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Wende für Hülkenberg und Renault?

Formel 1 | Großer Preis von Frankreich

Heimspiel für Renault beim Frankreich-GP in Le Castellet – aber auch ein Sprung in bessere Zeiten? Ein „fast neues“ Auto soll einen wichtigen Schritt nach vorne bringen.

Formel1 - Hülkenberg
Formel1 - Hülkenberg
Quelle: dpa

Im Fahrerlager grüßt man mit einem neuen, ziemlich bombastischen Hospitality-Palast, ein paar Feierlichkeiten zum 40. Jubiläum des ersten Renault-Siegs in der Formel 1 durch Jean-Pierre Jabouille in Dijon 1979 sind auch geplant: Aber vor allem will das Renault-Team bei seinem Heimspiel beim Frankreich-GP mit einem stark überarbeiteten Auto die endgültige Wende zum Besseren schaffen.

Fernziel WM-Titel noch weit weg

Zuletzt in Kanada gelang der Truppe ja schon einmal ein erster Schritt: Beide Autos in den Punkten, Daniel Ricciardo als Sechster, Nico Hülkenberg als Siebter, 14 Punkte auf einen Streich, ein Sprung von Platz acht auf Rang fünf in der WM-Tabelle, McLaren nur noch zwei Punkte davor. „Da haben wir endlich das abgeliefert, was wir uns vor der Saison vorgenommen hatten“, meinte Teamchef Cyril Abiteboul. Und Hülkenberg, der in der Endphase deutlich schneller war, sich aber per Teambefehl brav hinter Ricciardo anstellen musste, zeigt nach erstem Ärger sogar etwas Verständnis für die Entscheidung: „Wir haben in diesem Jahr so viele Punkte verschenkt, dass wir diesmal auf Nummer sicher gehen mussten. Wir haben dieses Ergebnis dringend gebraucht.“

Die Zielvorgabe vor dem Saisonstart war für das französische Werksteam klar: Platz vier in der WM – und deutlich näher an die großen Drei - Mercedes, Ferrari und Red Bull - heranrücken. So, dass das Fernziel 2020 um Siege und spätestens ab 2021 um den WM-Titel mitfahren zu können, erreichbar bleibt. Doch zunächst brachten Ausfälle durch Motorprobleme immer wieder Rückschläge. Die Folge: Über mehrere Rennen konnte die über den Winter eigentlich gefundene Mehrleistung von über 50 PS nicht wirklich genutzt werden.

Problemzonen Teamstruktur und Finanzen

Bitte den Ball flach halten. Es ist Teil zwei unseres Wiederbelebungsplans.
Cyril Abiteboul

Seit Monaco scheint dafür aber die Lösung gefunden – jetzt in Frankreich soll auch das Auto besser werden: Frontflügel, Nase, Leitbleche und Unterboden sind neu. Ein kompakteres Kühlsystem erlaubt eine enger anliegende Motorverkleidung und ein schlankeres Heck. Es könnte eine halbe Sekunde wert sein, wenn es so funktioniert wie der Windkanal verspricht. Unter der Hand wird von einer B-Version des R.S.19 gesprochen, auch wenn Abiteboul dieses Wort nicht gerne hört. „Bitte den Ball flach halten. Es ist Teil zwei unseres Wiederbelebungsplans.“ Hülkenberg hofft, dass sich Renault mit dem Upgrade vom Mittelfeld lösen und ein bisschen am Vorsprung der drei Topteams knabbern kann, der ja immer noch im Schnitt bei eineinhalb Sekunden pro Runde liegt.

Dass es allerdings mehr als schwierig werden wird, wirklich an die ganz Großen heranzukommen, ist auch ihm klar. Das liegt seiner Meinung nach erstens daran, dass das Team in manchen Bereichen immer noch im Aufbau begriffen sei – wobei da im Moment starke strukturelle Veränderungen liefen, wie auch sein Chef Abiteboul nicht müde wird zu betonen. Man habe in den letzten Jahren von 450 auf 750 Mitarbeiter aufgestockt – jetzt müsse auch die interne Organisation dementsprechend mitwachsen. Und zweitens liege es natürlich auch an den finanziellen Mitteln. Das Budget von Renault dürfte mindestens 30 bis 40 Prozent unter dem der Top-Teams liegen, auf keinen Fall an die 200 Millionen Euro herankommen. Die Spitze gibt deutlich über 300 aus.

FIA muss die Kosten stärker deckeln

Wenn wir die von uns ins Auge gefassten Resultate abliefern, dann lohnt sich das Unternehmen Formel 1 für Renault.
Cyril Abiteboul

Doch auch für dieses Geld will die neue Konzernspitze in Paris Ergebnisse sehen. „Aber das war unter Carlos Ghosn nicht anders“, so Abiteboul. „Wenn wir die von uns ins Auge gefassten Resultate abliefern, dann lohnt sich das Unternehmen Formel 1 für Renault. Würden wir so viel wie Mercedes investieren, stimmt die Rechnung für uns nicht mehr.“

Deshalb erwartet der Renault-Teamchef von der FIA und von Liberty eigentlich eine noch deutlichere als die bisher geplante Kostendämpfung für das neue Reglement ab 2021. „Denn der angedachte Kostendeckel von 175 Millionen Dollar mit den extrem vielen Ausnahmen heißt in der Praxis, dass man ganz schnell locker wieder über 250 Millionen ist“ , so Abiteboul. Und die Großen wären eben immer noch deutlich im Vorteil – mit weiter geringen Erfolgsaussichten für ein Team wie Renault. Wie lange die Konzern-Führung die Formel-1-Investitionen dann noch als „lohnend“ ansehen würde, ist die Frage.

Die Saison im Überblick

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