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Vier Musketiere kämpfen gegen die Krise

Peter Joppich

Sport - Vier Musketiere kämpfen gegen die Krise

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Mit einem Mini-Team von vier Musketieren sind die deutschen Fechter zu den Olympischen Spielen nach Rio gereist. Peking-Olympiasiegerin Britta Heidemann hat nur abseits der Planche Erfolgsaussichten.

Britta Heidemann
Britta Heidemann

Silber in Athen 2004, Gold in Peking 2008, Silber in London 2012: Britta Heidemann war bei Olympischen Spielen das erfolgreiche Covergirl der deutschen Fechter. In Rio ist die 33-Jährige wieder mit von der Partie. Allerdings kämpft sie diesmal abseits der Planche.
Britta Heidemann kandidiert als eine von 24 Kandidaten für vier Plätze in der  Athletenkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), die von den gut 10.000 Sportlern gewählt werden.

Nicht qualifiziert

Die sportliche Qualifikation für die Sommerspiele hat die von Achillessehnenproblemen geplagte Degen-Spezialistin verpasst und wird deshalb zumindest bei den Wettkämpfen nur zuschauen.

Ihr Aus ist das Sinnbild der Krise des deutschen Fechtens, das in Rio in keinem Mannschaftswettbewerb vertreten sein wird. Carolin Golubytskyi (Florett), Maximilian Hartung (Säbel), Peter Joppich (Florett), Matyas Szabo (Säbel) bilden als Einzelstarter das kleinste deutsche Aufgebot bei olympischen Fecht-Wettbewerben seit 60 Jahren. Das Quartett ist von seinen Weltranglistenpositionen nur Außenseiter, geht aber dennoch optimistisch in den Medaillenkampf.

"Ein bis zwei Medaillen"

Der viermalige Florett-Weltmeister Peter Joppich als namhaftester Athlet hat das Podest im Visier: "Na klar will man bei den Spielen eine Medaille holen. Die Spitze ist bei einem solchen Event natürlich eng. Aber wenn an dem Tag alles passt, sollte sicher etwas gehen", sagt er.

Sportdirektor Sven Ressel hofft auf "ein bis zwei Medaillen" in Rio. Vielleicht wäre so ein Überraschungserfolg aber gar nicht gut für die Zukunft des einst so glorreichen deutschen Fechtens mit Stars wie Anja Fichtel.

Präsident zurückgetreten

Medaillen würden nämlich von den Problemen ablenken, die es zweifellos gibt. Selbst das Bundesinnenministerium stellte fest, dass es Fechten die Sportart mit dem größten sportlichen Abstieg seit Olympia 1992 ist. Zu Jahresbeginn trat Verbands-Präsident Lothar Blase zurück, zuvor hatte schon Vizepräsident Luitwin Ress aufgegeben.

Ehemalige Topfechter wie Zita Funkenhauser beklagen, dass Einzelinteressen über die des Teams gestellt worden seien. Zudem habe man die Trainer-Ausbildung und Nachwuchsförderung verschlafen. "Wir haben uns zu lange von unseren Topathleten ernährt", hatte Florett-Bundestrainer Ulrich Schreck in einem Interview erklärt. Er war selbst Olympiasieger - vor 24 Jahren in Barcelona, als letztmals ein deutsches Fechtteam Gold in einem Mannschaftswettbewerb holte.

Prominenz im Stab

Olympia 1988: Anja Fichtel (Mitte) gewinnt im Florett vor Sabine Bau (l.) und Zita Funkenhauser
1988: Anja Fichtel (m.) siegt vor Sabine Bau (l.) und Zita Funkenhauser

Der neue deutsche Verbandschef Dieter Lammer stellt alle Strukturen auf den Prüfstand. Selbst über die künftige Ausrichtung des einst so erfolgreichen Olympia-Stützpunkts Tauberbischofsheim wird diskutiert. Positiv immerhin, dass dort ehemalige Olympiamedaillengewinnerinnen in Top-Positionen verankert sind. Doppel-Olympiasiegerin Anja Fichtel ist für das Nachwuchstraining zuständig, die zweimalige Olympiamedaillengewinnerin Rita König-Römer für die Vermarktung.

Aus dem Deutschen Fechter-Bund hört man Olympia 2024 als Termin, wenn der künftig erhoffte Aufschwung Früchte tragen soll. Vielleicht dauert es aber auch länger: Petter Joppich bekam für seine neugeborene Tochter Nova jüngst einen extra angefertigten Baby-Fechtanzug geschenkt.

Anti-Doping-Kämpferin

Fechter Peter Joppich und seine Freundin Ina Giros zeigen einen Fecht-Strampelanzug für Tochter Nova
Joppich mit Freundin

Bis das kleine Mädel reif für eine Olympia-Medaille ist, werden die deutschen Fechter wohl nur politisch für Furore sorgen. Montreal-Olympiasieger Thomas Bach ist IOC-Präsident, Britta  Heidemann könnte ihm ins IOC folgen.

Sie hat sich vor allem die Verbesserung der Bedingungen für die Sportler und den Antidoping-Kampf auf die Fahnen geschrieben: "Werde ich gewählt, kann und werde ich mich acht Jahre für diese Dinge einsetzen." Ob sie noch einmal als aktive Fechterin auf die Planche zurückkehrt, hat sie noch nicht entschieden.

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