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Good Guy, Bad Guy

DFB-Pokal-Finale: Kovac-Brüder vor dem Eintracht-Abschied

Niko und Robert Kovac wechseln gemeinsam nach dem DFB-Pokalfinale von Eintracht Frankfurt zu Bayern München. Die Rollenverteilung unter den Brüdern ist einfach: Einer ist locker, der andere ernst.

Niko und Robert Kovac
Niko und Robert Kovac nehmen in Berlin nach zweieinhalb Jahren Abschied von Eintracht Frankfurt.
Quelle: imago

Kevin-Prince Boateng muss es wissen. Seit dieser Saison spielt die weit herumgekommene Integrationsfigur bei Eintracht Frankfurt, und wie der Zufall so will, ist er einst im selben Berliner Arbeiterviertel Wedding aufgewachsen wie Niko und Robert Kovac. Wie funktionieren die beiden als Chef- und Assistenztrainer? Die beiden hätten sich auf ein Rollenspiel eingelassen, sagt Boateng: der eine "Good Guy", der andere "Bad Guy". Davon hätten die kroatischen Brüder wohl ein paar Filme geschaut. "Robbi ist locker, eher der, der auch mal Witze macht. Niko ist eher der Strenge. So spielen sie das aus." Robert Kovac kann bei dieser Beschreibung übrigens nur zustimmen: "Ich bin einfach so, bin anders als mein Bruder, Niko ist etwas ernster."

Nicht mit nassen Haaren nach draußen

Gerade auch jetzt wieder vor dem DFB-Pokalfinale Eintracht Frankfurt gegen FC Bayern (Samstag, 20 Uhr/ARD): Niko Kovac, erzählt Boateng, habe die vergangenen Tage sogar darauf geachtet, dass die Spieler nach dem Training nicht mit nassen Haaren nach draußen laufen - sie könnten sich ja noch erkälten. Robert hingegen befördert mit flotten Sprüchen die gute Stimmung. Denn: "Damit versuchen wir zu vertuschen, dass wir nervös sind."

Für Frankfurt ist es die letzte Chance, doch noch einen Europapokalplatz zu ergattern, nachdem das Team in der Liga auf Platz acht abgerutscht ist. Was womöglich im direkten Zusammenhang damit steht, dass Niko und Robert Kovac im Sommer zum Branchenprimus Bayern wechseln. Im Grunde hat nur der Einzug in dieses Endspiel die Wogen geglättet, die mit dem Abgang entstanden. Wobei es nie um die Tatsache ging, eine Ausstiegsklausel zu nutzen, sondern das Versteckspiel mit der "Stand-jetzt"-Formulierung - und der Behauptung, alles habe sich binnen 24 Stunden entschieden.

Zu den Bayern wollten sie unbedingt

Kurz darauf verriet der 46 Jahre alte Niko Kovac im Hintergrundgespräch, es sei immer sein Ziel gewesen, Trainer von Bayern München zu werden. "Als Spieler habe ich den Verein gewechselt, nun ist das auch als Trainer passiert. Diese Möglichkeit musste ich ergreifen." Nur hätte der ehemalige Bayern-Profi (2001 bis 2003) sie anders kommunizieren können.

Auf den zwei Jahre jüngeren Robert Kovac, der ebenfalls in München (2001 bis 2005) spielte, prasselte nicht annähernd so viel Kritik ein. Vielleicht, weil er mit weniger Pathos spricht - wenn er denn überhaupt mal in der Öffentlichkeit redet. Typisch für ihn, dass er unlängst mit der Hessischen Medaille für Zivilcourage ausgezeichnet wurde, weil er im Frankfurter Westend einen flüchtenden Räuber stellte. Für ihn, der im Gegensatz zu Bruder Niko mit Frau und Kindern in der Mainmetropole lebt, war das eine Selbstverständlichkeit, von der er selbst gar nicht so viel Aufhebens gemacht hätte. Da nimmt sich einer nicht zu wichtig.

"Wir sehen uns auf Augenhöhe"

Diese Charaktereigenschaft macht es ihm im Arbeitsalltag unter Brüdern recht einfach. Das gute Verhältnis, das in dieser Form auch schon bei der kroatischen U21-Nationalmannschaft und bei der A-Nationalmannschaft während der WM 2014 bestand, habe sich eher noch verfestigt. "Wir sehen uns auf Augenhöhe, das letzte Wort hat er, aber das ist ja klar. Aber wir diskutieren über alles, wir haben dieselben Ansichten über den Fußball, wir haben auf ähnlichem Niveau selbst Fußball gespielt, wir haben den gleichen Werdegang", sagte Robert Kovac im März im Interview der "Frankfurter Rundschau".

Sie sind in einem Stadtteil groß geworden, in dem nicht nur auf dem Bolzplatz oft genug das Recht des Stärkeren galt. Die Karriere begannen beide bei Rapide Wedding, wurden bei Hertha Zehlendorf ausgebildet, doch dann trennten sich die Wege: Während der große Bruder bei Hertha BSC Profi wurde, ging der jüngere zum 1. FC Nürnberg, wo er von der Ausbildung unter Hermann Gerland profitieren sollte. Robert sei, sagte Niko einmal, "das schlampige Genie" gewesen.

Abschied in Berlin

Für Robert reichte es dennoch zur Weltkarriere, der für Bayer Leverkusen, Bayern München, Juventus Turin und Borussia Dortmund auf Weltklasseniveau verteidigte. Als Manndecker, der dank seiner Schnelligkeit und Härte kaum zu überwinden war. Ein Fleißarbeiter, der selten ins Rampenlicht drängte. Deshalb hat er auf absehbare Zeit auch keine Ambitionen als Cheftrainer. "Ich bin nicht die Person, die gerne in der Öffentlichkeit steht und da alles erklären muss. Mir macht das so in der Konstellation viel Spaß. Das entspricht meinem Charakter und meinem Naturell."

Beide nehmen nun in Berlin nach zweieinhalb Jahren Abschied von Eintracht Frankfurt. Ein letztes Mal sollen sich bitte, bitte alle zusammenraufen. Wenn der Außenseiter gegen den Favoriten untergeht, dann ohne den Vorwurf, nicht alles gegeben zu haben. Ein Motto, das die Kovac-Brüder durch ihre gesamte Karriere begleitet hat. Ganz gleich ob als "Good Guy" oder "Bad Guy".

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