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Drei heiße Eisen in der Hitze von Doha

Sport - Drei heiße Eisen in der Hitze von Doha

Die Chance auf den ersten deutschen WM-Titel seit Rudi Altig im Straßenradrennen ist so groß wie lange nicht. In Katar treten gleich mehrere deutsche Profis an, die für den Titel in Frage kommen.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 14.10.2017, 14:48

50 Jahre ist es her, dass Rudi Altig auf dem Nürburgring zum letzten deutschen Straßen-Weltmeister wurde. Am Sonntag wollen gleich drei deutsche Radprofis in der Hitze von Doha seine Nachfolge antreten. Die Frage ist: Stehen sie sich gegenseitig im Weg?

Es ist ein trauriges Bild, das sich auf "The Pearl" am Rande Dohas bietet. Weiße Absperrgitter ziehen sich auf einer 15,2 Kilometer langen Schleife über die künstlich angelegte Insel. Normalerweise sollten außerhalb von ihnen Zuschauermassen stehen und jubeln, denn zwischen den Gittern werden die Rad-Weltmeisterschaften ausgetragen. Doch am Straßenrand herrscht gähnende Leere. "Für mich ist es nicht WM-würdig, was hier passiert. Das Publikum macht eine WM aus, aber die Atmosphäre ist nicht da", spricht André Greipel aus, was alle denken.

Nur 73 Zuschauer konnte man bei der Siegerehrung von Tony Martin als Weltmeister im Einzelzeitfahren am Mittwoch zählen. An der Bedeutung des Sieges änderte das dort aber genauso wenig, wie es das am Sonntag tun wird. Dann nämlich geht es im Straßenrennen der Männer um das berühmte Regenbogentrikot. Und Deutschland will zum ersten Mal seit Rudi Altigs Titelgewinn vor 50 Jahren auf dem Nürburgring den Profi-Weltmeister stellen.

Wer ist hier der Boss?

Mit Greipel, Marcel Kittel und John Degenkolb hat man gleich drei heiße Eisen im Feuer. Sie alle könnten das Rennen auf flacher Strecke je nach Verlauf im Sprint gewinnen. Doch das ist auch eine Schwierigkeit: Wie einig werden sich die Protagonisten sein, wenn sie im Finale alle noch Siegchancen haben? Für wen wird dann gefahren? "Kommunikation wird sehr wichtig", weiß Greipel und Kittel ergänzt: "Ich gebe zu: Es wird nicht einfach. Es geht um Ehrlichkeit, zu sagen wie man sich fühlt."

Zwar erklärte der Bund Deutscher Radfahrer Greipel im September zum Kapitän und Kittel zum "Edeljoker", doch die Fahrer sehen die Rollenverteilung deutlich offener. "Für mich ist die Nominierung nichts Endgültiges", sagt Kittel. "Niemand weiß, was in diesem Rennen passiert. Deshalb kann es immer Änderungen geben."

Nicht unbedingt ein reines Sprinter-Rennen

Genau deshalb haben die Nationaltrainer Jan Schaffrath und Andreas Klier alle drei mitgenommen, anstatt das gesamte Team, das auf Grund der schlechten Weltranglistenposition Deutschlands auf sechs anstatt neun Mann reduziert ist, mit fünf reinen Helfern auf einen der drei Top-Sprinter auszurichten.

"Diese WM ist kompliziert, weil es im Prinzip zwei Rennen sind", weiß Schaffrath. Der völlig flache, 257,3 Kilometer lange WM-Kurs führt zunächst auf einer 130-Kilometer-Schleife durch die Wüste. Dort könnte das Peloton auf Grund von starken Seitenwinden in seine Einzelteile zerfallen. Aufmerksamkeit ist wichtig, um noch in der ersten Gruppe zu sein, wenn es auf die letzten sieben 15-Kilometer-Runden auf der Pearl geht. Wer da abgehängt ist, hat keine Chance mehr. "Deshalb wäre es fahrlässig gewesen, nicht aus dem Vollen zu schöpfen", meint Schaffrath.

Wer kommt am besten mit der Hitze klar?

Die zweite Unbekannte neben dem Wind ist die Hitze. 35 Grad werden am Sonntag erwartet - bei sechs Stunden Renndauer ist das grenzwertig. "Ich habe schon im lockeren Training gestern in fünf Stunden elf Liter getrunken", erzählt Greipel. Wer sich nicht ausreichend versorgt oder früh Kräfte vergeudet, wird das teuer bezahlen. Auch deshalb ist die Mehrfachspitze von Vorteil: Wenn einer Probleme bekommt, sind noch zwei andere schnelle Männer für den zu erwartenden Endspurt da - sei es aus einer 20-köpfigen Gruppe oder einem 150-köpfigen Hauptfeld.

Gut vorbereitet sind die sechs Deutschen jedenfalls. Sie alle reisten spätestens zehn Tage vor dem Rennen an, konnten sich akklimatisieren. "Man braucht sieben bis acht Tage, um sich anzupassen", so Kittel. Das ist ein Vorteil gegenüber Titelverteidiger Peter Sagan. Der slowakische Neuzugang des deutschen Profi-Teams Bora-hansgrohe ist zwar großer Top-Favorit, kam aber erst am Mittwoch nach Katar.

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