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Doublegewinn für den Joberhalt

Fußball - DFB-Pokal | Finale

Niko Kovac hat es doch geschafft: Nach der Meisterschaft gewinnt der Trainer des FC Bayern im ersten Jahr auch den DFB-Pokal. Die Huldigungen der Fans tun ihm gut, doch die Distanz zu seiner Mannschaft bleibt spürbar.

Bayern Münchens Trainer Niko Kovac jubelt mit den Fans
Bayern Münchens Trainer Niko Kovac jubelt mit den Fans
Quelle: Reuters

Für einen Trainer, der gerade Meisterschaft und Pokal gewonnen hatte, sah Niko Kovac bei seinem Erscheinen auf der Pressekonferenz nach dem gerade gewonnenen DFB-Pokalfinale noch sehr ordentlich aus. Anzug und Hemd saßen akkurat. Immer wieder fiel sein Blick über die Schulter nach links.

Jeden Moment, sagte der Fußballlehrer in Diensten des FC Bayern, müsste doch zur offenen Tür ein Spielertrupp reinstürzen und ihn mit Kaltgetränken aller Art übergießen. Der 47-Jährige hätte gewiss nichts dagegen gehabt. Denn er, Niko Kovac aus dem rauen Berliner Stadtteil Wedding, aufgewachsen in der Turiner Straße, ist der erste Trainer, der im deutschen Fußball als Spieler und Trainer das Double gewonnen hat. Wenn das mal kein Grund ist, alle fünf gerade sein zu lassen. So hatte er es erlebt vor einem Jahr, als Eintracht Frankfurt seinen aktuellen Arbeitgeber an Ort und Stelle überrumpelte. Andere Vereine, andere Sitten.

Kein Vergleich zur Feier im Vorjahr

Irgendwann ahnte Kovac, dass es diesmal in der Aufwärmhalle des Berliner Olympiastadion seltsam nüchtern, fast so steril wie die Deckenbeleuchtung bleiben würde. Niemand kam, um ihn nach dem mit chirurgischer Präzision bewältigten 3:0-Erfolg gegen den nach sehenswerten Toren von Robert Lewandowski (29. und 85.) und Kingsley Coman (78.) unter Wert geschlagenen Verlierer RB Leipzig hochleben zu lassen.

Also erklärte Kovac eben selbst die Unterschiede. „Wir waren letztes Jahr der Underdog mit der Eintracht. Das war eine Sensation. Der Klub hatte 30 Jahre keinen Erfolg. Das ist man vielleicht emotionaler." Die Bayern hingegen würden „fast täglich, jährlich Titel einheimsen – die feiern anders“. Abgesehen von der spontanen Polonaise vor der Anhängerschaft eben mehr nach innen. „Aber glauben Sie mir: In der Kabine ist es feucht-fröhlich.“ Gegen diese Darstellung sprach wiederum, wie geschniegelt die Akteure hinterher zum Bus gingen, um zum abendlichen Bankett zu fahren. Einer ein besserer Dressman als der andere. Und nirgendwo auch nur eine Bierpulle in der Hand.

Trainer mit dem Megafon

Auf die Idee, dass eine Distanz zu seinen Spielern besteht, weshalb der Sportdirektor Hasan Salihamidzic und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ein Bekenntnis bislang schuldig geblieben sind, kam Kovac nicht. Die nicht gekitteten Risse im Binnenverhältnis waren nach Spielschluss bis in die letzte Reihe des weitläufigen Ovals tief im Berliner Westen spürbar. Als die mit den Bayern-Fans besetzte Ostkurve lauthals nach Niko Kovac rief, schritt dieser an eine Stelle zwischen Torraum und Strafraumlinie und hob einige Male die Hände zum Himmel. Kurz darauf bekam er ein Megaphon überreicht und die mehr als 74.000 Zuschauer durften sogar mithören: „Ich möchte mich bei euch allen bedanken für die Unterstützung. Ich kann gar nicht sagen, wie stolz ich auf euch bin.“

Nur als Kovac hernach als Vorletzter vor Kapitän Manuel Neuer zur Siegerehrung zu Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gerufen und um Applaus gebeten wurde, klatschten zwar fast alle auf der Ehrentribüne und in der Kurve – aber nicht die Mehrzahl der Spieler auf der Empore, die stattdessen feixend den Goldpokal und den Konfettiregen erwarteten.

