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Große Besorgnis bei Schalker Fan-Initiative

Rassismuss-Vorfälle im DFB-Pokal

An der Arena des FC Schalke wird heute ein neuer Weg eingeweiht. Er trägt den Namen des früheren jüdischen S04-Spielers Ernst Alexander, den die Nazis in Auschwitz ermordeten. Ein wichtiges Zeichen, gerade jetzt nach dem jüngsten Rassismus-Vorwurf auf Schalke.

Herthas Spieler Jordan Torunarigha (r.) und Dedryck Boyata vor dem Schalker Fanblock
Herthas Spieler Jordan Torunarigha (r.) und Dedryck Boyata vor dem Schalker Fanblock.
Quelle: epa

Die feierliche Zeremonie am Vereinsgelände findet zwei Tage nach einem Ereignis statt, das den Verein in seinen Grundfesten erschüttert hat. Der Jubel um den 3:2-Sieg im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen Hertha BSC war noch nicht verhallt, da machten Gerüchte um einen rassistischen Vorfall die Runde.

Berlins Verteidiger Jordan Torunarigha soll von Schalker Anhängern diskriminierend beleidigt worden sein, laut Hertha-Kapitän Niklas Stark sollen dabei Affenlaute aus dem Block zu hören gewesen sein. "Es war ja kaum zu übersehen, dass Jordan während und nach dem Spiel getroffen war", schilderte Stark nach der Partie. "Da müssen wir als Mannschaft, als Verein, eigentlich die ganze Bundesliga hinter ihm stehen", betonte der deutsche Nationalspieler und mahnte: "Man muss sich ganz klar davon distanzieren, das ist menschlich ganz abstoßend."

Schalkes Kampf gegen Rassismus

Ausgerechnet Schalke, möchte man einwerfen. Der Ruhrpott-Klub gilt seit Jahrzehnten als Vorbild im Kampf gegen Rassismus. In den frühen 90ern nahmen die Gelsenkirchener auf Bestreben der Schalker Fan-Initiative als erster Bundesligist einen Paragraphen in seine Satzung auf, nach dem diskriminierendes Verhalten hart sanktioniert werden soll. S04-Mitglieder, die im Stadion in derlei Hinsicht verhaltensauffällig würden, drohe der Vereinsausschluss. In der Arena wurden kürzlich erst Anlaufstellen eingerichtet, wo Fans diskriminierende Auswüchse anzeigen können.

Und nun der Fall Torunarigha. Sven Schneider ist entsetzt: "Das ist eine Geschichte, die wir in unserer Arena seit ganz langer Zeit nicht hatten." Der erste Vorsitzende des Schalker Fan-Initiative e. V. hätte es wohl kaum für möglich gehalten, dass nach dem Einzug ins Viertelfinale nicht etwa über verfrühte Reisepläne zum Finale nach Berlin geredet wurde, sondern über Fans der Königsblauen, die einen schwarzen Spieler beschimpfen.

Stolz auf Schalker Fanszene ohne rechte Hetzer

"Wir haben keine rassistischen Beleidigungen oder Affenlaute aus dem Fanblock gehört, aber natürlich muss man die Vorwürfe der Berliner Spieler ernst nehmen", macht Sven Schneider klar und fügt an: "Wir sind froh, dass sich Schalke schnell zu den Vorwürfen geäußert und klar gegen jegliche Form von Rassismus positioniert hat." Sowohl Trainer David Wagner als auch S04-Vorstand Jochen Schneider hatten sich im Anschluss an die Partie im Namen des Vereins öffentlich bei Torunarigha entschuldigt.

Wie im Grunde jeder andere Verein, hat Schalke eine lange Tradition schwarzer Spieler in seiner Mannschaft. Ob Emile Mpenza, S04-Idol Gerald Asamoah oder heute Salif Sané und Rabbi Matondo: Die Hautfarbe eines Spielers spielte auf Schalke eigentlich keine Rolle. Fan-Sprecher Schneider: "Wir konnten stolz darauf sein, dass wir, im Gegensatz zu anderen Vereinen, in unserer Fanszene keine organisierte rechte Szene haben. Allerdings hast du bei 60.000 Menschen im Stadion immer einzelne Idioten, die es leider nicht lernen und meinen, so etwas dürfe man ja mal sagen."

Fan-Sprecher: Kein Schalke-typisches Phänomen

Das sei kein Schalke-typisches Phänomen oder eines, das man vor allem im Fußball vorfinde, sondern ein gesellschaftliches Problem, so Sven Schneider. Nach dem jüngsten mutmaßlichen rassistischen Vorfall werde sich zeigen, welche Wirkung Schalker Initiativen wie #stehtauf tatsächlich haben - ob es nur schöne Imagekampagnen seien oder eine echte Haltung gegen Rassismus und Diskriminierungen jeglicher Form dahinter stecke.

"Bisher war es so, dass fast jeder, der sich fremdenfeindlich im Stadion geäußert hat, von anderen Fans direkt zurechtgewiesen wurde. Daher kann man aus Schalker Sicht nur hoffen, dass die Vorfälle im Spiel gegen Hertha, sofern sie sich wirklich bestätigen, hart sanktioniert werden und sich nie wiederholen werden", mahnt Sven Schneider. Nicht erst die Afrika-Kommentare von Clemens Tönnies vor einigen Monaten haben gezeigt, "dass wir Fans auf Schalke im Kampf gegen Rassismus in seiner Konsequenz nie nachlassen dürfen".

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