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Neue Regeln, alte Debatten

Das Streben nach mehr Gerechtigkeit im Fußball hat zu einigen Regeländerungen geführt, die seit dem 1. Juli gültig sind. Auf diese Neuerungen ist zum Bundesligastart und künftig besonders zu achten.

Anzeigentafel Video-Schiedsrichter
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Quelle: imago

Eines ist sicher: Der Gesprächsstoff wird Fußball-Stammtischen oder -Talkrunden auch in dieser Bundesliga-Saison gewiss nicht ausgehen. Die Regelhüter des International Football Association Board (IFAB) und der Weltfußballverband FIFA haben zwar Änderungen beschlossen, die dem Schiedsrichter die Tätigkeit erleichtern sollen, aber die Debatten werden nicht enden. Drei Streitpunkte zeichnen sich ab:

Regel 12: Handspiel

Nach dem vorübergehenden Chaos in der Vorsaison, in dem offenkundig auch die Schiedsrichter teilweise den Überblick verloren, wurde viel Energie dafür aufgewendet, die Handspielregel zu präzisieren. Lutz Michael Fröhlich, Vorsitzender der DFB-Schiedsrichterkommission, erklärt: "Beim Handspiel war das Problem bisher, dass nur die Absicht in den Regeln stand. Dadurch war der Spielraum für die Interpretation extrem breit. Jeder konnte seine eigene Interpretation rüberbringen, ohne dass sie komplett falsch war."

Was aber mitunter heillose Verwirrung stiftete. Nun könnten Klarstellungen helfen: Mit der Hand erzielte Tore werden grundsätzlich aberkannt. Springt der Ball vom Kopf oder Körper eines abwehrenden Spielers an die eigene Hand, wird nicht gepfiffen. Auch nicht, wenn ein Spieler den Ball im Fallen mit dem Arm berührt, der sich zum Abfangen des Sturzes zwischen Körper und Boden befindet.

Danach aber wird es komplizierter. Handspiel soll gepfiffen werden, wenn sich der Arm über Schulterhöhe befindet oder die Hand- oder Armhaltung die Körperfläche unnatürlich vergrößert. Fröhlich hat dafür die Vereine in die Entscheidungsfindung einbezogen und 40 "relevante Handspielsituationen" übermittelt. Doch Diskussionen werden sich nicht vermeiden lassen, glaubt DFB-Lehrwart Lutz Wagner: "Die Grauzone und der Ermessensspielraum für die Schiedsrichter sind zwar kleiner geworden, es wird aber weiterhin Streitfälle geben."

Regel 5: Gelbe und Rote Karten gegen Trainer

Das hat es in dieser Form noch nie gegeben. Im neuen Regeltext heißt es: "Der Schiedsrichter kann Teamoffizielle, die sich nicht verantwortungsbewusst verhalten, verwarnen (Gelbe Karte) oder sie vom Spielfeld und dessen unmittelbarer Umgebung einschließlich der Technischen Zone entfernen lassen (Rote Karte). Kann der Täter nicht identifiziert werden, wird die Disziplinarmaßnahme gegen den höchstrangigen Trainer in der Technischen Zone ausgesprochen."

Auf der Generalversammlung der 36 Profivereine soll kommende Woche auf einen Antrag des DFL-Präsidiums beschlossen werden, dass Trainer nach vier Gelben Karten automatisch ein Spiel gesperrt werden. Auch der Tribünenverweis ist noch mit einer weiteren Sperre von einem Spiel verbunden. Der DFB-Schiedsrichterchef Lutz Michael Fröhlich appelliert an einen respektvollen, positiven Umgang miteinander. Aber hilft dabei diese neue Strenge? Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann hat schon geunkt, nur 15 Spiele auf der Bank zu erleben.

Regel 14: Strafstoß, Verhalten des Torhüters

Die neue Regel besagt, dass bei der Ausführung des Strafstoßes sich der Torhüter mindestens mit einem Teil des Fußes auf der Torlinie befindet. Damit sollen die Chancen steigen, dass er den Elfmeter abwehren kann; die alte Regel besagte, dass beide Füße auf der Linie sein mussten.

Bisher wurden Verstöße der Torhüter gegen die Fußregel kaum geahndet – und damit konnten alle gut leben. Doch erstmals bei der Frauenfußball-WM wurde mit Hilfe des Videobeweises und Standbildern zentimetergenau nachgeprüft, ob der Fuß beim Strafstoß auf der Linie ist. So wurden selbst Elfmeter in den Schlussminuten, bei denen die Schützin verschossen hatte, noch wiederholt. In Frankreich spielten sich deswegen tränenreiche Dramen ab.

Die deutsche Nationaltorhüterin Almuth Schult geißelte das Vorgehen als "völlig weltfremd". Es widerspreche dem, "was Torhüter jahrelang verinnerlich haben." Ihr Eindruck: Die Frauen hatten mal wieder Versuchskaninchen spielen müssen.

Der DFB hat die Gefahr erkannt und will bei der Elfmeterausführung "nicht päpstlicher sein als der Papst", wie Schiedsrichter Fröhlich auf einem DFB-Workshop ankündigte. In der ersten Runde des DFB-Pokals mit zahlreichen erst im Elfmeterschießen entschiedenen Partien ließen die Referees die Torhüter teilweise schon für das bloße Auge erkennbar weit übertreten. Der Videobeweis (VAR) kam in der ersten Pokalrunde ohnehin nicht zum Einsatz. Bislang ist nicht geplant, dass der VAR künftig in der Bundesliga penibel die Elfmeter untersucht. FIFA-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina verlangt aber genau eine solche Überwachung. Hier könnte sich noch Ungemach zusammenbrauen.

Das sind die wichtigsten Neuerungen

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