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Zahra Nemati - die Doppelstarterin will Gold

Sport - Zahra Nemati - die Doppelstarterin will Gold

Jonas Reckermann und Julius Brink treffen Markus Rehm. Die beiden Beachvolleyballer begleiten den Leichtathleten zum Training, zur Arbeitsstelle und zu seinem Hobby, dem Wakeboarden.

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 04.09.2017, 17:10

Zahra Nemati schrieb bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele von Rio Geschichte, als sie als behinderte Frau im Rollstuhl ihr Heimatland Iran als Fahnenträgerin ins Maracana-Stadion führte. Bei den Paralympics (7. bis 18. September) will sie erneut Gold gewinnen.

Bogenschützin Zahra Nemati trägt die iranische Fahne
Großer Moment für Zahra Nemati Quelle: dpa

Natürlich denkt Zahra Nemati auch in diesen Tagen oft an den größten Moment ihres (sportlichen) Lebens, der die Frau im Rollstuhl weltweit berühmt gemacht hat. "Natürlich ist jeder Athlet stolz, der Fahnenträger bei der Olympia-Eröffnungsfeier sein darf. Aber wenn man als behinderte Frau Fahnenträgerin des Iran sein darf, ist man natürlich besonders stolz“, erzählt die 31-Jährige in einem Interview. An jenem 5. August 2016 hat die Fahnenträgerin im Maracana-Stadion von Rio Millionen von muslimischen Frauen und behinderten Geschlechtsgenossinnen Mut gemacht.

Sportlich lief es für die behinderte Bogenschützin bei den Olympischen Spielen nicht so gut - sie scheiterte bereits in der ersten Runde des Einzelwettbewerbs. Das soll sich jedoch bei den anstehenden Paralympics ändern, wo sie ebenfalls starten wird. “Olympia und die Paralympics sind komplett unterschiedlich. Ich habe das erste Mal die Olympischen Spiele erlebt und der Wettbewerb mit nichtbehinderten Athleten ist eine echte Herausforderung. Vielleicht konnte ich meine Emotionen und Gefühle nicht so kontrollieren und deshalb nicht meine beste Leistung zeigen. Ich hoffe, dass ich bei den Paralympics Gold gewinnen kann.“

Eigener Dokumentarfilm

Das ist ihr vor vier Jahren bei den Paralympics in London schon einmal gelungen. Damit war sie die erste Frau, die für ihr Land eine Goldmedaille bei den Olympischen oder Paralympischen Spielen gewann. Getoppt wird das alles allerdings von ihrem historischen Doppelstart in diesem Jahr in Rio und dem Auftritt bei der Olympia-Eröffnungsfeier. Die Geschichte von Zahra Nemati hat weltweit für so viele Schlagzeilen gesorgt, dass sogar ein Dokumentarfilm über ihren Auftritt in Rio gedreht wird.

Der Unterschied zu einem Paralympics-Start sei der große Stress bei den Olympischen Spielen, auf die Milliarden Menschen aus aller Welt noch mehr schauen. Nemati hofft, dass sie ihnen eine Botschaft gesendet hat: "Ich hoffe, dass mein Olympiastart Motivation für Menschen mit Behinderung ist. Mein Ziel ist, ihnen zu zeigen, dass es nicht vorbei ist. Eine Behinderung darf dich nicht zerstören. Sport ist der beste Weg, um die Behinderung zu besiegen.“

Botschafterin und Vorbild

Zahra Nemati ist ein Beispiel, wie man sein Schicksal meistern kann. 2003 wurde die 18-Jährige bei einem Erdbeben verletzt, bei dem 26.000 Menschen starben. Ein Jahr später folgte ein schwerer Autounfall, bei dem sie eine Rückenmarksverletzung erlitt. Bis dahin war Nemati Mitglied im Taekwondo-Nationalteam ihres Heimatlandes gewesen, trug einen schwarzen Gürtel und war in dieser Sportart auf dem besten Weg zu den Olympischen Spielen. Weil sie auch als Behinderte weiter "irgendeinen Sport“ machen wollte, kam sie zum Bogenschießen. “Als ich mich in einem Rollstuhl wiederfand, wusste ich, dass sich mein Leben völlig geändert hat. Ich wollte meiner Mutter zeigen, dass ich noch am Leben bin. Ich wollte allen zeigen, dass meine Behinderung mich nicht stoppen kann.“

Sie will ein Vorbild für alle behinderten Frauen sein: "Außerdem hat sich nach meinen Medaillen auch im Iran der Blick auf Frauen geändert, die Sport treiben.“ Keine Frage: Die Frau mit dem Kopftuch macht auch muslimischen Frauen weltweit Hoffnung. Im Iran dürfen Frauen normalerweise nicht einmal als Zuschauer Sportveranstaltungen besuchen. Zahra Nemati wurde von den Vereinten Nationen zur Botschafterin ernannt - weil sie Frauen durch Sport inspiriert.

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