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Tygart: Keine WM-Athleten betroffen

US-Dopingjäger im ZDF zum Fall Salazar

von Markus Harm

US-Dopingjäger Travis Tygart hat im ZDF erklärt, dass kein WM-Teilnehmer in den Fall um den Coach Antonio Salazar verwickelt sei. Zur Zeit seiner Ermittlungen - 2010 bis 2014 - jedoch hätten die Athleten keine Ahnung gehabt, "was ihnen gegeben wurde".

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Bei den Ermittlungen gegen den Star-Trainer Alberto Salazar sagten Sportler aus, die bis 2014 in dem Elite-Camp Nike Oregon Project um Cheftrainer Alberto Salazar dabei waren, erklärte Travis Tygart, der für US-Anti-Doping-Agentur USADA arbeitet, am Mittwoch im Interview mit dem ZDF.

Tygart sprach zudem die Athleten des Nike Oregon Projects nach der Sperre des Cheftrainers Alberto Salazar von jeglicher Verantwortung frei.

Tygart: "Athleten hatten keine Ahnung"

"Sie müssen verstehen, die Athleten hatten wirklich keine Ahnung, was mit ihnen getrieben wurde, was ihnen gegeben wurde. Welche Dosierung, ob die Methoden verboten waren oder nicht, wussten sie gar nicht", sagte Tygart. Die Athleten "wurden einfach zu dem Arzt geschickt, und ihnen wurde gesagt, sie müssen auf ihn hören, ihm vertrauen", führte der oberste Dopingjäger der USA aus.

Die Ermittlungen, die am Dienstag zur vierjährigen Suspendierung Salazars geführt hatten, beziehen sich auf die Jahre 2010 bis 2014 - damals gehörte Deutschlands Laufhoffnung Konstanze Klosterhalfen noch nicht zum Team, die DLV-Medaillenhoffnung trainiert seit November 2018 in dem Elite-Camp. Betreut wird sie dort von Assistenztrainer Pete Julian.

Am Dienstagabend rannte der Amerikaner Donavan Brazier zu Gold über 800 Meter. Er kenne Salazar "kaum", sagte er. "Als die Ermittlungen begannen, wusste ich noch nicht mal, was das Oregon Project ist."

Er sei ja erst 2018 dazugestoßen. Der 22-Jährige wird wie Klosterhalfen von Salazar-Assistent Pete Julian betreut.

Dopingjäger nimmt Nike in die Pflicht

Tygart gab im ZDF Einblick in die Nachforschungen, zehn Athleten aus dem Nike Oregon Project (NOP) hätten sich an die Ermittler der USADA gewandt. "Alle von ihnen haben uns ihre medizinischen Auswertungen zur Verfügung gestellt", sagte Tygart: "Wir haben herausgefunden, dass die gefälscht waren, falsche Informationen wurden eingefügt, nachdem wir sie offiziell angefragt haben."

Das gesamte Umfeld des Projekts habe "versucht, alles zu verheimlichen", sagte Tygart und griff auch den Sportartikelgiganten Nike damit direkt an. "Ich hoffe, Nike sieht das jetzt als einen Wake-up-Call. Sie dürfen keine Ausreden mehr finden, sie müssen zugeben, dass Experimente an Sportlern in ihrem Namen und auf ihrem Gelände vorgenommen wurden und dass das einfach falsch war."

"Medizinische Experimente"

Für Tygart waren die Athleten "Versuchstiere, so muss man es sagen". Man habe den Sportlern keine Chance gegeben, "Medikamente oder verbotene Methoden von ihm oder seinem Arzt Jeffrey Brown abzulehnen", so Tygart weiter. "Einer Sportlerin wurde sogar gesagt, sie braucht Medikamente gegen ein Myom, obgleich sie gar kein Myom hatte. Sie haben die Sportler angelogen und ihre medizinischen Experimente im Nike Oregon Project an ihnen unternommen", betonte der 48-Jährige.

Neben Salazar wurde auch der Endokrinologe Jeffrey Brown, der zahlreiche Athleten Salazars behandelt hatte, gesperrt. Salazar wies die Vorwürfe zurück und kündigte Einspruch an.

Mit Material von SID/dpa

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