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Wer holt ersten Podestplatz?

Sport - Wer holt ersten Podestplatz?

Darf sich Deutschland schon am Wochenende über die erste Medaille freuen? 26 Chancen zumindest gäbe es.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 03.08.2017, 08:00

Wer holt die erste deutsche Olympia-Medaille? Das ist auch in Rio wie bei allen Sommerspielen eine spannende Frage. Die Sportschützen sind wie immer in der Pole Position und können ihrer Randsportart ungewohnte Aufmerksamkeit verschaffen.

Barbara Engleder will versuchen, ihr „Ding durchzuziehen und eine gute Show abzuliefern“. Die 33-Jährige weiß genau, dass dieser Samstag in Rio ihre große (und einzige) Chance ist, für einen Tag weltweit berühmt zu werden. Einmal in vier Jahren stehen die Sportschützen im Blickpunkt der Sportöffentlichkeit dieses Planeten. Genau dann, wenn traditionell die erste olympische Medaille bei den Millimeterkünstlern vergeben wird. So ist es natürlich auch bei den ersten Olympischen Spielen in Südamerika. Die Promi- und Journalisten-Dichte beim Luftgewehr-Wettbewerb der Frauen wird gewaltig sein.

Sportschützen können für erste Medaille sorgen

Schließlich will sich möglichst jeder Chef de Mission im Blitzlichtgewitter mit dem ersten Medaillengewinner seines Landes präsentieren. Die deutschen Sportpolitiker sind seit 1996,als Petra Horneber Silber mit dem Luftgewehr holte, immer vergeblich angereist. Die elfmalige Weltmeisterin und Topfavoritin Sonja Pfeilschifter scheiterte bei Olympia viermal in Serie am gigantischen Erfolgsdruck – und weinte danach mal bittere Tränen oder forderte ein anderes Mal die Entlassung des Bundestrainers. „Am Ende hatte sie es sich aber selbst zuzuschreiben, weil sie es falsch angepackt hat. Von 50 Startern beim Luftgewehr gibt‘s nicht wirklich eine Favoritin, da kann faktisch jede gewinnen“, analysiert Engleder: „Es bringt nichts, sich unter Druck zu setzen. Es ist ganz wichtig, dass man aus dem ungewohnten Hype das Positive rauszieht.“

Genau so will es die zweimalige Weltmeisterin Engleder bei ihrem vierten Olympia-Start machen. „Das ist doch eine coole Geschichte, wenn man die Chance hat, dem deutschen Olympia-Team einen guten Start zu verschaffen“, sagt sie. Dass die Mutter eines Sohnes so die Ruhe weg hat, hängt auch mit ihrem Hobby zusammen: Sie hat einen eigenen Bienenstock und muss auch als Imkerin immer die Nerven behalten, wenn sie nicht zu oft gestochen werden will. Gemeinsam mit ihr wird sich in der ersten olympischen Entscheidung auch Selina Gschwandtner auf die Medaillenjagd begeben. Beide zusammen wollen den Medienrummel „für unsere Sportart nutzen: Vielleicht wird dann ja auch mal ein Sponsor aufmerksam“, sagt Engleder.

Springen Judoka in die Bresche?

Auch Judoka Tobias Englmaier könnte für das erste Edelmetall für Deutschland sorgen: Der in London 2012 in der ersten Runde ausgeschiedene Mann geht allerdings in der 60-Kilogramm-Kategorie als Außenseiter ins Rennen. Nichtsdestotrotz hofft DJB-Sportdirektor Mark Borchert auf eine Überraschung, schließlich hat er mit Mareen Kräh (bis 52 kg) und Sebastian Seidl (bis 66 kg) am Sonntag zwei weitere Eisen im Medaillenfeuer, „Olympia ist unser wichtigstes Schaufenster und eine Riesenchance. Da wir gleich am Anfang dran sind, gibt es auch die Chance auf einen zusätzlichen Coup: Die erste deutsche Medaille zu gewinnen“, so Borchert. So wie 2000, als Anna-Maria Gradante die erste deutsche Medaille gewann. Oder 2004, als erst Julia Matijass das erste Edelmetall für das deutsche Olympia-Team in Athen holte und dann Yvonne Bönisch auch noch das erste deutsche Gold.

2008 und 2012 dauerte es bis Montag zur ersten deutschen Olympia-Medaille. In Peking erlösten die Wasserspringerinnen Heike Fischer und Ditte Kotzian das deutsche Olympia-Team, in London vor vier Jahren die Fechterin Britta Heidemann. Die Medaillengarantin von 2004 (Silber), 2008 (Gold) und 2012 (Silber) hat diesmal die Qualifikation verpasst und stellt sich stattdessen für die Athletenkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zur Wahl. Also kann Heidemann am Samstag bei der Degen-Entscheidung der Frauen – im Gegensatz zum viermaligen Weltmeister Peter Joppich im Florett am Sonntag - nicht für Edelmetall sorgen. Auch im Teamwettbewerb der Bogenschützen fehlt das deutsche Team, und in den ersten vier Entscheidungen der Schwimmer sind ebenfalls keine Medaillen zu erwarten.

Kein heißes Eisen beim Zeitfahren

Genau wie im Straßenrennen der Radsportler, die 1992 in Barcelona beim Mannschaftszeitfahren für die erste deutsche Medaille sorgten. Zwar soll beim Auftaktwettbewerb Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin starten, aber der nutzt das Rennen zum Einrollern auf seine Paradedisziplin. "Im Moment haben wir in Deutschland keinen Bergfahrer, der eine realistische Medaillenchance auf diesem Kurs hat", sagt Maximilian Levy. Deshalb darf sogar er mitfahren – obwohl er dreimaliger Olympia-Medaillengewinner auf der Bahn ist und normalerweise mit Straßenrennen nicht viel am Hut hat. Bleibt also Barbara Engleder als große Hoffnung auf die erste deutsche Medaille gleich am Auftakttag: „Eine Olympiamedaille fehlt mir noch in der Sammlung, ich würde das Gefühl gern kennenlernen. Aber mein Lebensglück hängt davon nicht ab. Schließlich gibt es da meinen Mann und meinen Sohn, die auf mich warten. Da werde ich auch gebraucht.“

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