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Viel Kritik an Stimmung in Doha

Leichtathletik-WM in Doha/Katar

Kaum Zuschauer, wenig Stimmung und deutliche Kritik der Sportler: Die Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Doha sind ein atmosphärischer Tiefpunkt. Das wirft seinen Schatten voraus auf die Fußball-WM 2022 in Katar.

In das Leichtathletik-Stadion von Doha kommen kaum Zuschauer, ebenso wenig Stimmung kommt auf - der Schein der Show trügt.
In das Leichtathletik-Stadion von Doha kommen kaum Zuschauer, ebenso wenig Stimmung kommt auf - der Schein der Show trügt.
Quelle: DPA: Jean-Christophe Bott

Licht aus, Illusion an: Kurz vor dem 100-m-Finale der schnellsten Frauen der Welt schmiss die Stadionregie in Doha eine protzige Lasershow an und gaukelte so etwas wie Stimmung vor. Doch auch dieser Kniff verdeckte nur kurz, dass ein weiteres Highlight dieser Leichtathletik-WM fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Der erschütternd schwache Zuspruch wird neben der Hitze zum Hauptproblem der Titelkämpfe - und lässt schon jetzt für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 Schlimmes befürchten.

Sportler üben deutliche Kritik

"Wir sind aus den vergangenen Jahren verwöhnt, aber hier kommt wirklich kaum Stimmung rüber", sagte die deutsche Sprinterin Gina Lückenkemper nach dem Halbfinale am Sonntag - und damit gehörte sie noch zu den zurückhaltenden Kritikern. "Es ist eine Katastrophe, da ist fast niemand auf den Tribünen", polterte Frankreichs Zehnkampf-Weltrekordler Kevin Mayer: "Wenn ich mich nicht auf meine Leidenschaft für den Wettkampf konzentrieren könnte, würde ich diese WM boykottieren."

Beim 100-m-Finale der Männer am Samstagabend, gemeinhin der Höhepunkt von Weltmeisterschaften, harrten mit viel Liebe 10.000 Zuschauer im Khalifa International Stadium aus. Beim Frauen-Finale am Sonntag waren es nicht einmal die Hälfte. Offizielle Besucherzahlen werden aus gutem Grund nicht bekannt gegeben.

"Das soll eine WM sein?"

Abgedeckte Tribünen im Khalifa International Stadium als Deckoration für leere Ränge.
Abgedeckte Tribünen im Khalifa International Stadium.
Quelle: DPA: Jean-Christophe Bott

"Ich bin ins Stadion gekommen und dachte: Das soll hier wirklich eine WM sein?", sagte Denise Lewis, britische Siebenkampf-Olympiasiegerin 2000, die ihre Landsfrau Dina Asher-Smith über 100 m anfeuern wollte: "Die Athleten arbeiten ein ganzes Jahr hart, um dann vor leeren Rängen zu laufen. Das ist einfach nicht richtig!"

Dabei versuchen die Veranstalter schon mit allen Tricks, schönen Schein zu erzeugen. Das Fassungsvermögen des Stadions, in dem auch 2022 gekickt wird, wurde für die Leichtathletik von 48.000 auf 21.000 Zuschauer reduziert, der Oberhang komplett mit Bannern - zynischerweise mit der Aufschrift "Neue Höhen erreichen" - abgehängt. Dem Vorwurf, Gastarbeiter als Dekoration herbeizukarren, widersprach das Organisationskomitee. Wenn allerdings während der Wettbewerbe Stimmung herrscht, sorgen dafür meist äthiopische Fan-Kolonien während der langen Läufe. Katar hatte 2019 ein Abkommen mit dem ostafrikanischen Land zur massiven Anwerbung von Arbeitern geschlossen. Schon bei der Handball-WM 2015 hatte es Berichte über spanische Schlachtenbummler gegeben, denen Katar einen All-Inclusive-Trip finanziert hatte.

Für Fans kaum attraktiv

Offiziell besteht nicht einmal Zuschauermangel. Bei einer Pressekonferenz vor WM-Start teilte Dahlan Al Hamad, OK-Chef und Vizepräsident des Weltverbandes IAAF mit, dass von insgesamt 200.000 Eintrittskarten nur noch 5.000 zu verkaufen seien und diese nun flugs über die Ladentheke gehen werden. IAAF-Boss Sebastian Coe hatte alle Mühe, dabei ernst zu bleiben.

Das geringe Interesse hat vielerlei Gründe. Aufgrund der politischen Spannungen können Fans aus umliegenden Ländern und Regionen um Saudi-Arabien und Bahrain nicht beliebig einreisen. Das brutale Klima kommt hinzu, zudem tut man dem Wüstenstaat nicht Unrecht, wenn man ihm einen gewissen landschaftlichen Reiz abspricht - touristische Möglichkeiten sind begrenzt.

Sorge um Fußball-WM 2022

Ob der große Völkervereiner Fußball mehr Menschen nach Katar bringen kann, ist die große Frage der kommenden Jahre. Im Dezember findet erstmals im Land die Klub-WM statt, Jürgen Klopps FC Liverpool wird kommen, die Kataris setzen auf die berühmte Reisefreudigkeit der Reds-Fans. Ende 2022 wird dann die eigentliche Weltmeisterschaft mit 32 Teilnehmerländern im kleinen Katar der Gradmesser. Um dort Geisterkulissen zu verhindern, greift das streng islamische Land auf einen anderen großen Vereiniger zurück: Der Bierpreis soll drastisch gesenkt werden - derzeit ist das Glas Heineken nur in ausgesuchten Fünf-Sterne-Hotels zu umgerechnet zwölf Euro erhältlich.

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