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Ein Knalleffekt und viele Erkenntnisse

WM-Qualifikation: Stammspieler kehren zurück ins Team

Nach dem fast schon kitschigen Rührstück beim Abschied von Lukas Podolski beginnt für die deutsche Nationalmannschaft die Vorbereitung auf das Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan. Beim 1:0-Erfolg gegen England hat Bundestrainer Joachim Löw mehr Erkenntnisse als gedacht gesammelt.

Deutsche Fans im Signal-Iduna-Park in Dortmund beim Spiel Deutschland - England
Perfekte Bühne in Dortmund für das Abschiedsspiel von Lukas Podolski. Quelle: reuters

Erst ging er allein auf die verdiente Ehrenrunde, dann nahm er sich eine Kölner Flagge, kletterte zu den Fans auf den Zaun, später ließen ihn die Mitspieler durch die Luft fliegen: Lukas Podolski genoss sichtlich das Bad in der Menge, ohne dass bei ihm - anders als bei Kumpel Bastian Schweinsteiger - die Tränen gleich in Sturzbächen über die Wangen rannen. Dabei geriet doch sein Abschied aus der deutschen Nationalmannschaft noch viel emotionaler. Und ungewollt kitschiger.

"Wir gewinnen 1:0 – und ich mach‘ das Ding“, berichtete "Poldi“ das letzte Mal in seiner typischen Kurzformel von den Ereignissen beim Freundschaftsspiel gegen England, das er mit einem Traumtor entscheiden sollte. Der Volltreffer zum 1:0 nach 69 Minuten - nur zustande gekommen, weil der 31-Jährige auf Spielzeit fast bis zum Schluss gepocht hatte - sollte der Knalleffekt des Abends sein.

Verneigung von ganz Fußball-Deutschland

49. Länderspieltor im 130. Einsatz als Kapitän erzielt, "dass es so läuft - wie im Film“ (O-Ton Podolski). Er dankte hernach nicht nur den Teamgefährten oder dem Team hinter dem Team bei der DFB-Auswahl ("sensationell“), sondern auch "dem Lieben Gott oder sonstwem“, dass ihm dieser linke Fuß in die Wiege gelegt wurde, der so viel Wucht und Präzision vereint.

Bei seiner Auswechslung nach 84 Minuten gab es stehende Ovationen von den mehr als 60.000 Zuschauern. Vielleicht ganz Fußball-Deutschland nahm eine innere Verbeugung vor diesem unverwechselbaren, weil unbeugsamen Typen vor, der sich so gerne als "Kölsche Jung“ gibt und selbst noch einmal "30.000 Kölner im Stadion“ vermutete.

"Man muss es dann auch mal gut sein lassen“

Und auch der Bundestrainer Joachim Löw wirkte später noch sichtlich gerührt, weil er wohl niemand solch ein Rührstück mehr gönnte als seinem treuesten und längsten Weggefährten aus dem Spielerkreis. "Besondere Spieler haben einen besonderen Abschied, und so war es: Dass der Lukas das entscheidende Tor erzielt, in seinem letzten Länderspiel und dazu noch ein unnachahmliches Tor“, sagte Löw.

Erstaunlich, dass irgendwann der Protagonist selbst den Schlussstrich unter die ganze Folklore zog. "Man muss es dann mal gut sein lassen. Die bereiten sich jetzt auf das Spiel in Aserbaidschan vor. Es geht auch weiter.“ Als der schwarz lackierte Mannschaftsbus sich in Schleichfahrt unter dem Dortmunder Stadion nach Mitternacht in Bewegung setzte, um den Tross zum Sporthotel Kaiserau zurückzubringen, war Podolski bereits nicht mehr dabei. "Mit der Familie ein paar Tage nach Kölle und dann zurück nach Istanbul“, klärte der Galatasary-Profi auf.

Aserbaidschan ist kein Selbstläufer

Der Weltmeister hingegen setzt sich am Freitag in Düsseldorf in einen Charterflieger, der direkt nach Baku geht. Zum WM-Qualifikationsspiel in Aserbaidschan (Sonntag 18 Uhr), die mit sieben Punkten erstaunlich gut dastehen. "Wir werden uns konzentriert vorbereiten. Das Spiel ist kein Selbstläufer. Aserbaidschan hat in der Qualifikation so gut gespielt, wie in keiner zuvor“, warnte Löw. Alle Widrigkeiten von der Anreise, Zeitunterschied bis zu den Bedingungen dürften aber keine Rolle spielen. "Ich bin absolut überzeugt, dass wir unsere Siegesserie fortfahren und unsere weiße Weste behalten.“

Schließlich stehen ihm wichtige Stützen wieder zur Verfügung: Thomas Müller dürfte sicher von Beginn an auflaufen, dazu werden Mesut Özil und Mario Gomez am Donnerstag wieder trainieren, Sami Khedira am Freitag wieder belastbar sein. Ausfallen wird hingegen Timo Werner. "Es sieht nicht so positiv aus", erklärte Löw, "am Sonntag wird er nicht einsetzbar sein." Vermutet wird, dass der an einer Muskelverletzung leidende Stürmer, der gegen die robusten Briten kaum Bindung fand und wenig Zuspiele in die Tiefe bekam, vorzeitig abreisen darf.

Löw nennt die englische Spielweise eine gute Schule

Vielleicht war das bei neben dem Podolski-Hype die wichtigste Erkenntnis für den Bundestrainer: Ganz so gut sitzt der zweite Anzug mit den vielen jungen Spielern eben doch nicht. Löw wusste von dem forschen und frohen Pressing des Kollegen Gareth Southgate, der zur Motivation seiner Mannschaft ein Potpourri der schlimmsten Szenen der englischen Fußballgeschichte gezeigt hatte, aber seine Spieler hatten sich "eben nur 20, 25 Minuten im Training“ darauf eingestellt. Viel zu wenig.

So fielen die fehlenden Lösungsmöglichkeiten im Wettkampf auf: Zu oft überbrückte die Abwehr dann doch mit langen Schlägen das Mittelfeld, zu selten machte der Angriff die Bälle fest. Löw aber wertete die Erfahrungen gegen die Engländer (Southgate: "Wir wollten umso mehr mit Leidenschaft und Hingabe spielen“) als "gute Schule“, denn: "Solche Gegner sind eine gute Herausforderung für uns, Richtung Turnier, Richtung K.o.-Spiele.“ Besser so, "als ein Gegner, der immer nur mit zehn Mann hinter dem Ball steht“. Genau dieses Szenario aber wartet wohl in Baku auf seine Auswahl. Das Gute: Damit sind die meisten seiner Protagonisten besser vertraut. Und auf eine Erlösung durch Podolski hatten sie ohnehin schon lange nicht mehr vertraut.

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