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Mercedes auf der Suche nach dem verlorenen Speed

Formel 1 - Großer Preis von Japan in Suzuka

Mercedes war zuletzt auf der Suche nach dem verlorenen Speed, profitierte in den beiden letzten Rennen nur von den Problemen bei Ferrari. Auch über Suzuka (So., 17:10 Uhr in der ZDF SPORTreportage) hängt noch ein Fragezeichen: Was macht die „launische Diva“ diesmal?

Archiv: Das Mercedes-Team bereitet einen Rennwagen vor, aufgenommen am 28.09.2017 in Sepang, Malaysia
Mercedes-Team in Sepang/Malaysia Quelle: dpa

Im Fahrerlager von Suzuka am Donnerstag-Vormittag: Im Technikbüro von Mercedes herrscht bereits Hochbetrieb. Den ganzen Morgen über haben sich die Silberpfeil-Ingenieure in ihrem Office vergraben. Neben der üblichen Vorbereitung für den GP von Japan wird noch immer das Rennen von Malaysia aufgearbeitet. Mercedes sucht verzweifelt Antworten auf die Frage, warum das Auto auf einer Strecke Zicken machte, die eigentlich den Silberpfeilen liegen sollte, warum man auf einmal weniger Speed hatte als Ferrari und selbst als Red Bull.

Mercedes hat ein Problem

Schon in Sepang, direkt nach dem Malaysia-GP, war endgültig klar: Mercedes hat ein Problem. Um das zu erkennen, reichte schon ein Blick in die Gesichter bei den Silbernen. Und die blanke Tatsache, dass das technische Debriefing nach dem Rennen mehr als zwei Stunden dauerte, sprach ebenfalls Bände. Eines wusste man beim Weltmeisterteam der letzten drei Jahre ganz genau: Auch wenn Lewis Hamilton mit seinem zweiten Platz hinter Max Verstappen im Red Bull seine WM-Führung auf Sebastian Vettel auf 34 Punkte ausbaute: Vom eigenen Anspruch, mit dem man nach Malaysia gekommen war, war man meilenweit entfernt. „Wir haben – wie schon zuletzt in Singapur – nur von den Problemen von Ferrari profitiert. Und das ist nicht das, was mich zufrieden stellen kann“, sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff.



Nach dem unglücklichen Startcrash in Singapur waren es in Malaysia die Technikprobleme an beiden Autos, bei Vettel im Qualifying, bei Räikkönen im - oder besser gesagt schon vor dem Rennen, durch die Mercedes noch einmal seine Haut retten konnte. „Ferrari und Red Bull waren hier schlichtweg schneller als wir“, musste Wolff eingestehen. „Wenn es hier und in Singapur auch nur einigermaßen normal gelaufen wäre, dann hätten wir unseren Vorsprung in der WM auf Ferrari nicht ausgebaut, sondern lägen jetzt deutlich hinten.“

Wetterkapriolen in Suzuka?

Eine Antwort darauf, woran es liegt, hat man bisher noch nicht wirklich gefunden. Das neue Aerodynamik-Paket, das in Sepang debütierte, haben die Ingenieure offenbar nicht in erster Linie im Verdacht. Auch wenn in Malaysia Valtteri Bottas, der das ganze Wochenende bei der neuen Konfiguration blieb, noch deutlich mehr Probleme hatte als Lewis Hamilton, der ab Samstag auf die alte Version zurückwechselte. Man sieht da offenbar das Problem eher bei dem Finnen, bei seinem Fahrstil, den er im Moment nicht so richtig an die Anforderungen des Autos anpassen könne. Und man vertraut den Daten, die behaupten, dass das neue Paket besser sei. Der Windkanal sagt, dass der veränderte Frontflügel, die modifizierten Leitbleche und der neue Unterboden mindestens ein Zehntel bringen.



Das Wetter scheint auch nicht gerade helfen zu wollen. Die Vorhersage spricht nach dem Regen im Freitagstraining von einem trockenen, aber kühlen Qualifying und dann Sonne und einen deutlichen Temperaturanstieg bis 26 Grad am Sonntag. Was heißt: „Wenn wir wieder Probleme haben sollten, werden wir sie vielleicht erst am Samstag erkennen. Und das Auto für Sonntag für völlig andere Bedingungen abstimmen müssen,“ befürchten die Ingenieure. Zumindest in der Theorie auch nicht gut: Suzuka hat einen alten, sehr rauen Asphalt mit viel Grip. Der Mercedes ist aber besser, je weniger Haftung von der Strecke kommt. Eine „launische Diva“ nennt Toto Wolff das 2017er-Auto ja schon seit langem, unberechenbar, anfällig für geringste Veränderungen in Sachen Temperatur und Streckencharakteristik. So, dass man manchmal selbst nicht so genau weiß, warum es einmal funktioniert und einmal nicht. Was andererseits auch die Hoffnung mit sich bringt, dass es diesmal trotz nicht besonders guter Vorzeichen doch besser aussehen könnte.

Vettel glaubt noch an den Titel

Vettel glaubt freilich noch daran, von der eigenen Stärke und der Silber-Schwäche profitieren und den Titelkampf noch umdrehen zu können. „Wir sind schneller, wir können Mercedes schlagen“, sagt er. Die Chancen würden natürlich steigen, sollte Hamilton vielleicht doch auch noch einmal Pech haben und – aus welchen Gründen auch immer – einen Ausfall hinnehmen müssen. Die Ferrari-Pechserie der letzten zwei Rennen scheint jedenfalls zumindest erst einmal gestoppt: Das Getriebe in Vettels Auto hat den Crash mit dem Williams von Lance Stroll nach der Zielflagge in Sepang laut Ferrari-Angaben unbeschadet überstanden, man müsse nicht wechseln. Was ja eine Fünf-Plätze-Strafe nach sich gezogen hätte.

Die Formel-1-Rennen im Überblick

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