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Sackhüpfen, Tauziehen, Weitspucken

Tauziehen Olympia 1904 St. Louis

Sport - Sackhüpfen, Tauziehen, Weitspucken

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Weitspucken, Tauziehen, Sackhüpfen – die Sportarten gelten als absolute Highlights bei jedem Kindergeburtstag. Doch einst – so unglaublich es heute auch klingen mag – waren sie Teil der Olympischen Spiele. Wir stellen kurz vor Beginn der Olympischen Spiele von Rio (5. bis 21. August) einige der verrücktesten Sportarten der Geschichte vor.

Platz 7: Motorboot-Rennen

Der einzige Auftritt dieser Sportart geriet 1908 in London zum Desaster. Eigentlich sollte die Qualität der damals aufkommenden Verbrennungsmotoren gefeiert werden, doch bei Regen, starkem Wind und dementsprechend hohem Wellengang in der Bucht von Southampton erreichte nach 40 Seemeilen (gut 74 Kilometer) nur jeweils ein Boot in jeder der drei ausgetragenen Klassen das Ziel. Der Brite Thomas Thornycroft wurde vor allem deshalb Doppel-Olympiasieger, weil er mit Blick auf die Wetterbedingungen ein Besatzungsmitglied extra zum Wasserausschöpfen mitgenommen hatte.

Der blaublütige Teilnehmer Hugh Grosvenor, Duke of Westminster, erreichte nicht das Ziel. Es ist nicht überliefert, ob das der Grund für die Eliminierung dieser Sportart aus dem Olympia-Programm war.

1908 Olympia: Motorboot-Rennen in London
1908 Olympia: Motorboot-Rennen in London Quelle: imago

Platz 6: Reiten verrückt

Die Wettbewerbe mit Vierbeinern gehören auch heute noch zu den Highlights der Olympischen Spiele. 1900 allerdings bei den Olympischen Spielen in Paris waren die Pferde besonders gefordert. Beim Pferdeweitspringen nötigte der Belgier Constant van Langhendonck sein Pferd „Extra-Dry“ zu einem Flug über  6,10 Meter. Im Pferdehochsprung waren 1,85 Meter für Gold nötig.

Und im Gespannfahren – auch als Postkutschfahren bezeichnet – triumphierte mit dem Belgier Georges Nagelmackers ein 55-Jähriger. Mit Pferden hatte er übrigens in seinem beruflichen Leben wenig im Sinn: Er gilt als einer der Begründer des Eisenbahnverkehrs, entwickelte den Orient-Express von Paris nach Konstantinopel mit und verhalf der Idee von Schlaf- und Speisewagen zum Durchbruch.

Platz 5: Schwimmen verrückt

Auch im Schwimmen kannte der olympische Einfallsreichtum keine (Ekel-)Grenzen. Bei den Spielen 1904 stand Kopfweitsprung auf dem Programm. Es durften nach dem Eintauchen ins Wasser dabei keine Schwimmbewegungen gemacht werden. Der US-Amerikaner William Dickey gewann mit 19,05 Metern. Das Problem dabei: Parallel zu Olympia fand die Weltausstellung statt und die Landwirtschafts-Unternehmen schütteten fröhlich ihren Dung und Dünger in den See.

Ähnlich eklig war es schon 1900 in Paris zugegangen, als in der Seine um Olympiagold gekämpft wurde. Damals wurde noch ein Großteil der Fäkalien und Abwässer von Millionen Einwohnern von Paris direkt in den Fluss geleitet. Trotzdem tauchte der Franzose Charles de Vendeville beim Unterwasserschwimmen erst nach 68,4 Sekunden und 60 Metern wieder auf.

Beim ebenfalls nur einmal bei Olympia ausgetragenen Hindernisschwimmen musste auf einem 200 Meter langen Parcours zum Beispiel über Boote hinweggeklettert werden. Bei der Olympia-Premiere 1896 gab es übrigens ein 100-Meter-Freistil-Rennen nur für Matrosen. Die wollten unbedingt beim Schwimmen mitmachen, waren aber eigentlich zu langsam – also wurde extra ein olympischer Wettbewerb für sie geschaffen. Es lebe der olympische Gedanke!

