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Last-Minute-Aktionen lassen hoffen

Sport - Last-Minute-Aktionen lassen hoffen

Rios Bevölkerung zeigt steigendes Interesse an den Paralympics. Außerhalb des Sports tun sich Behinderte in Brasilien jedoch schwer. Sie finden kaum Anerkennung, Barrierefreiheit ist die Ausnahme.

Beitragslänge:
2 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 04.09.2017, 09:36

Finanzielle Einschnitte, schleppende Ticketverkäufe, negative Stimmung - vor zwei Wochen drohten die Paralympics in Rio (7. bis 18. September) zu einem Desaster zu werden. Doch die letzten Zeichen machen Hoffnung auf gute Behindertenspiele.

Am Samstag ist das deutsche Team offiziell im Paralympischen Dorf von Rio begrüßt worden. Als "schöne Feier mit brasilianischem Temperament“, beschrieb der deutsche Chef de Mission Karl Quade den Empfang durch die Gastgeber. Die 155 deutschen Sportler sind auch sehr angetan vom Motto „Unser Land ist auch euer Land“, das im Paralympischen Dorf ausgegeben wurde. Überhaupt, so Quade, laufe vieles besser als vorher erwartet: "Wir sind positiv überrascht, weil wir uns nach den schlechten Nachrichten der letzten Wochen auf größere Schwierigkeiten vorbereitet hatten.“

Organisatoren schlagen Alarm

Vor gut zwei Wochen, während der Olympischen Spiele, hatten die Organisatoren nämlich selbst Alarm geschlagen. Sir Philip Craven, Chef des Internationalen Paralympischen Komitees, sprach sogar von einer der größten Krisen in der 56-jährigen Geschichte der Spiele.

Zu diesem Zeitpunkt waren gerade einmal zwölf Prozent der verfügbaren Tickets verkauft worden. An allen Ecken und Enden fehlte das Geld für die Durchführung der Behindertenspiele, es wurden heftige Kürzungen beschlossen. Fast 2000 für die Paralympics verpflichteten Mitarbeitern wurde kurzfristig gekündigt. Der Deodoro Olympic Park, bei den Olympischen Spielen noch da zweitgrößte Wettkampfzentrum, wurde teilweise geschlossen. Events wie das Rollstuhl-Fechten wurden in den großen Olympic Park in Barra verlegt. Und die Zahl der verfügbaren Tickets von den ursprünglich erhofften 3,4 Millionen auf 2,5 Millionen reduziert.

Trotz der rigorosen Einschnitte waren Not-Zuschüsse von gut 40 Millionen Euro der Stadt Rio und noch einmal knapp 30 Millionen Euro von nationalen Sponsoren nötig, um die wichtigsten Dinge wie die Zahlung der Reisekosten und die Verpflegung der paralympischen Athleten abzusichern. Um die Rettungs-Zahlungen gab es sogar vor Gericht Streit, denn Brasilien steckt in einer der schwersten Rezessionen seiner Geschichte. Und in großen Teilen der Öffentlichkeit ist das Verständnis gering, dass man öffentliche Gelder für ein internationales Sportfest ausgibt statt für die vielen Arbeitslosen und mittellosen Menschen in den Armenvierteln der Millionenstadt Rio.

Ticketnachfrage steigt sprunghaft

Allerdings haben schon die Olympischen Spiele zweierlei bewiesen. Zum einen, dass die Carioca, die Einwohner von Rio, als Gastgeber ein großes Herz haben. Zum anderen, dass in letzter Minute doch alles besser wird, als alle erwarten. Die lokale Nachfrage nach Tickets ist in den letzten Tagen sprunghaft angestiegen. "Wir müssen noch einen langen Weg gehen, aber wir sind glücklich mit der Last-Minute Nachfrage“, sagt Ticket-Chef Donovan Ferreti: "Wir erzählen den Leuten, dass sie eine tolle Zeit mit hochklassigen Wettkämpfen erleben können und dazu noch ein tollen Tag im Olympic Park erleben. Und das für weniger Geld, als wenn man sich einen Film im Kino anschaut.“

Gerade mal noch 10 Real (2,75 Euro) kosten die billigsten Tickets - nur ein Viertel von den Kosten für die billigsten Olympia-Eintrittskarten. Zudem wurde zum Beispiel in Großbritannien unter dem Hashtag #filltheseats eine Kampagne gestartet, bei der große Firmen und Privatleute armen brasilianischen Kindern Tickets für die Paralympics finanzieren können. Nach nur einer Woche war das ursprüngliche ausgegebene Ziel bereits um das Zehnfache übertroffen. All diese Aktionen haben dabei geholfen, dass inzwischen gut 1,2 Millionen und damit immerhin fast die Hälfte der verfügbaren Tickets für die 500 Medaillen-Events verkauft wurden.

Schwerer Stand für Behinderte in Brasilien

"Ich bin überzeugt, dass Rio 2016 zumindest in Sachen sportlicher Leistung die besten Paralympics aller Zeiten werden“, so Craven: „Wir haben die Möglichkeit, Rio, Brasilien und Lateinamerika zu einem gerechteren Platz für alle zu machen.“ Behinderte haben im täglichen Leben in Brasilien nämlich einen ganz schweren Stand. Teresa Costa d“Amaral vom Brasilianischen Institut für die Rechte von Behinderten sagt: "Menschen mit Behinderungen müssen selbst für die Grundrechte wie den Zugang zum Gesundheitssystem und zu Bildung kämpfen. Es ist kein leichtes Leben als Behinderter in Rio.“

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