Sie sind hier:

Leichtathleten: "Runter kommen" vor Olympia

Sport - Leichtathleten: "Runter kommen" vor Olympia

Fünf Mal Gold, vier Mal Silber und sieben Mal Bronze: Insgesamt 16 Mal freuen sich deutsche Athleten über Edelmetall.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 09.07.2017, 20:00

Die deutschen Leichtathleten haben bei der EM in Amsterdam 16 Medaillen gewonnen, darunter fünf goldene. Dazu gab es ein paar Enttäuschungen. Doch das alles zählt nicht mehr, wenn am 12. August in Rio de Janeiro die olympischen Leichtathletik-Wettbewerbe starten.

In ein paar Jahren, wenn es ums Bilanzieren geht, dann werden die Goldmedaillen von Amsterdam einiges wert sein. Kugelstoßer David Storl zum Beispiel kann dann sagen, dass er damals in den Niederlanden zum dritten Mal in Folge Europameister geworden ist. Hindernisläuferin Gesa Felicitas Krause, Hürdensprinterin Cindy Roleder und Dreispringer Max Heß können sich daran erinnern, zum ersten Mal einen großen internationalen Sieg gefeiert zu haben. Und Kugelstoßerin Christina Schwanitz kann darauf verweisen, dass ihr Körper auch nach langer Verletzungspause ziemlich schnell wieder ziemlich leistungsfähig geworden ist.

Die Tagesform zählt

Idriss Gonschinska
Idriss Gonschinska Quelle: dpa

In ein paar Wochen, wenn am 5. August in Rio de Janeiro die XXXI. Olympischen Spiele beginnen und dann ab dem 12. August die Leichtathletik-Wettbewerbe auf dem Programm stehen, zählen diese fünf EM-Titel erst einmal gar nichts mehr. Genauso wenig wie die vier Silber und die sieben Bronze-Medaillen, die Athleten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) in Amsterdam gewonnen haben. Dann zählt nur noch die Tagesform am ultimativen Tag X, beim größten Wettkampf, den die Sportart zu bieten hat.

Deshalb will DLV-Cheftrainer Idriss Gonschinska die Leistungen bei der EM weder über- noch unterbewerten. „Bei 100 Leuten geht nicht alles auf, und manches läuft besonders gut“, resümierte er. „Aber von den Ergebnissen sollte man sich nicht zu sehr abhängig machen. Ich hoffe und gehe davon aus, dass wir hier nicht 105 Prozent, also die Maximalleistung der Athleten gesehen haben, die in diesem Jahr abrufbar ist.“

Heß und Ringer überraschen

Er freute sich über Überraschungen, wie sie Dreispringer Heß lieferte oder 5000-Meter-Läufer Richard Ringer, der Bronze gewann. Er freute sich auch über junge, aufstrebende Talente wie Sprinterin Gina Lückenkemper, die über 200 Meter Dritte wurde und zudem mit ihrer fröhlichen, unbeschwerten Art beeindruckte. Aber Gonschinska bedauerte auch Rückschläge, wie sie etwa Speerwerfer Thomas Röhler erlebt hat, der als großer Favorit angereist war und dann mit körperlichen Beschwerden zu kämpfen hatte und keine Medaille gewann. Auch Stabhochspringer Raphael Holzdeppe ist noch ein Sorgenkind, der Weltmeister von 2013 hatte kurzfristig abgesagt, weil er sich nach längerer Verletzungspause den Anforderungen eines EM-Wettkampfes noch nicht gewachsen fühlte.

Dabei, aber nicht so stark wie erhofft, waren die deutschen Sprinter. Keiner der schnellen Männer um den deutschen Rekordhalter über 100 Meter, Julian Reus, schaffte es in eins der Finals über 100 oder 200 Meter. Eine kleine Entschädigung holten sie sich mit Bronze in der 4 x 100-Meter-Staffel. Bei den Frauen standen mit Lückenkemper und Lisa Mayer gleich zwei Deutsche im 200-Meter-Finale, auf das die holländische Weltmeisterin Dafne Schippers zu Gunsten der Olympiavorbereitung allerdings verzichtet hatte. Zudem gelang Tatjana Pinto der Sprung ins 100-Meter-Finale. Auch die Frauen holten am letzten EM-Tag mit der Staffel noch Bronze.

Entschleunigung ist angesagt

Nun ist „Entschleunigung“ angesagt für die deutschen Leichtathleten. So formuliert es Gonschinska. Die Athleten müssten „nach Hause gehen, Physiotherapie und ein aktives Regenerations-Management einleiten, runter kommen“. Am 11. Juli gibt der DLV seine Vorschläge zur letzten Nominierungs-Runde für Rio an den Deutschen Olympischen Sport Bund (DOSB), dieser gibt dann tags darauf bekannt, wer die letzten Tickets erhält. Besonders umstritten wird die Entscheidung im Speerwerfen der Frauen sein, so viel steht schon vorab fest. Der DLV muss sich bei der Vergabe des dritten Tickets (die Deutsche Meisterin Christin Hussong und die EM-Zweite Linda Stahl haben ihre Fahrkarten wohl sicher) zwischen Weltmeisterin Katharina Molitor und Ex-Weltmeisterin Christina Obergföll entscheiden.

Ende der Wochen sollten die Athleten dann wieder ins finale Training für Rio einsteigen, so Gonschinska. Die Vorgehensweise sei dabei sehr individuell. Dreispringer Max Heß etwa fährt mit einigen Springer-Kollegen ins Warme nach Belek. Felicitas Krause macht noch ein paar Tempoläufe auf 1500 Metern in Davos. Die Werfer treffen sich traditionell in der Sportschule Kienbaum. Und die Stabhochspringer trainieren gern auf ihren heimischen Anlagen mit einer großen Auswahl ihrer Stäbe. Gemeinsam ist allen das große Ziel: Olympia.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet