenigen, die als Medaillenkandidaten gehandelt worden waren, haben geliefert. Von Kaul war weniger, von den deutschen Speerwerfern mehr erwartet worden - ein schöner Ausgleich im Sinne der Gesamtbilanz. Und mit Blick auf die Olympischen Spiele im kommenden Jahr vom 24. Juli bis zum 4. August in Tokio darf sich der DLV durchaus Hoffnungen auf weitere Erfolge machen, da einige der deutschen Spitzenathleten in Doha verletzt fehlten.

Als herausragende Athletin des deutschen Teams setzte Weitspringerin Mihambo am letzten WM-Abend einen goldenen Schlusspunkt. Als Weltjahresbeste war sie die Topfavoritin. Und auch sie selbst hatte sich den Sieg ganz klar zum Ziel gesetzt. Was auch sonst nach einer derart dominanten Saison mit Siebenmeter-Sprüngen in Serie? So viel Druck kann schnell zu einer unüberwindbaren Hürde werden, doch die 25-Jährige von der LG Kurpfalz hüpfte im dritten Versuch mal eben auf 7,30 Meter. Das bedeutete: Gold. Persönliche Bestleistung. Und einen WM-Rekord, denn sie hatte 38 Zentimeter Vorsprung auf die zweitplatzierte Ukrainerin Maryna Bech-Romantschuk. Einen derartigen Unterschied zwischen Weitsprung-Gold und -Silber gab es noch nie in der WM-Geschichte.

IAAF-Ranking basiert alleine auf sportlichen Leistungen

Mihambos Leistung diente dem Leichtathletik-Weltverband IAAF dann auch als einer der Beweise für die Qualität der Veranstaltung in Doha. Schon kurz nach Ende der Titelkämpfe verschickte der Verband eine Mitteilung, in der ausführlich erklärt wird, warum diese WM "die beste aller Zeiten" gewesen sei. "Gemessen an der Qualität", so wird IAAF-Präsident Sebastian Coe zitiert. Unmenschliche Hitze für Marathonläufer und Geher, wenige Zuschauer im Stadion, maue Stimmung, Korruption bei der WM-Vergabe - die Dinge, die weltweit von dieser ersten Leichtathletik-WM in einem arabischen Land in Erinnerung bleiben werden, klammert die IAAF bei ihrer Betrachtung gänzlich aus. Ihr Ranking basiert allein auf den Leistungen der Athleten. Und danach liegt Doha vor London 2017 und Sevilla 1999.

"Die Athleten der Welt haben die beste Show in der Geschichte der Leichtathletik-Weltmeisterschaften gezeigt, gemessen am Wettkampf-Leistungs-Ranking, das als objektives Maß für die Qualität einer internationalen Meisterschaft genutzt wird", sagte Coe. Als beste Leistung der Frauen führt die IAAF Mihambos 7,30-Meter-Satz auf. Als beste Leistungen der Männer die drei 22,90er-Weiten im irren Kugelstoß-Finale mit Joe Kovacs, Tom Walsh und Ryan Crouser.

Reines Leistungsdenken nicht mehr zeitgemäß

So kann man das natürlich sehen. Doch dieses reine Leistungsdenken ist eigentlich längst nicht mehr zeitgemäß. Es geht nicht mehr nur um höher, weiter, schneller. Das verbietet die Doping-Problematik ebenso wie ein modernes Sportverständnis. Es geht darum, die Menschen mitzureißen und zu begeistern. Und dafür bedarf es mehr als herausragender Leistungen und bombastischer Light-Shows. Der Leichtathletik-WM in Doha hat Herz und Seele gefehlt. Und das sind entscheidende Faktoren, die nicht mit Stoppuhr oder Maßband zu erfassen sind.

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