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Witali Mutko - ein Spezialist für Deals

Das IOC fällt am Dienstag in der russischen Staatsdopingkrise eine Entscheidung von sporthistorischer Tragweite. Der starke Mann auf Seiten der Beschuldigten ist Witali Mutko, Russlands für Sport zuständiger Vize-Ministerpräsident.

Witali Mutko
Witali Mutko Quelle: ap

 

"Ich bin bereit, in jedes Gericht zu kommen, um zu sagen, dass Russland kein Doping betreibt", sagte Multifunktionär Witali Mutko bei einer Pressekonferenz vor der WM-Auslosung am vergangenen Freitag. Es war ein Auftritt nach typischer Mutko-Manier: zielstrebig, wütend, ohne jeglichen Selbstzweifel. In Sachen Russland und Doping hat Mutko eine Wagenburgmentalität aufgebaut und benutzt das übliche russische Mantra von "uns gegen den Westen".

Zweifel im eigenen Lager

Dass es mittlerweile sogar Zweifel im eigenen Land an der von russischer Seite vorgetragenen Dopinggeschichte gibt, wischt Mutko einfach weg. Er füllt sich sicher in seiner Rolle als Vize-Ministerpräsident und Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees. Außerdem kann er sich ganz sicher auf seinen alten Seilschaften verlassen, zu denen immerhin Präsident Wladimir Putin gehört.

Mutkos Verbindung zu Putin besteht durch die gemeinsame politische Zeit in St. Petersburg, beide waren Anfang der 1990er Jahre zusammen Vize-Bürgermeister. Überhaupt - die Stadt an der Neva spielt eine ganz wichtige Rolle in der russischen Politik: St. Petersburg ist nicht nur die Heimatstadt von Präsident Putin, sondern auch von Ministerpräsident Dmitri Medwedew.

Schneller Aufstieg

Mutko wurde zwar in Kurinskaya in der Region Krasnodar, das in Südrussland liegt, geboren, kam aber als Student in das damalige Leningrad. In Leningrad wurde er 1979 Mitglied der kommunistischen Partei. Innerhalb von elf Jahren schaffte es Mutko, sich zum Präsidenten des Region Kirow zu krönen. Nach dem Fall des Kommunismus wurde er dann als Vizebürgermeister der Stadt St. Petersburg bestellt.

Zu dieser Zeit kam Mutko zum Sport. Zenit St. Petersburg, der größte Verein der Stadt, tat sich sehr schwer mit dem Wandel vom Kommunismus zum Kapitalismus. Ohne tragfähige Sponsoren und ohne Stadion war es für Zenit schwer, in der neu etablierten russischen Premjer Liga zu überleben.

Bürgermeister und Klubpräsident

Gleich in der ersten Saison nach dem Fall der Sowjetunion stieg Zenit ab. Anders als in Moskau gibt es in St. Petersburg nur einen Verein - und von daher wurde der Verein schnell zu politischen Chefsache. In seiner Kapazität als Vizebürgermeister der Stadt ließ sich Mutko 1995 zum Präsidenten des Vereins wählen. Mit seiner Hilfe kehrte Zenit in die erste Liga zurück. Es war der Anfang seiner sportpolitischen Karriere.

Mit Hilfe seiner politischen Verbindungen in St. Petersburg schaffte es Mutko, Sponsoren für den Verein zu gewinnen und den Klub soweit zu sanieren, dass Zenit in der ersten Liga überlebensfähig wurde. Mutkos Aktivitäten waren bereits zu dieser Zeit von Spekulationen um Korruption begleitet. 2001 wurde Mutko zum Chef der Premjer-Liga bestimmt, welche er nach dem Vorbild andere europäischen Ligen vom Verband abnabelte und modernisierte.

Deal mit Gazprom

Aber sein größter Coup war die Einfädelung des Sponsorendeals zwischen Zenit und Gazprom. 2001 bestimmte Putin Alexei Miller zum Vorstand von Gazprom. Wie Mutko, Medwedew und Putin gehört Miller zum St. Petersburger Kreis. Es war in dieser Zeit, da die Idee eines russischen Supervereins, gesponsert von Gazprom, entstand. Zenit - so die Idee - sollte das Aushängeschild des russischen Sports fungieren und mit Hilfe von Gazprom ein europäischer Spitzenklub werden.

Dass dieses Konstrukt in St. Petersburg - und nicht in Moskau - entstand, ist kein Zufall. Immerhin waren die Wege zwischen Präsident Putin, Mutko und anderen wichtigen Funktionären, die aus der ehemaligen Hauptstadt stammen, schon immer kurz in der Regierung Putin.

Chronologie des russischen Doping-Skandals seit 2014

Nächste Stufe erreicht

Nach der Gazprom-Übernahme von Zenit war es daher kein Zufall, dass Mutko 2005 Präsident des russischen Fußballverbandes wurde, ehe er 2008 unter Präsident Medwedew zum Sportminister befördert wurde. In dieser Funktion war Mutko der Drahtzieher in Russlands erfolgreicher Bewerbung für die WM 2018 und für die Olympischen Spiele 2014.

Mutkos politischen Verbindungen machen ihn in der jetzigen Situation auf der einen Seite zwar fast unantastbar. Sollten allerdings die Anschuldigungen von Whistleblower Rodtschenkow zutreffen, hätte Mutko die sportpolitische Krise bis tief in den Kreml hinein transportiert.

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