Staatsmännische Huldigungen

In den Erklärungen überwog die Erleichterung. Vor allem bei Kovac selbst: „Ich bin erst einmal froh, dass das Jahr ein Happyend genommen hat.“ Als Mats Hummels hinterher über das „Riesenglücksgefühl“ bis hin zur „Genugtuung“ sprach, weil einige „Schläge knapp an der Gürtellinie waren“ – beispielsweise die Ausbootung aus der Nationalmannschaft – schwenkte sein Tonfall ins Staatsmännische, als er über Kovac‘ Anteil reden sollte: „Es war für alle nicht so einfach. Es war schwierig für die Mannschaft, für den Trainer, für alle.“

Nein, die Indizien, die Zweifel an der Harmonie innerhalb der bayrischen Familie säen, belasten das Binnenklima weiterhin. Unter diesem Eindruck erklärt sich auch die arg verschwurbelte Aussage, die Rummenigge abgab. „Es war für uns kein Thema, dass er mit seiner Laufzeit, die er hat, bis 2021 vorher ganz einfach da nicht mehr Trainer ist.“ Was bitte, sollte das genau heißen? Vielleicht sollte es genauso kurios klingen, wie der Boss den Saisonverlauf kategorisierte. Immerhin habe es in der Rückrunde „erfolgreichen, großartigen Fußball“ gegeben.

Trennung ist kein Thema mehr

Kovac fielen „nach dem Turnaround gegen Benfica“ am Ende eines stürmisches Herbstes nur zwei Ausnahmen an: die Niederlagen in Leverkusen und gegen Liverpool. Nächste Saison muss er allerdings beweisen, auch letztere Kaliber besiegen zu können. Eine Trennung in diesem Sommer hat er mit dem zwölften Münchner Double verhindert.

In der Hauptstadtrepräsentanz des Hauptsponsors wollte Rummenigge allerdings keine Ruhmesrede auf den Trainer anstimmen: „Das Selbstverständnis von Bayern München ist, solche Finalspiele zu gewinnen. Wir hatten eine tolle Woche. Letzte Woche haben wir die Meisterschaft gewonnen – und heute noch oben drauf das Double. Damit haben wir eine Saison abgeschlossen, mit der man hochzufrieden sein kann.“ Trotzdem hörte sich das mehr nach Pflichterfüllung an.

Stimmen nach dem Finale

Kovac würde vermutlich noch heute bevorzugen, lieber von Angesicht zu Angesicht wie früher in seiner Jugend auf dem Betonplatz am Leopoldplatz auszuteilen, als von seinen Vorgesetzten an der Säbener Straße ständig unausgesprochen angezweifelt zu werden. Hat er sich deswegen verändert? „Hier sitzt der Niko Kovac mit einem Jahr mehr Erfahrung in allen Belangen – aber trotzdem der Niko Kovac, der gleich geblieben ist.“ Trotzdem brauche er erst einmal Abstand. „Ich freue mich jetzt auf den Urlaub, es war eine anstrengende Saison.“ Zwei, drei Woche wolle er abschalten, „nicht darüber nachdenken, wann es wieder losgeht.“

Das Spiel zum Nachlesen im Ticker

Do, 13.05.2021
Do, 13.05.2021
20:45
RBL
RB Leipzig
RB Leipzig
-:-
Borussia Dortmund
Dortmund
BVB
Do, 13.05., 20:45 Uhr
Olympiastadion
RB Leipzig
RBL
RB Leipzig
-:-
Borussia Dortmund
Dortmund
BVB

Aufstellung

Die Aufstellung ist noch nicht bekannt.
    Begegnungen
    10
    Siege RB Leipzig
    2
    Siege Borussia Dortmund
    6
    Unentschieden
    2
    Torverhältnis
    12 : 20
    Der Liveticker hat noch nicht begonnen.
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