Sie sind hier:

Wird "Blade Jumper" Markus Rehm der neue Star?

Sport - Wird "Blade Jumper" Markus Rehm der neue Star?

Nach Olympia ist vor den Paralympics: Heute Abend werden trotz finanziellem Engpass die Weltspiele eröffnet. Mehr als 4000 behinderte Athleten kämpfen in 22 Sportarten kämpfen um Medaillen.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 07.09.2017, 08:00

Oscar Pistorius war bei den vergangenen drei Paralympics der große Star. Weil der „Blade Runner“ jedoch wegen Mordes im Gefängnis sitzt, werden bei den Paralympics von Rio neue Stars gesucht. Ein heißer Anwärter dafür ist der deutsche Weitspringer und Fahnenträger Markus Rehm.

Während in Rio die Paralympics über die Bühne gehen, sitzt der große Star der Behindertensport-Szene in Pretoria im Knast. Oscar Pistorius, der mit sechs Gold-Medaillen  bei den letzten drei Paralympics und Silber in der 4x400-Meter-Staffel bei der Leichtathletik-WM 2011 der Nicht-Behinderten weltweit Schlagzeilen schrieb, wurde wegen Mordes an seiner Lebensgefährtin Reeva Steenkamp zu sechs Jahren Haft verurteilt. Der „Blade Runner“ ist tief gestürzt und in Rio wird in den nächsten Tagen die neue Vorzeigefigur gesucht.

Vorzeigefigur gesucht

„Oscar Pistorius ist kein Thema, das uns beschäftigt“, sagt Markus Rehm. Sollte es aber, denn der Weitspringer mit der Karbonprothese am rechten Unterschenkel ist ein großer Anwärter auf die Nachfolge von Pistorius. Welt-Nachrichtenagenturen und große Zeitungen berichten schon vor den eigentlichen Wettkämpfen ausführlich über den „Blade Jumper“ aus Deutschland. Ähnlich wie Pistorius machte er vor allem dadurch Schlagzeilen, dass er es als Behindertensportler mit den komplett gesunden Athleten aufnahm.

Oscar Pistorius
Oscar Pistorius, London 2012 Quelle: ap

2014 startete Rehm bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Ulm und triumphierte im Weitsprung. Seitdem ist aus dem netten Mann mit einem Handicap ein echter Konkurrent für die Topathleten geworden. Und es läuft die Diskussion, ob ihm seine Prothese nicht Vorteile gegenüber Nichtbehinderten verschafft. Eine wissenschaftliche Studie mit der Sporthochschule Köln, der Universität von Boulder in Colorado und dem Nationalinstitut für Technologie in Tokio sollte Klärung bringen. Das im Mai verkündete Ergebnis: Rehm hat keine eindeutigen Vorteile durch die Prothese, die ihn mit ihrer Federkraft Vorteile beim Absprung verschafft. Das wird durch Nachteile beim Anlauf und in Sachen Gleichgewicht jedoch wieder ausgeglichen.

Weltrekord oder ein bisschen weiter

Aus dem von Rehm geplanten Olympia-Start in Rio wurde trotzdem nichts. Die Lobby und die Angst der Nichtbehinderten vor einer Niederlage war einfach zu groß. Die Bestleistung von Rehm und gleichzeitig der Weltrekord für Weitspringer mit Handicap steht seit Oktober 2015 bei 8,40 Metern – damit hätte er sowohl in London 2012 als auch in Rio 2016 Olympiagold gewonnen. „Dieser Sprung hat eine Menge für mich geändert und vielen Menschen gezeigt, welch faszinierende Athleten wir Paralympics-Starter sind“, sagt Rehm, der es bei den Paralympics allen zeigen will: „Ich pushe mich bis zu meinen Limits, damit ich in Rio eine Leistung im Bereich meines Weltrekords schaffe oder sogar noch ein bisschen weiter springe.“

Damit könnte Markus Rehm tatsächlich zum großen Star der Paralympics von Rio aufsteigen. Es gibt aber noch andere Sportler aus dem deutschen Team, die einmalige Erfolgsgeschichten geschrieben haben. Martin Schulz hat im Paratriathlon bei Welt- und Europameisterschaften alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt – und könnte bei der erstmaligen Austragung des spektakulären Dreikampfs bei den Paralympics zum großen Helden werden.

Andrea Eskau in Aktion
Andrea Eskau Quelle: imago

Eskau, die Vielseitige

Andrea Eskau (45) glänzt durch ihre Vielseitigkeit – sie hat neben ihren drei Goldmedaillen bei den Sommer-Paralympics im Handbikefahren auch schon zweimal Gold im Rollstuhl bei den Winter-Paralympics im Biathlon und Skilanglauf gewonnen. Und dann ist da noch die Legende Marianne Buggenhagen: Sie hat seit 1992 neun Goldmedaillen im Kugelstoßen, Diskuswurf und Speerwerfen gewonnen und will in Rio ihren zehnten Paralympics-Titel holen. Im stolzen Alter von 63 Jahren!

Der erfolgreichste Sportler in der Geschichte der Paralympics ist übrigens Trischa Zorn. Die sehbehinderte Schwimmerin aus den USA hat unglaubliche 41 Goldmedaillen bei den Paralympics abgeräumt – weit mehr als die 23 von Olympia-Rekordhalter Michael Phelps. Der bekannteste Name in der Geschichte des Behindertensports bleibt trotzdem Oscar Pistorius.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet