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Harting: "Bach ist Teil des Doping-Systems"

Sport - Harting: "Bach ist Teil des Doping-Systems"

Diskus-Olympiasieger teilt gegen IOC-Chef Thomas Bach aus: "Er ist Teil des Doping-Systems. Ich schäme mich für Thomas Bach". Der reagiert empört. Ein anderer gibt seinen olympischen Orden zurück.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 26.07.2017, 14:55

Diskus-Olympiasieger Robert Harting hat IOC-Präsident Thomas Bach nach der Olympia-Zulassung für russische Sportler trotz des massiven Dopingbetrugs mit scharfen Worten attackiert: "Er ist für mich Teil des Doping-Systems."  Bach sprach von einer "nicht akzeptablen Entgleisung" Hartings.

IOC-Chef Thomas Bach Quelle: dpa

Er schäme sich für Thomas Bach, sagte Robert Harting am Dienstag. Der IOC-Chef sei nicht Teil des Anti-Doping-Systems. Bach habe kurz vor Beginn der Spiele in Rio de Janeiro (5. bis 21. August) "keinerlei Interesse, den Schmerz" der sauberen Athleten "zu fühlen". Nach der Entscheidung des IOC mit Bach an der Spitze sei für Harting ein Stück die "Welt untergegangen. Und ich kann das eigentlich nicht verstehen."

IOC-Präsident Thomas Bach reagierte scharf auf die Kritik des Olymiasiegers an seiner Person. "Es ist eine nicht akzeptable Entgleisung, wenn man jemanden, der nicht der eigenen Meinung ist, in derartiger Art und Weise beleidigt", sagte Bach in einem dpa-Interview.

"Einfach peinlich"

Das IOC und Bach haben "eine neue Enttäuschungs-Dimension erreicht", sagte der 31 Jahre alte Harting. Die Entwicklungen der vergangenen Tage, ein russisches Team trotz der Beweise für ein systematisches und staatlich geschütztes Dopingsystem nach Rio zu lassen, sei "einfach peinlich". Er habe sich schon gefragt, ob Bach als IOC-Präsident "noch tragbar ist. Aber ich alleine werde da nichts verändern können." Nur eine "Allianz aus Wirtschaft, Medien und Politik" könne Bach stürzen.

Dass die russischen Leichtathleten im Gegensatz zu Athleten anderer Sportarten international weiter gesperrt sind, bezeichnete Harting als "richtige Maßnahme. Das ist vielleicht ein Weckruf."

Fall Stepanowa: "Echt traurig"

Am Sonntag hatten Bach und sein Exekutiv-Komitee trotz der Enthüllungen im McLaren-Report der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA beschlossen, ein russisches Team unter bestimmten Auflagen für die Spiele an der Copacabana zuzulassen. Dafür hagelte es für Bach internationale Kritik, zumal die IOC-Ethikkommission der Doping-Whistleblowerin Julija Stepanowa den Start als "neutrale Athletin" in Rio verwehrte. Das sei "echt traurig", sagte Harting.

Zwar habe die 800-m-Läuferin der Leichtathletik mit ihrer Dopingvergangenheit "Schaden zugefügt. Aber der Schaden, den sie von der Leichtathletik abgewendet hat, ist viel größer." Allerdings wäre ein Start Stepanowas ein "Schlag ins Gesicht von Wladimir Putin gewesen", meinte Harting, der in einer Stiftung mithilft, Geld für die ins Ausland geflüchtete Kronzeugin zu sammeln. Russlands Präsident Putin gilt als Vertrauter Bachs. Diese Verbindung sei für einen Start Stepanowas nicht gerade hilfreich gewesen, sagte Harting.

Bach: "Stepanowa im System mitgewirkt"

IOC-Präsident Bach verteidigte am Dienstag noch einmal die Entscheidung im Fall Stepanowa: Die Ethikkommission des IOC habe zwar ausdrücklich den Beitrag der Leichtathletin im Kampf gegen Doping gewürdigt. "Sie hat aber auch berücksichtigt, dass Julia Stepanowa nicht nur fünf Jahre Teil des Systems war, sondern aktiv mitgewirkt hat in diesem System. Sie hat ihre Informationen erst preisgegeben, als der Schutz des Systems nicht mehr funktionierte und als sie bereits eine Zweijahressperre erhalten hatte", so Bach.

Die  800-Meter-Läuferin war 2013 wegen Dopings für zwei Jahre gesperrt worden. Sie hat nach Angaben ihres Mannes Witali Stepanow Einspruch gegen die IOC-Entscheidung eingelegt, sie nicht unter neutraler Flagge in Rio antreten zu lassen.

Harting peilt Gold an

Robert Harting selbst bereit sich derzeit in Kienbaum intensiv auf Rio vor, nachdem er kurz nach dem Saisonende 2014 im Training einen Kreuzbandriss im linken Knie erlitten und die komplette Saison 2015 verpasst hatte. Wegen eines Muskelfaserrisses im Brustmuskel und einer Entzündung im rechten Knie musste er zudem im Frühling im Training kürzer treten.

Trotzdem peilt der Weltmeister von 2009 bis 2013 wieder Gold an. "Die anderen Jungs kochen auch nur mit Wasser - hoffentlich", sagte Harting, der mit 68,06 m hinter seinem Dauerrivalen und Weltmeister Piotr Malachowski (68,15) aus Polen und seinem jüngeren Bruder Christoph (68,06) im Moment die Nummer drei der Welt ist.

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