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Handball: Ungeliebte Regel-Revolution

Sport - Handball: Ungeliebte Regel-Revolution

logo!-Kinderreporterin Greta hat Uwe Gensheimer, Kapitän der Handball-Nationalmannschaft getroffen. Ihr hat er u.a. verraten, wie sich die Mannschaft in der Kabine in Stimmung bringt.

Beitragslänge:
2 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 12.07.2017, 15:40

Die neuen, seit 1. Juli geltenden Handballregeln sorgen vor dem olympischen Handballturnier in Rio für Wut und Unsicherheit.

Die Sportgeschichte hat einige herausragende Beispiele dafür präsentiert, wie Sportarten durch schlichtere Regeln an Popularität gewinnen können. Zum Beispiel Biathlon, das erst durch die Einführung des Massenstarts und der Verfolgung das entscheidende Spannungsmoment erhielt. Damit lockt der Sport Millionen Zuschauer an die TV-Geräte und Zigtausende in die Arenen.

Butzek: Fast alle Klubs dagegen

Im Handball fürchten nun einige Protagonisten, dass sich mit der Reform der Regeln viele Fans mit Grausen abwenden werden. "Die Klubs sind nahezu alle gegen die Regeländerungen", berichtet Gerd Butzeck, der Geschäftsführer des Forum Club Handballs (FCH), das die Interessen der europäischen Spitzenklubs vertritt.

Drastischer hat es der isländische Meistertrainer Alfred Gislason vom THW Kiel in den "Kieler Nachrichten" formuliert: "Insgesamt sehe ich eine Sabotage an unserer Sportart." Die Saboteure sind demnach die Funktionäre des Welthandballverbandes IHF, der für die Regeln zuständig ist.

Erste Bewährung bei Olympia

Die Nervosität ist deshalb so groß, weil der Ernstfall bei einem wichtigen Turnier geprobt wird: Beim olympischen Handballturnier in Rio de Janeiro (5. bis 21. August). "Ich habe viele Überlegungen gemacht", sagt Bundestrainer Dagur Sigurdsson: "Mal sehen, was unsere Gegner machen. Wir müssen darauf reagieren. Ich glaube, es wird sehr interessant. Die Bundesliga und die ganze Welt schauen auf Olympia."

Insofern kommt dem ersten Testspiel der deutschen Handballnationalmannschaft am Mittwoch in Stuttgart gegen Tunesien (18.30 Uhr, live im ZDF) hohe Bedeutung zu.

Siebter Feldspieler

Heiße Debatten werden vor allem über die Regeländerung hinsichtlich des siebten Feldspielers geführt. Bisher musste der siebte Feldspieler, wenn er anstelle des Torwarts kam, mit einem Extra-Leibchen gekennzeichnet werden. Das entfällt nun. Da nun jeder Feldspieler mit dem Torwart zurücktauschen kann und damit das Tor wieder schneller besetzt werden kann, dürften viele angreifende Mannschaften auf dieses taktische Mittel zurückgreifen.

Sollte sich diese Variante durchsetzen, würde Handball von einem Gleich- zu einem Überzahlspiel mutieren - und die Defensive wäre geradezu gezwungen, tief am Kreis zu verteidigen (6-0-Deckung). Offensive Abwehrvarianten wie das klassische jugoslawische 3-2-1 oder Systeme mit ein oder zwei vorgezogenen Verteidigern würden verschwinden.

Es droht taktische Einfalt. "Das ist aus unserer Sicht sicher die massivste Änderung", sagt der Schiedsrichter Kay Holm, der fast 800 Einsätze in der Handball-Bundesliga auf dem Buckel hat.

Wurfzwang nach sechs Pässen

Holm hat in Kiel rund 25 Handballjournalisten geschult, um die Regeln verständlich zu machen. Vor allem die Regeländerung des passiven Spiels bereite den Referees großes Kopfzerbrechen, sagte er. Denn künftig sollen, wenn passives Spiel angezeigt wird, den Angreifern nur noch sechs Pässe erlaubt sein - dann muss der Torwurf kommen.

Als Schulungshilfe für die Schiedsrichter nach Anzeigen des passiven Spiels hielt er insgesamt 26 verschiedene Szenarien bereit. "Man wollte Transparenz schaffen", sagte Holm. "Wir wären froh gewesen, wenn Klarheit geherrscht hätte." Jetzt müssen die Referees in der Hitze des Gefechts Pässe zählen.

So unsinnig die Reform auch sein mag: In Rio de Janeiro muss jeder die neuen Regeln beherrschen. Wer am innovativsten denkt und am schnellsten die Ideen der Trainer umsetzt, dürfte einen gravierenden Wettbewerbsvorteil erlangen. Ob die deutschen Handballer gedanklich fix genug sind, darauf gibt Stuttgart einen ersten Hinweis.

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