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Steffi Jones, die Überzeugungstäterin

Sport - Steffi Jones, die Überzeugungstäterin

Steffi Jones präsentierte sich selbstbewusst und mit viel Vorfreude als neue DFB-Bundestrainerin.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 24.08.2017, 20:03

Steffi Jones läutet eine neue Zeitrechnung im deutschen Frauenfußball ein. Auf der neuen Bundestrainerin lastet nicht erst durch den Olympiasieg der Frauen-Nationalmannschaft eine hohe Erwartungshaltung. Aber wer könnte damit besser umgehen als die Frankfurter Sympathieträgerin?

Den Schmerz hat Steffi Jones nicht vergessen. Vor knapp einem Jahr hatte die gebürtige Frankfurterin die Reise mit der U 19-Nationalmannschaft der Männer nach Griechenland angetreten, um dem verantwortlichen Trainer Marcus Sorg über die Schulter zu schauen. Sich in diesem Rahmen als Hospitantin auf ein Sprintduell mit Timo Werner einzulassen, sei allerdings damals keine gute Idee gewesen. "Ich habe mir einen Muskelfaserriss zugezogen. Tat ganz schön weh."

Was die Sympathieträgerin am Mittwoch bei ihrer Vorstellung als neue Bundestrainerin beiläufig erzählte, passt zur Powerfrau mit der bewegenden Vita. Steffi Jones hat von Kindesbeinen mehr wagen müssen als andere; hat Widerstände überwinden müssen, die andere sich nicht getraut hätten, beiseite zu räumen.

Die Mischung macht es

Es ist dieser Wagemut, der sich mit Unbekümmertheit, Lebenslust und Optimismus paart, der der deutschen Frauen-Nationalmannschaft neues Leben einhauchen soll. Dabei liegt das weibliche Segment gar nicht am Boden. Ganz im Gegenteil. Jeder hat die fröhlichen Bilder der feiernden Fußballerinnen vor Augen, die mit der Gold-Krönung von Rio de Janeiro den besten Abschluss hinbekamen, der Erfolgstrainerin Silvia Neid zu wünschen war.

Doch weil mit Neid, künftig Direktorin einer neuen Scoutingabteilung Frauen- und Mädchenfußball, auch Saskia Bartusiak, Annike Krahn und Melanie Behringer aus dem Nationalteam zurücktraten, müssen neue Hierarchien her. Und neue Impulse, das haben die Irritationen während der WM 2015 in Kanada gezeigt, die sich eben auch um die Arbeit der Bundestrainerin, genauer deren schwieriges Verhältnis zu einigen Trainern, rankten.

Bessere Kommunikation gefragt

Davon zeugten auch die versteckten Spitzen, die einige Frauen-Bundesliga-Trainer nach der ziemlich beeindruckenden, weil überaus offenen und umfassenden Jones-Präsentationen äußerten. "Es muss ein Miteinander sein. Und man muss auch über Dinge sprechen können, die kritisch sind", merkte beispielsweise Thomas Wörle als Meistertrainer des FC Bayern an.

"Steffi wird eine neue Ära einleiten, was die Kommunikation betrifft. Daran sind wir auch interessiert", äußerte Siegfried Dietrich, der Manager des 1. FFC Frankfurt. Er traut Jones die neue Stufe auf der Karriereleiter vorbehaltlos zu. "Sie hat sich häufiger in kaltes Wasser geworfen und ist dann mit Bravour herausgekommen." Ihr Weg sei unvergleichlich.

Sie ist gut vorbereitet

Dietrich hat die aus dem sozialen Brennpunkt in Frankfurt-Bonames stammende Sportlerin zur Nationalspielerin aufsteigen sehen; er hat daran mitgewirkt, dass sie nach der aktiven Karriere den Posten als Präsidentin des Organisationskomitees der WM 2011 bekam; und er hat zumindest nicht verhindert, dass ihr der inzwischen ausgeschiedene DFB-Präsident Wolfgang Niersbach dann auch noch rasch den Posten der Bundestrainerin übertrug.

Doch kann die vielseitige Überzeugungstäterin auch in fußballerischen Fragen den Weg weisen? Hier bleiben Zweifel bestehen. Und kaum etwas ist schwerer planbar als der sportliche Erfolg für eine Nationalmannschaft in einem beschränkten Zeitraum. Gleichwohl: Die 43-Jährige wirkt bestens vorbereitet auf ihre neue Aufgabe. Jones ("Ich werde den Fußball nicht neu erfinden, aber ich will an Erfolge anknüpfen") wird keine Revolution anzetteln, aber doch Reformen angehen.

Eine Frau und ein Mann als Assistenten

Dazu zählt auch, sich - neben Verena Hagedorn – bewusst auch einen männlichen Assistenten zu gönnen: Markus Högner, als ehemaliger Trainer der SGS Essen ein Fachmann aus der Frauen-Bundesliga. Und dazu kommt eine Ansprache, derer sich die bisweilen sperrige Neid nie bedient hätte. Das Motto: "KISS – keep it smart & simple!" stand etwa auf der ersten Folie ihrer Powerpoint-Präsentation. Zudem wurden Leitbilder, Positionsprofile und Spielvisionen gezeigt – zuletzt hat in derartiger Form für eine DFB-Auswahl sich so etwas nur Jürgen Klinsmann gewagt.

Doch anders als der teilweise radikal und rabiat vorpreschende Klinsmann hat Jones ihren Weg mit den Dienstherren in der Otto-Fleck-Schneise abgestimmt. Dass sie bunte Bilder zeigte, die mittels einer Straße mit Leitplanken die Leitlinien für den gesamten Männer- und Frauenfußball unter dem DFB-Dach demonstrieren, war allemal mutig. Die Grundsätze für den sportlichen Erfolg – Qualität steht vor Quantität, Messen mit den Besten, Bereitschaft zur Disziplin – hörten sich ebenfalls gut an. Nun müssen den Worten nur Taten folgen. Ansonsten wird es wieder schmerzhaft.

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