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Deutlich mehr als erwartet

Die deutsche Nationalmannschaft vor dem Confed Cup

Testspiel: Dänemark - Deutschland

Sport - Deutlich mehr als erwartet

Bundestrainer und Manager sind zufrieden, ein halbes Dutzend Spieler sogar glücklich: Das 1:1 gegen Dänemark hat seinen Zweck für die deutsche Nationalmannschaft erfüllt. Nun reist der DFB-Tross mit einem Kader von nur 22 Akteuren zum Confed Cup nach …

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So ganz ist der schöne Plan von Oliver Bierhoff nicht aufgegangen. Vorrangig auf den Manager geht ja der Umstand zurück, dass die deutsche Nationalmannschaft nach dem Freundschaftsspiel in Dänemark (1:1) ihren Aufenthalt in der dänischen Hauptstadt noch bis Donnerstag verlängert, ehe die Weiterreise nach Nürnberg erfolgt. "Kopenhagen ist eine schöne Stadt, da kann man als Mannschaft noch gemeinsam Zeit verbringen." Und vielleicht beim Stadtbummel etwas von der Gelassenheit und Lässigkeit seiner Bewohner lernen.

Doch zum Kaffeetrinken am mittelalterlichen Hafen Nyhavn, zur Stippvisite der königlichen Leibwache vor Schloss Rosenborg oder Shoppen auf der beliebten Flaniermeile Strøget war am Mittwochmorgen kaum einem Kopenhagen-Besucher: Es regnete mal wieder Bindfäden in der weltoffenen Kapitale am Wasser. Wer nicht irgendwo einen Termin hatte, blieb hinter verschlossenen Türen.

Chancen und Spielfreude

Gleichwohl war Bierhoff ausgesprochen guter Laune, als er nach dem ersten Testlauf der Mannschaft, die in dieser Besetzung noch nie zusammengespielt hatte, ein Resümee zog: "Das war überraschend gut. Ich fand das sehr ansehnlich, wir haben viele Chancen herausgespielt und Spielfreude gezeigt." Dass mit dem späten Fallrückzieher von Joshua Kimmich in der 88. Minute die dänische Führung von Thomas Eriksen (18.) egalisiert und das Anrennen in der zweiten Halbzeit belohnt wurde, wertete Bierhoff als gutes Signal aus dem Brøndby Stadion: "Man verliert nur ungern."

Auch für Joachim Löw galt: Der Bundestrainer hatte in einem Länderspiel vor nicht einmal 16.000 Zuschauern "mehr Plus als Minus" gesehen. "Das war eine gute Standortbestimmung gegen eine Mannschaft aus Dänemark mit vielen erfahrenen Spielern, die sehr eingespielt war", erklärte der 57-Jährige sichtlich zufrieden auf der Pressekonferenz. Nach nur einer gemeinsamen Trainingseinheit bot das deutsche Team nach ungefähr halbstündiger Findungsphase deutlich mehr als erwartet.

Draxler ist der neue Kapitän

Löw geht im Hinblick auf die übergeordnete Mission, den WM-Titel 2018 in Russland zu verteidigen, bekanntlich einen radikalen Weg: Fast allen Stars wird der Confed Cup (17. Juni bis 2. Juli) erspart, dafür kommen Talente und Nachrücker zum Zuge, wobei Julian Draxler mit erst 23 Jahren den Anführer und Kapitän des Perspektivkaders geben soll. "Es kann sein, dass er auch einmal eine Pause bekommt. Grundsätzlich sollen er und Shkodran Mustafi diese Rolle übernehmen", sagte Löw, der im skandinavischen Schauerwetter gleich ein halbes Dutzend Debütanten auf den Rasen schickte.

Mit Torwart Kevin Trapp und den Stürmern Lars Stindl und Sandro Wagner standen drei in der Anfangsformation, später kamen nacheinander Amin Younes, Kerem Demirbay und ganz zum Schluss sogar Marvin Plattenhardt dazu. Punkten konnten dabei vor allem der Torhüter von Paris St. Germain mit einer fehlerlosen Partie und der nimmermüde schuftende Mittelstürmer der TSG Hoffenheim.

Speziell Trapp sammelt Pluspunkte

Dass Trapp und Wagner das Premieren-Textil hinterher wie ein Goldstück in den Händen hielten und nicht hergeben wollten, war nur allzu verständlich. "Ich spreche nicht gerne über mich, aber ich denke, das war nach dem langen Anlauf ganz okay. Ich habe die Dinge gemacht, die ich kann", berichtete der 27 Jahre alte Keeper, der sich mal bei einem Werbedreh in DFB-Diensten unglücklich das Syndesmoseband riss, dann wegen der Absage des Freundschaftsspiels gegen die Niederlande im November 2015 um sein Debüt gebracht wurde.

Wagner hat sogar noch älter werden müssen, um einmal die Hymne zu hören. "Darauf habe ich 29 Jahre gewartet", scherzte der auch außerhalb des Platzes etwas unkonventionelle Profi, der erhaben von "einem schönen Gefühl" sprach, das er sich immer gewünscht habe. "Ich empfinde einfach Riesenfreude." Auch auf den bald beginnenden Confed Cup, der nach der Pflichtaufgabe in der WM-Qualifikation gegen San Marino (Samstag 20:45 Uhr) in den Fokus rückt.

Sport | ZDF SPORTreportage - Confed Cup: Chance für Typen und Talente

Das Turnier in Russland wird für die Nationalmannscahft zum Testlauf für Talente, Debütanten und neue Spielertypen. "Wir sind genauso motiviert wie bei jedem anderen Turnier", sagte Bundestrainer Joachim Löw.

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Mit nur 22 Spielern zum Confed Cup

Tatsächlich könnte das nach der Absage von Leroy Sané nur 22-köpfige Aufgebot vom Spirit und Enthusiasmus seiner vielen neuen Gesichter profitieren. Für die Wagner-Demirbay-Plattenhardt-Garde ist das Achter-Turnier in Putins Riesenreich eben keine lästige Saisonverlängerung, sondern vielleicht sogar der Saisonhöhepunkt. Am 15. Juni fliegt der DFB-Tross von Frankfurt nach Sotschi, um zwei Tage später in der Olympiastadt das erste Confed-Cup-Gruppenspiel gegen Australien zu bestreiten.

"Jeder einzelne Spieler hat eine gute Saison gespielt und ein gewisses Maß an Selbstvertrauen getankt. Es war klar, dass wir die individuelle Klasse besitzen. Es war aber ein bisschen überraschend, dass wir es so gut gelöst haben", lobte Löw, der nun glaubt: "Das ist eine gute Basis, um in den nächsten Wochen zu arbeiten." Bald bestimmt auch wieder bei besserem Wetter. Spätestens in Sotschi, das im Sommer als die russische Riviera am Schwarzen Meer gilt.

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