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Russland: Medaillengewinner unter Doping-Verdacht

Sport - Russland: Medaillengewinner unter Doping-Verdacht

Der Ex-Chef des russischen Antidoping-Labors, Grigori Rodschenkow, hat in der New York Times schwere Vorwürfe gegen Russland erhoben, das in Sotschi Dopingproben seiner Athleten ausgetauscht hätte.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
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Video verfügbar bis 13.05.2017, 20:04

Laut "New York Times" hat es vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 ein staatlich gestütztes Doping-System in Russland gegeben. Mehrere Dutzend russische Sportler, darunter mindestens 15 Medaillengewinner sollen in Sotschi gedopt an den Start gegangen sein.

Die "New York Times" beruft davei auf den ehemaligen Leiter des Anti-Doping-Labors in Moskau, Gregori Rodtschenkow. Rodtschenkow gab in dem Bericht zu, in nächtlichen Aktionen die Dopingpraktiken vertuscht und Urinproben ausgetauscht zu haben. Zudem habe er für russische Sportler extra einen Mix aus drei verschiedenen Dopingmitteln entwickelt.

Frauen-Eishockey-Team komplett gedopt?

Namentlich genannt wurden in dem Bericht der Doppel-Olympiasieger Alexander Subkow (Bob), Langlauf-Olympiasieger Alexander Legkow und Skeleton-Olympiasieger Alexander Tretjakow. Zudem sei unter anderem das gesamte Frauen-Eishockey-Team gedopt gewesen.

Russlands Sportminister Witali Mutko wies die Anschuldigungen zurück und sprach gegenüber der Nachrichtenagentur Tass von einer Verschwörung. "Schon wieder wird der russische Sport attackiert. Es ist so, als würden sich ausländische Medien den Staffelstab in die Hand geben. Alles das sind Glieder in einer Kette", sagte Mutko und stellte klar: "Das sind alles Behauptungen, aber keine Fakten." Mutko wertete die neuesten Enthüllungen als Teil einer Serie von Angriffen gegen den russischen Sport. Man wolle die öffentliche Meinung beeinflussen "bezüglich der Entscheidung, ob Russlands Leichtathleten zu Olympia nach Rio dürfen, und man will unsere Beziehung zur WADA zerstören", meinte Mutko.

IOC: "Sehr besorgniserregend"

Die wegen früherer Doping-Anschuldigungen suspendierten russischen Leichtathleten kämpfen derzeit um ihre Wiederaufnahme in den Weltverband IAAF und ihren Start bei den Spielen in Rio. Darüber will die IAAF in den kommenden Wochen entscheiden. Sollten die neuen Vorwürfe stimmen, würde dies die Aussichten deutlich schmälern.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) nannte die Vorwürfe "sehr detailliert und sehr besorgniserregend". Man bitte die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), sie "sofort zu untersuchen", teilte ein Sprecher mit. Die Arbeit im Labor in Moskau sei von internationalen Experten beaufsichtigt worden, die Dokumentation der Kontrollen habe den internationalen Regeln entsprochen. Die Manipulationen waren dabei offenbar von langer Hand geplant. Beispielsweise seien die Dopingproben durch ein Loch in der Wand in einen als Abstellkammer deklarierten Raum weitergereicht worden. Dort sei es dann nachts zur Manipulation gekommen.

Zuvor hatten schon Enthüllungen im US-Fernsehsender CBS für Aufsehen gesorgt, wonach mindestens vier russische Olympiasieger während der Spiele in Sotschi mit Steroiden gedopt waren. Dies sei von dem russischen Doping-Labor vertuscht worden. Auch war bereits davon die Rede, dass demnächst eine Liste mit allen gedopten Athleten aus Russland veröffentlicht werde.

Kenia droht Olympia-Aus

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) erklärte unterdessen Kenia als "non compliant" (nicht regelkonform) mit dem Anti-Doping-Code. "Die Gesetzgebung ist nicht in Übereinstimmung mit dem Code", erklärte Rene Bouchard, Präsident des Revisionskomitees der WADA. Erst Ende April hatte Kenia ein neues Anti-Doping-Gesetz verabschiedet, zuvor waren allerdings zwei Fristen verstrichen.

In letzter Konsequenz droht Kenia damit der Ausschluss von den Sommerspielen in Rio de Janeiro. Allerdings könnte die WADA dies nicht selbst umsetzen, sondern lediglich eine Empfehlung an das Internationale Olympische Komitee (IOC) aussprechen.

Zwischen Sperren und Erpressungen

Seit langem steht Kenia wegen zahlreicher Dopingverfehlungen in der Kritik. Dutzende Sportler, darunter auch die dreimalige Siegerin des Boston-Marathons, Rito Jeptoo, wurden wegen Dopings gesperrt. Bei der vergangenen Leichtathletik-WM in Peking war Kenia mit 16 Medaillen, davon siebenmal Gold, erstmals erfolgreichste Nation.

Derzeit sind drei führende Funktionäre des nationalen Leichtathletikverbandes AK suspendiert. Ihnen wird vorgeworfen, den Anti-Doping-Kampf in ihrem Land behindert sowie Sponsorengelder veruntreut zu haben. Der AK-Geschäftsführer Isaac Mwangi soll zudem versucht haben, des Dopings überführte Athleten zu erpressen.

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