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Anna Schaffelhuber: Fünf Mal Favoritin

Paralympische Winterspiele in Pyeongchang

Am Montag landet das zweite "Team D" in Südkorea. Angeführt von Monoskifahrerin Anna Schaffelhuber starten 20 deutsche Behindertensportler bei den Winter-Paralympics vom 9. bis 18. März in Pyeongchang.

Anna Schaffelhuber
Anna Schaffelhuber
Quelle: dpa

Die deutsche Mannschaft, die bei den am Freitag beginnenden Paralympischen Winterspielen antreten wird, ist gespickt mit Medaillenkandidaten. Da ist etwa Andrea Eskau, die schon im Sommer paralympisches Gold im Straßenradsport und im Winter im Langlauf und im Biathlon gewonnen hat. Oder die seebehinderte Biathletin Clara Klug, mit drei WM-Medaillen Newcomerin des vergangenen Jahres. Oder Biathlet Martin Fleig, Doppelweltmeister 2017, oder Andrea Rothfuss, die seit 2006 bei paralympischen Winterspielen beständig Medaillen einsammelt.

Alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt

Den Druck haben die anderen. Ich habe die Goldmedaille in jeder Disziplin gewonnen, die nimmt mir keiner mehr.
Anna Schaffelhuber

Auf niemandem lastet aber ein so hoher Erwartungsdruck wie auf Anna Schaffelhuber vom TSV Bayerbach. Die 25 Jahre alte Monoskifahrerin hat vor vier Jahren in Sotschi bei fünf Starts fünf Siege gefeiert. Und das war kein goldener Ausrutscher. Die von Geburt an querschnittsgelähmte Athletin dominiert ihre Klasse seit Jahren. In ihrer Erfolgsbilanz stehen zudem neun WM-Titel und sechs Weltcup-Gesamtsiege.

Die Lehramtsstudentin hätte sich längst ganz gelassen zur Ruhe setzen können. Sie hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Und da sind durchaus Dinge, auf die sie verzichten könnte. Die in Pyeongchang für die Alpinen langen Anfahrten vom Olympischen Dorf zur Wettkampfstrecke etwa. "Wir fahren jeden Tag eine bis anderthalb Stunden, über zwei Wochen schlaucht das schon", sagt sie. "Aber die Situation wird natürlich jeder vor Ort haben." Und auch die Sache mit dem Ruhm ist ihr nicht nur eine Freude. "Ich hätte nicht erwartet, dass ich nach Sotschi so lange im Fokus bleibe", erklärt Schaffelhuber. Die Aufmerksamkeit sei schön und wichtig für den Sport. "Doch es ist schwierig, allem gerecht zu werden. Die Belastung war groß."

Gut gelaunt nach Südkorea

Aber einfach aufhören, das konnte sie nicht. Das Kribbeln, die große Begeisterung für ihren Sport, beides ist noch da. Und dazu das Gefühl, dass da noch mehr in ihr steckt. "Ich war für mich noch nicht am Limit", erklärt Schaffelhuber.

Und so trat sie die Reise nach Südkorea am Sonntag gut gelaunt an. Am Samstag postete sie auf ihrer Facebook-Seite noch ein lustiges Foto von sich auf der heimischen Terrasse. Sie hat darauf einen Besen unter ihrem Rollstuhl durchgeschoben, wie die Kleine Hexe auf dem Weg zur Walpurgisnacht. Anstatt auf dem Blocksberg, will Schaffelhuber ihr großes Fest allerdings auf dem Berg Gariwang feiern, wo sich das Jeongseon Alpine Center mit den paralympischen Wettkampfstrecken befindet. Kurz vordem Abflug am Sonntagabend dann ein weiteres Bild für ihre Fans: Schaffelhuber am Frankfurter Flughafen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. "Ihr ganzes Land drückt Ihnen die Daumen", hatte das Staatsoberhaupt bei der Verabschiedung des Teams gesagt.

20 deutsche Sportler am Start

In Pyeongchang werden 80 Wettbewerbe in sechs Sportarten ausgetragen, 670 Sportler aus 45 Nationen werden erwartet. Vor vier Jahren hatte Deutschland 15 Medaillen (neun Mal Gold) gewonnen und war hinter Russland (80) Zweiter der Medaillenwertung geworden. Damals waren 13 deutsche Sportler am Start, diesmal sind es 20 und vier Begleitläufer. In der Russland-Frage hat sich das Internationale Paralympische Komitee (IPC) die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) für die gerade zu Ende gegangenen Olympischen Winterspiele zum Vorbild genommen: Das Russische Paralympische Komitee bleibt wegen des erwiesenen Staatsdopings gesperrt, aber 30 "nachweislich saubere Athleten" aus Russland dürfen unter neutraler Flagge antreten.

Anna Schaffelhuber hält die enormen Erwartungen so weit wie möglich von sich fern. "Den Druck haben die anderen. Ich habe die Goldmedaille in jeder Disziplin gewonnen, die nimmt mir keiner mehr", sagt sie. Wie sie dann vor Ort aber tatsächlich mit der Favoritenbürde umgehen werde, das "wird selbst für mich spannend". Ihr Motto: "Ich will fünfmal alles probieren, um nach ganz vorn zu kommen. Ich glaube, dass ich das schaffen kann. Aber jeder einzelne Tag wird ein eigener Kampf sein."

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