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Löw: Erneuerung statt Erinnerung

Fußball | Nationalmannschaft

Joachim Löw schickt drei Weltmeister in den vorzeitigen DFB-Ruhestand und nabelt sich damit ab von seiner erfolgreichsten Spielergeneration. Löws Handeln ist richtig. Ein Kommentar.

Joachim Löw
Joachim Löw

Nicht am Aschermittwoch, sondern am Veilchendienstag ist also alles vorbei: Die Nationalmannschaftskarrieren von Jérôme Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller hat der Bundestrainer offiziell für beendet erklärt. Löw schickt gleich drei verdiente Um-die-30-Weltmeister in den vorzeitigen DFB-Ruhestand. Der Weltmeistermacher nabelt sich ab von seiner erfolgreichsten Spielergeneration: Erneuerung statt Erinnerung, Taten statt ewige Treue.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Die personelle Kurskorrektur nach der verkorksten WM in Russland findet nicht mehr zögerlich, sondern radikaler statt - spät, aber immer noch rechtzeitig. Der Zeitpunkt birgt mehr Chancen als Risiko, denn die Gelegenheit ist günstig: Testspiele und eine sportlich überschaubar anspruchsvolle EM-Qualifikation (Niederlande, Nordirland, Estland, Weißrussland – die beiden besten Mannschaften qualifizieren sich) bieten Spielraum für neue Ideen und neue Nationalkicker.

Offensiv setzt Löw auf Höchsttempo, auf Dribblings: Leroy Sané, Serge Gnabry, Timo Werner, Kai Havertz oder Julian Brandt haben sich den Rückhalt des Bundestrainers verdient. Defensiv stehen Niklas Süle, Thilo Kehrer, Matthias Ginter, Jonathan Tah, vielleicht ein Niklas Stark und auch der oft unberechenbare Antonio Rüdiger für einen zukunftsgewandten Weg ohne Abwehr-Weltmeister.

Kurz und schmerzlos

Boateng, Hummels und Müller konnten in dieser Saison beim DFB und beim FC Bayern zu selten an ihre Bestleistungen anknüpfen. Als Bankdrücker sind sie zu alt und für den Bundestrainer auf Dauer zu gefährlich. Löws Handeln ist richtig: lieber ein Ende mit (kurzem) Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Vielleicht sind das Löws Lehren aus dem einst langatmigen Theater um Torsten Frings oder Michael Ballack.

In den nächsten 14 Monaten bis zum Start der EM-Vorbereitungen 2020 stehen also einiges und einige auf dem Prüfstand. Viele Spieler müssen zeigen, dass sie den Re-Start des Bundestrainers auf den Rasen bringen und Löws Mut mit Leistung belohnen können.

Neuer oder ter Stegen?

Andere müssen für das Vertrauen des Bundestrainers zurückzahlen, wie zum Beispiel Kapitän Manuel Neuer. Er darf sich dann längst nicht mehr so sicher sein, nicht bald als Nummer 1 von Marc-André ter Stegen abgelöst zu werden.

Das Übergangsjahr zwischen WM 2018 und EM 2020 ist jetzt reizvoller und spannender als erwartet. Der deutsche Fußball verfügt nicht mehr über Talente in Hülle und Fülle, aber über einen Bundestrainer, der es in seinem 13. Jahr als erster deutscher Fußballlehrer noch einmal wissen will. Und damit natürlich seine eigene Zukunft mit seiner Vision von einer neuen Nationalmannschaft verknüpft.

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