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Olympisches Menetekel

Dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) droht ein erneuter Rückschlag, sollten sich die Bürger Calgarys gegen eine Bewerbung für die Winterspiele 2026 entscheiden. Nach Ansicht eines Experten wird sich das IOC künftig an den Kosten für die olympische Infrastruktur beteiligen müssen.

Aufkleber zur Unterstützung der Olympia-Bewerbung Calgary 2026
Am Dienstag entscheiden die Einwohner von Calgary, ob sie eine Bewerbung für die Winterspiele 2026 wollen oder nicht.
Quelle: dpa

Einmal mehr wird Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), bang auf das Ergebnis einer Volksabstimmung blicken. Am Dienstag wird sich zeigen, ob die Bürger von Calgary eine Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2026 befürworten oder nicht. Das Referendum ist zwar rechtlich nicht bindend für die kanadische Metropole, die bereits 1988 Olympische Winterspiele organisierte. Aber die Stadtregierung hat erklärt, eine Bewerbung nicht gegen eine Mehrheit der Bürger durchzusetzen.

Düstere Aussichten

Die Aussichten sind eher düster. "Wenn Kommunen in westlichen Demokratien eine Volksabstimmung brauchen, sieht es besonders mau aus", sagt Prof. Wolfgang Maennig. Der Ökonom von der Universität Hamburg, ein Experte olympischer Finanzierung, verweist auf die Voten für die Olympischen Spiele 2022 (München und Oslo), auch in zahlreichen Schweizer Wintersportorten fand sich zuletzt keine Mehrheit.

Und so schwebt ein Menetekel über dem IOC: Dass am Ende kein Bewerber für die Spiele 2026 da ist, wenn die Olympische Vollversammlung im September 2019 darüber entscheiden will. Denn in Stockholm hat sich der neugewählte Stadtrat gegen eine Bewerbung ausgesprochen. Beim dritten Kandidaten Mailand/Cortina d’Ampezzo fehlen bislang jegliche staatliche Zusagen.

Runter vom hohen Ross

Nun waren gute Kandidaten für Winterspiele schon immer rar gesät. "Winterspiele haben ja ohnehin einen begrenzten Bewerberkreis, schon aufgrund der klimatischen Voraussetzungen", sagt Maennig. Auch sei die Finanzierung im Vergleich zu den Sommerspielen, da die Aufmerksamkeit nicht so hoch und die zu erbauende Infrastruktur deutlich teurer sei, wesentlich komplizierter.

Da die Bereitschaft möglicher Bewerber abnehme (für 2022 waren nur Peking und Almaty am Start), müsse das IOC nun völlig neue Wege gehen. "Das IOC kann nicht mehr wie eine Braut auf dem hohen Ross sitzen und auf den besten Bewerber warten", sagt der Ruder-Olympiasieger von 1988. "Das IOC wird auf die Städte, die in Frage kommen, aktiv zugehen müssen."

Enorme Kosten für Infrastruktur schrecken ab

Einerseits habe das IOC schon reagiert, indem es die Kosten für die Bewerbungsverfahren eindämme, indem es Agenturen wie ProProjekt (Frankfurt) damit beauftragt. "Damit hat der Wahnsinn ein Ende, dass irgendwelche Berater damit Unsummen verdienen", sagt Maennig. Allein die Bewerbung Tokios für die Sommerspiele 2020 soll über 100 Millionen US-Dollar verschlungen haben.

Andererseits werde das nicht genügen. "Das operative Budget der Organisationskomitees schrieb ja in den vergangenen Jahren nie Verluste", erklärt Maennig. Bei den Winterspielen 2018 in Pyeongchang lag der IOC-Zuschuss bei rund 800 Mio. Dollar. Das Hauptproblem des IOC liege woanders. "Das, was die Öffentlichkeit stark abschreckt, sind die enormen Kosten für die Infrastruktur, die der Gastgeber im Vorwege Olympischer Spiele zu leisten hat."

Kostenbeteiligung des IOC? "Im Grundstz wird das so kommen"

Der Ökonom ist fest überzeugt davon, dass die IOC-Administration, die diese exorbitanten Kosten bislang kategorisch abwälzte, sich in Zukunft auch hier bewegen wird. "Der nächste Schritt wird sein, dass sich das IOC auch an diesen Kosten für die Infrastruktur beteiligen wird", prophezeit Maennig."Auch wenn das IOC sicher keinen Flughafen bauen wird - im Grundsatz wird das so kommen."

Wann und wie, wird sicher auch von dem aktuellen Verfahren abhängen. Für den Fall eines negativen Referendums in Calgary hat Buenos Aires eine mögliche Bewerbung angekündigt: Während die Hallensportarten wie Eishockey oder Eiskunstlauf in der Hauptstadt vorgesehen sind, sollen die anderen Wettbewerbe im winterfesten Feuerland stattfinden. "Ich bin nicht so glücklich darüber", sagt Maennig. "Die Entfernung zwischen Buenos Aires und Feuerland könnte ja kaum größer sein, und die Idee der Olympischen Spiele ist ja, dass man alle Athleten an einem Ort versammelt."

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