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Noch 100 Tage hoffen, bangen und trainieren

Sport - Noch 100 Tage hoffen, bangen und trainieren

Die Olympischen Sommerspiele finden dieses Mal im Winter statt, und zwar im brasilianischen. Deswegen werden die deutschen Sportler aber keinen Fellmantel nach Rio mitnehmen müssen.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 26.04.2017, 14:31

100 Tage vor dem Start der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro lassen sich die deutschen Athleten ihre Vorfreude nicht durch Krisenmeldungen aus Brasilien trüben. Auch Michael Vesper, der Vorstandsvorsitzende des DOSB, ist optimistisch.

Am 5. August werden im Maracana-Stadion in Rio de Janeiro die XXXI. Sommerspiele eröffnet. Noch 100 Tage also. Die 100 sagt: Bald ist es so weit. Noch 100 Tage Vorfreude, 100 Tage Training, 100 Tage Bangen. Werden das schöne, stimmungsvolle, friedliche Spiele?

Lage in Brasilien teilweise desaströs

Die Meldungen aus Brasilien wecken Zweifel: Politische Instabilität; eine wirtschaftlich desaströse Lage; ein eingestürzter Fahrradweg; Korruption; die zusätzliche U-Bahn-Linie zum Olympiagelände, die angeblich nicht fertig wird; verdreckte Gewässer; das Zika-Virus; und zu allem Überfluss auch noch Brasilianer, die zwar fußballfanatisch sind, mit dem bunt gemischten olympischen Sportprogramm aber angeblich wenig anfangen können und bislang kaum Tickets gekauft haben.

Für Michael Vesper ist vieles davon das übliche Horrorszenario, das traditionell vor Olympischen Spielen durch die Weltpresse geistert. Er sagt: "Diese Berichte kenne ich, seit ich beim Deutschen Olympischen Sport Bund bin. Aber das olympische Areal war schon im vergangenen April fast fertig und sehr beeindruckend. Ich bin optimistisch, dass wir dort gute Spiele erleben werden."

Kienbaum statt Brasilia

Linda Stahl, die Olympiadritte im Speerwerfen von London 2012, sieht das ähnlich und fragt: "Olympische Spiele und schlechte Stimmung, gab es das denn überhaupt schon mal irgendwann?" Die Leverkusenerin hat akzeptiert, dass die Leichtathleten ihre unmittelbare Olympiavorbereitung nicht wie geplant im schönen Brasilia verbringen werden, sondern wegen des Zika-Virus im altbekannten, einsam und entsprechend langweilig gelegenen Kienbaum in Brandenburg. Aber ansonsten sei es doch so: "Ich bin dafür zuständig, mich zunächst mal zu qualifizieren, dann dort hinzufahren und schließlich Spaß im Olympischen Dorf und im Wettkampf zu haben", sagt die 30-Jährige. "An allen anderen Dingen kann ich nichts ändern."

Auch wenn sie am Dienstag zu jenen deutschen Athleten gehörte, die gut gelaunt in Düsseldorf das offizielle Outfit für Rio präsentieren durften, kann sich Stahl ihrer Olympiateilnahme noch nicht sicher sein. Neben ihr selbst hoffen noch Weltmeisterin Katharina Molitor, die Olympiazweite Christina Obergföll und U-23-Europameisterin Christin Hussong auf eine Nominierung. Das macht vier Athletinnen, alle mit Medaillenchancen - und es stehen nur drei Tickets zur Verfügung.

Handballer im Blickpunkt

Einen so engen Kampf gibt es auch in anderen Sportarten. Zum Beispiel bei den Handballern. Nach ihrem EM-Sieg sind sie wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gelangt und haben Hoffnung auf mehr gemacht. Auch wenn Christian Dissinger vom THW Kiel betont: "Man muss auch ein bisschen wieder runterfahren. Die EM hätte für uns mit einem Tor mehr eines Gegners auch schon früher zu Ende sein können." Der 24-Jährige spielt damit auf den knappen 34:33-Halbfinalsieg der Deutschen über Norwegen an. "Wir gehören sicherlich zum erweiterten Kreis der Weltspitze", sagt er, "aber ich sehe in Rio andere eher als Favoriten an."

Er selbst kämpft nach einer Ende März erlittenen Verletzung gerade um sein Comeback und kann sich somit allein deshalb nicht sicher sein, für Rio nominiert zu werden. "Handball ist halt eine Mannschaftssportart, wir müssen den Kader noch von 24, die es alle verdient hätten mitzufahren, auf 14 plus einen Ersatzmann reduzieren." Zu seinen eigenen Chancen will Dissinger keine Prognose abgeben. Nur so viel: "Ich weiß, was ich kann, der Bundestrainer weiß auch, was ich kann, letztlich muss er entscheiden, was das Beste ist."

"Da weht der olympische Geist"

100 Tage vor Olympia ist somit die Nominierung zunächst das oberste Ziel der Athleten mit olympischen Ambitionen. Denn, Horrormeldungen hin oder her, drei Wochen im olympischen Dorf will niemand verpassen. Selbst der Funktionär Michael Vesper schwärmt: "Ich freue mich am meisten auf das olympische Dorf. Das ist der globalste Ort dieser Welt, dort kommen Sportlerinnen und Sportler aus 206 Nationen zusammen. Es sitzt der Weltstar neben dem Amateur in der Mensa. Da weht der olympische Geist."

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