1904 Olympia: Schwimmen in St.Louis
1904 Olympia: Schwimmen in St.Louis Quelle: imago

Platz 4: Tauziehen

Tauziehen ist ein echter Olympia-Klassiker und eine der ältesten Sportarten der Welt. Schon 2500 v.Chr. sind auf Wandzeichnungen Vorläufer der Sportart zu sehen. Zwischen 1900 und 1920 stand die Disziplin im Programm der Olympischen Spiele. Zum skandalösen Höhepunkt kam es bei den Spielen 1908 in London. Im einzigen Viertelfinal-Duell unterlag die USA einem Betriebsteam der Polizei von Liverpool.

Die US-Amerikaner protestierten danach, weil die britischen Cops Nägel an ihren Schuhen getragen und sich damit einen Wettbewerbsvorteil verschafft hatten. Die rein britische Jury lehnte den Einspruch jedoch mit der fadenscheinigen Begründung ab, dass die Nagelschuhe Teil der Dienstkleidung und deshalb zugelassen seien. Olympiasieger wurden die Spikes-Benutzer aus Liverpool trotzdem nicht – im Finale unterlagen sie dem Polizeiteam aus London.

Platz 3: Sackhüpfen, Tonnenspringen und Weitspucken

Die Olympischen Spiele von St. Louis 1904 gingen als die „Westernspiele“ in die Geschichte ein. Unglaubliche 102 Sportarten waren olympisch. Sie wurden parallel zur Weltausstellung ausgetragen und die Grenzen zwischen olympischen Disziplinen und Jahrmarkt-Attraktionen war durchaus fließend. Beim Tonnenspringen mussten die Teilnehmer alle 50 Meter kopfüber durch an Seilen aufgehängte Fässer springen. Champions wurden auch im Sackhüpfen und Tabak-Weitspucken gekrönt. Ergebnislisten existieren leider nicht mehr.

Überliefert ist dagegen die Geschichte des Marathonläufers Fred Lorz, die eine Idee vom Chaos der Spiele gibt. Beim Marathon ließ er sich elf Meilen (17,7 Kilometer) im Auto seines Managers kutschieren, bis das Gefährt den Geist aufgab. Anschließend lief er zu Fuß über die Ziellinie und ließ sich als Sieger feiern. Nachdem Zuschauer den Betrug verraten hatten, bezeichnete Lorz seine Aktion als Witz. Er wurde lebenslang gesperrt und gewann trotzdem 1905 den Boston Marathon. Ob mit oder ohne Auto ist nicht bekannt.

Platz 2: Gold für Kunst und Kultur

Die vielleicht ungewöhnlichsten Medaillengewinner in der Geschichte der Olympischen Spiele sind Künstler. Zwischen 1912 und 1948 wurden bei den olympischen Kunstwettbewerben Olympiasieger in den Bereichen Architektur, Literatur, Musik, Malerei sowie Bildhauerei gekrönt. Die Verflechtung von Sport und Kultur bei Olympia ging auf eine Idee von Pierre de Coubertin zurück, dem Begründer der modernen Olympischen Spiele. Coubertin reichte übrigens 1912 unter dem Pseudonym "Georges Hohrod und Martin Eschbach" seine "Ode an den Sport" ein und wurde damit als einziger Teilnehmer Olympiasieger in der Literatur-Kategorie.

Nicht nur bei den Spielen 1924 waren die Jury-Mitglieder – zum Beispiel Schriftstellerin Selma Lagerlöf und Komponist Igor Strawinski – berühmter als die Teilnehmer. Zwei Personen brachten das Kunststück fertig, sowohl in einem künstlerischen als auch in sportlichen Wettbewerb eine Olympia-Medaille zu gewinnen. Der US-Amerikaner Walter Winans gewann 1908 und 1912 Gold und Silber als Sportschütze in der Disziplin "Laufender Hirsch (Doppelschuss) und 1912 eine Goldmedaille für seine Skulptur "An American Trotter". Alfréd Hajós aus Ungarn gewann 1896 Doppelgold im Schwimmen und wurde 28 Jahre später mit einer Silbermedaille für seinen Entwurf des Schwimmstadions in Budapest ausgezeichnet.

Platz 1: Schießen auf lebende Tauben

Die Olympischen Spiele 1900 in Paris waren eine blutige Angelegenheit. Über 300 Tauben mussten ihr Leben lassen, weil beim Schießen einmalig auf lebende Objekte geschossen wurde. Der Belgier Leon de Lunden holte 21 vom Himmel, verfehlte nur zwei – und wurde damit Olympiasieger Glücklicherweise wird im Sportschießen heute nur noch auf Tontauben (Tonscheiben) geschossen. Und die Tauben flattern lebend als Friedensbotschafter bei der Eröffnungsfeier aus dem Olympiastadion.

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