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Ein Halbfinale mit zwei Unbekannten

Sport - Ein Halbfinale mit zwei Unbekannten

Deutschland gegen Norwegen - beide haben mit dem Einzug ins Halbfinale der Handball-EM für eine Überraschung gesorgt. Und heute, 18.30 Uhr, arbeiten beide an der nächsten, noch größeren Überraschung.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 28.01.2017, 12:00

Mit Norwegen und Deutschland treffen heute 18.30 Uhr (ZDF ab 18.05 Uhr) im Halbfinale die zwei Überraschungsmannschaften dieser Handball-EM aufeinander. Beide Teams starteten mit einer Niederlage ins Turnier. Doch wie das DHB-Team bestach auch Norwegen im weiteren Verlauf durch Homogenität.

 

An Schlaf sei nicht zu denken gewesen, sagt Finn Lemke. Das Adrenalin. Und die mangelnde Kenntnis von dem, was da wohl kommen würde. In der Nacht nach dem triumphalen 25:23-Sieg gegen den Favoriten Dänemark, konnte der Halblinke vom SC Magdeburg zunächst kein Auge zumachen.

"Ich wusste nicht genau, wer da bei den Norwegern spielte, es ist mir nicht aus dem Kopf gegangen", berichtete Lemke nach der Ankunft in Krakau. "Ich musste erst mal googeln", so der 2,10 Meter große Rechtshänder.

Parallelen zum DHB-Team

Der deutsche Halbfinal-Gegner ist die zweite große Unbekannte, die noch im Rennen um den Titel bei der 12. Handball-EM ist. Die Mannschaft von Trainer Christian Berge, wie Bundestrainer Dagur Sigurdsson Jahrgang 1973, hatte vor diesem Turnier niemand auf dem Zettel. "Ich träume davon, dass meine Mannschaft einmal auf dem Siegerpodest stehen wird", bekannte der ehemalige Spielmacher der SG Flensburg-Handewitt vor Turnierstart. Aber diese EM komme für die jungen Talente noch zu früh.

Kristian Björnsen
Kristian Björnsen Quelle: dpa

Wie die Deutschen starteten auch die Skandinavier mit einer Niederlage (gegen Island) ins Turnier. Aber mit dem überraschenden 34:31-Sieg gegen Kroatien begann der furiose Lauf, dem im letzten Hauptrundenspiel auch Titelverteidiger Frankreich zum Opfer fiel. Damit ist der Traum des Christian Berge plötzlich sehr nah. "Wir fühlen uns wie in einem Märchen", sagte Linksaußen Magnus Jöndal nach dem historischen Sieg gegen Karabatic & Co. "Wir wollten nur ein paar Punkte, um in die Hauptrunde zu kommen, und jetzt stehen wir unter den letzten Vier."

Schnell und trickreich

Die vielleicht größte Stärke dieser Mannschaft ist das Tempo, das sie über einen langen Zeitraum gehen kann, und zwar in Abwehr und Angriff. Die jungen Spielmacher Sandor Sagosen (20), der in Aalborg spielt, und Christian O’Sullivan (24, IFK Kristianstad) sind schnell, trickreich und äußerst torgefährlich, während Halbspieler Kent Robin Tönnesen (Berlin) und Espen Lie Hansen (Bregenz) in erster Linie Shooter-Qualitäten besitzen.

Brandgefährlich sind die Flügelspieler. Insbesondere Rechtsaußen Kristian Björnsen, der im Sommer aus Kristianstad nach Wetzlar wechseln wird, besticht durch eine hohe Trefferquote und Würfe, die für den Torhüter schwer zu lesen sind. Gemixt werden diese Newcomer mit routinierten Profis wie den früheren Löwen-Kreisläufer Bjarte Myrhol, der bei diesem Turnier auch in der Abwehr durch großen Kampfgeist glänzte.

Der Star ist die Mannschaft

Einen richtigen Star kann auch Norwegen nicht vorweisen, das ist eine weitere Parallele zu der Mannschaft von Dagur Sigurdsson. Es ist immer ein anderer Spieler, dessen Tore oder Paraden die Partien entschieden. Sogar die Torhüter Ole Erevik und Espen Christiansen, die vor dem Turnier als Schwachstelle ausgemacht wurden, übertrumpften gegen Frankreich sogar den großen Titi Omeyer.

DHB-Trainer Sigurdsson ist beeindruckt, mit welcher Leichtigkeit die Norweger in Polen große Gegner auseinander gespielt haben. "Das ist wirklich eine homogene Truppe", sagt auch Lemke. "Wir müssen von Anfang an konzentriert agieren."

"Kein Druck"

Eine weitere schlaflose Nacht dürfte Lemke das Studium des Gegners dennoch nicht bereitet haben. Schließlich befindet sich auch die deutsche Mannschaft im Höhenrausch. "Wir können uns jetzt nur noch selbst stoppen", sagt Rechtsaußen Tobias Reichmann, der mit 33 Treffern erfolgreichste deutsche Schütze. "Wir haben keinen Druck mehr und dürfen jetzt vom Titel träumen." Und das sogar im wachen Zustand.

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