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Rehm: Auf der Suche nach der Wahrheit

Sport - Rehm: Auf der Suche nach der Wahrheit

Der Unterschenkel amputierte Weitspringer Markus Rehm träumt von Olympia 2016 in Rio. Die Norm hat er geschafft - nun muss ein Gutachten zeigen, dass ihm die Prothese keinen Vorteil bringt.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 15.03.2017, 14:31

Markus Rehm will es endlich wissen: Der unterschenkelamputierte Weitspringer versucht seit knapp zwei Jahren herauszufinden, ob ihm seine Prothese  - wie von Kritikern vermutet - einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz mit zwei gesunden Beinen bringt. Nun bekommt er Hilfe aus Japan.

Er springt mehr als einen Meter weiter als die Konkurrenz mit einer vergleichbaren Behinderung. Und er springt fast so weit wie die Besten mit zwei gesunden Beinen – 2015 flogen weltweit nur drei Männer weiter als 8,40 Meter. Das ist der  im Oktober aufgestellte paralympischen Weltrekord von Markus Rehm. Das ist so kurios, dass es genauer beleuchtet und hinterfragt werden sollte, finden die Macher einer japanischen Fernseh-Sendung. Sie machen Rehm zu ihrem Star und finanzieren dafür eine internationale wissenschaftliche Studie, die auch klären soll, ob Rehm durch seine High-Tech-Prothese einen Vorteil gegenüber nichtbehinderten Athleten hat.

Toll und verrückt zugleich

So bekommt der 27 Jahre alte Orthopädiemechanik-Meister aus Leverkusen die Hilfe, auf die er seit knapp zwei Jahren so sehr hofft, aus dem Land, in dem 2020 die Olympischen Spiele stattfinden werden. „Toll und ein bisschen verrückt“ sei das, sagt Steffi Nerius, ehemalige Speerwurf-Weltmeisterin und Trainerin von Markus Rehm. „Aber es ist auch traurig für den deutschen Sport, dass die das in Japan schaffen, und hier ist so etwas nicht möglich.“

Für Rehm stehen nach einer Woche wissenschaftlicher Untersuchungen in Köln nun weitere Tests in Tokio an, von den Fernsehleuten wird er schon seit einigen Monaten im Training und bei Wettkämpfen begleitet. Neben dem Institut für Biomechanik und Orthopädie der Deutschen Sporthochschule Köln sind auch Wissenschaftler aus Tokio und von der University of Colorado Boulder in den USA an der Studie beteiligt. Die Ergebnisse sollen Anfang Juni in Köln präsentiert werden, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten gemeinsamen Presseerklärung Rehms, der Sporthochschule und des Deutschen Behinderten Sportverbandes (DBS).

Doppelstart in Rio?

Vom DBS erhält Rehm zwar keine finanzielle Unterstützung, aber zumindest „volle Rückendeckung“, so formuliert es DBS-Präsident Julius Beucher. Einen Teil der Kosten der wissenschaftlichen Studie zu übernehmen, würde den Finanzrahmen des Verbandes sprengen, betont er. Doch die im vergangenen Jahr eingeführte Regel des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF), dass ein Behindertensportler beweisen muss keinen Vorteil zu haben, wenn er bei den Nichtbehinderten starten will, hält er für „schäbig und unsportlich, eine Umkehr der Beweislast“. Beucher sagt: „Wenn jemand, dem ein Bein fehlt, eine vergleichbare Leistung bringt wie die besten Weitspringer mit zwei Beinen, unterstreicht das nur seine sportliche Weltklasse.“

Nicht immer nur als der Springer mit der (Wunder)-Prothese zu gelten, sondern als vor allem enorm trainingsfleißiger und talentierter Athlet, das beschreibt Nerius als Rehms großes Ziel. Dabei gehe es nicht in erster Linie um einen Doppelstart im Sommer in Rio de Janeiro, bei Olympischen und Paralympischen Spielen. „Das ist erst der zweite Schritt“, sagt die Trainerin. Zunächst wolle Rehm „wissen, was los ist, ob er einen Vorteil hat ja oder nein“.

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