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Löws Punktlandung

Die deutsche Nationalmannschaft hat die Pflichtaufgabe erfüllt

Außenstehende wie DFB-Präsident Reinhard Grindel fanden es "sehr souverän", Beteiligte wie Verteidiger Mats Hummel "etwas arrogant“: Doch unter dem Strich erfüllte die deutsche Nationalmannschaft die Pflichtaufgabe in der WM-Qualifikation. Knifflig werden für Bundestrainer Joachim Löw die nächsten Wochen aus anderen Gründen.

Joachim Löw
Es stehen knifflige Wochen an für Joachim Löw. Quelle: dpa

Das nennt man wohl Punktlandung. Vor fünf Uhr morgens darf auf dem Frankfurt Flughafen keine Maschine aufsetzen. Wegen des Nachtlandeverbots. Daran hat sich der Airbus 330 mit der Delegation der deutschen Fußball-Nationalmannschaft an Bord denn auch genau gehalten: Für 5:04 Uhr notierten am Montagmorgen eifrige Chronisten die Landung jenes mit der Aufschrift "Siegen“ versehenen Charters, der unmittelbar nach dem 4:1-Erfolg in Aserbaidschan die Protagonisten direkt von Baku wieder nach Frankfurt brachte.

So richtig ausgeschlafen waren die meisten nach einer kurzen Nacht in den Liegesitzen der Business Class zwar nicht, aber länger als nötig wollte wohl niemand in der Metropole am Kaspischen Meer bleiben. Erstaunlich, dass es über die erfolgreich absolvierte Pflichtaufgabe - fünfter Sieg im fünften WM-Qualifikationsspiel - höchst unterschiedliche Ansichten gab. "Ich fand den Auftritt sehr souverän. Wir haben nach dem 1:1 direkt das 2:1 gemacht, dadurch entstand gar keine Unsicherheit“, konstatierte DFB-Präsident Reinhard Grindel, der schließlich im Alltag viel unangenehmere Probleme gewohnt ist. Dieser Einschätzung widersprach hingegen Abwehrchef Mats Hummel. "Wir haben etwas arrogant gespielt und Aserbaidschan dadurch zwei Klassen besser aussehen lassen.“

Automatismen griffen nicht ganz so wie gewünscht

Irgendwo dazwischen bewegte sich Bundestrainer Joachim Löw, der in seiner Analyse eher bei seinem Spieler als bei seinem Vorgesetzen war. "Das Spiel lief nicht ganz so, wie es unser Anspruch war. Wir haben die Pflichtaufgabe erfüllt, aber die Art und Weise entspricht nicht uns.“ Man habe gemerkt, "dass wir vier Monate nicht zusammen waren. Daher haben manche Automatismen nicht so gegriffen. Aber letztlich können wir zufrieden sein.“ Also Strich drunter.

Gar nicht so schnell wird Doppeltorschütze André Schürrle (19. und 81.) abhaken, der überdies das wichtige 2:1 von Thomas Müller (36.) gekonnt vorbereitete, nachdem der beim abstiegsgefährdeten Zweitligisten Erzgebirge Aue spielende Dimitrij Nazarov (31.) zwischenzeitlich ausgeglichen und das erste Gegentor für den Weltmeister in der Qualifikation angebracht hatte. Spätestens als Mario Gomez zum 3:1 einköpfte (45.), war die Partie entschieden. "Wenn man gegen Deutschland Fehler macht, schießen sie gleich Tore“, merkte Aserbaidschans Trainer Robert Prosinecki an, der seine Auswahl vom reinen Verteidigungsfußball unter Vorgänger Berti Vogts erlöst hat.

Lob für die Führungskräfte

Kollege Löw beschäftigt sich mit ganz anderen Sachverhalten. Gerade seinen Führungskräften wollte der Badener im Tofiq-Bahramov-Stadion, benannt nach jenem Linienrichter, der im WM-Finale von 1996 durch ein Kopfnicken das Wembley-Tor gab, mal ein Kompliment machen.

Ersatzkapitän Sami Khedira, Ballverteiler Toni Kroos oder in der DFB-Auswahl so treffsichere Thomas Müller würden in den entscheidenden Spielen vorangehen und dafür sorgen, dass die Qualifikation für ein größeres Turnier zuletzt fast immer ohne Zitterspiele glückte. "Wenn ich zurückblicke, dann haben wir gegen die vermeintlich 'Kleinen' die letzten acht, neun, zehn Jahre immer klar gewonnen. Im Gegensatz zu einigen anderen Nationen, die manchmal große Probleme in den Qualifikationen haben“, lobte Löw.

Spagat vor dem Confed Cup

Dumm nur, dass der 57-Jährige etliche von ihnen kaum für die nächsten Länderspiele in Dänemark (6. Juni in Kopenhagen) und gegen San Marino (10. Juni in Nürnberg) berufen wird. Denn dieser Doppelpack dient bereits als Vorläufer für den Confederations Cup (17. Juni bis 2. Juli) und jenes Sommerturnier ist bei den viel belasteten Leistungsträgern wohl noch unbeliebter als ein Kurztrip nach Aserbaidschan vor den entscheidenden Wochen in Meisterschaft und Champions League.

Noch drücken sich Trainer und Spieler um konkrete Aussagen, aber es ist hinter den Kulissen abgemacht, dass nur ein Perspektivkader nach Russland jettet. Wenn das Aufgebot am 18. Mai ohne größeres Brimborium benannt wird, dann dürften die Stammspieler vom FC Bayern auf der Liste ebenso fehlen wie die im Ausland viel beschäftigten Mesut Özil, Kroos oder Khedira. Löw ist bereits dabei, diesen Fakt nach und nach der Öffentlichkeit zu vermitteln.

Noch aus Baku erklang bereits diese Botschaft: „Bei dem einen oder anderen Spieler werde ich mir Gedanken machen, ihn beim Confed-Cup zu schonen. Jedes Jahr ein Turnier ist nicht so einfach wegzustecken für die Spieler. Alles bei uns ist in der Mission, die wir angehen, auf eine Vision ausgerichtet, das ist die WM 2018. Den WM-Titel zu gewinnen, das ist mein und unser aller Ziel.“ Auch da will jemand noch eine Punktlandung hinlegen.

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