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Derby-Ansetzung verärgert Ruhrpott-Amateure

Fußball-Bundesliga: Schalke gegen Dortmund

Freitagabend, Samstag, 15.30 Uhr, und Samstag, 18.30 Uhr: Was sich wie die Ansetzungen des kommenden Bundesliga-Spieltags anhört, sind die Ausweichtermine der Amateurmannschaften. Sie "flüchten" vor dem Revierderby zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund am Sonntag (15.30 Uhr).

Trainerbank
Quelle: imago

Spieltag dauert fast eine Woche

"Unsere Amateure. Echte Profis": So lautet die Kampagne, mit der sich der DFB vor einigen Jahren an die Basis des Fußballs anzuschmeicheln versuchte. Tolle TV-Spots, starke Bilder, ein Denkmal für die Hartplatzhelden dieser Republik – wenn es nicht so peinlich wäre, was dann die Vertreter des Profifußball auf dem Rücken des Unterbaus beschließen würden: die weitere Zerstückelung der Bundesliga-Spieltage mit Spielen am Sonntagmittag, Montagabend und nun dem größten Derby des deutschen Fußballs zur klassischen Anstoßzeit der Amateure am Sonntagnachmittag.

Holger Siska
Quelle: U. Fox

Die DFL, gerne mit schönen Worten in Richtung der unteren Klassen am Werk, terminierte den Kracher, als der BVB noch in der Europa League am Ball war. An drei, vier verschiedene Anstoßzeiten haben sich die meisten Anhänger auch inzwischen gewöhnt. Doch während gegen ganz neue Gepflogenheiten wie ein Bundesligaspiel am Montagabend um 20.30 Uhr Fußballfans in ganz Deutschland Sturm laufen, sind am kommenden Wochenende nahezu alle Freunde des Amateurfußballs im Ruhrgebiet von der Ansetzung der "Mutter aller Derbys" betroffen. Der verzerrte Spieltag in den unteren Ligen hat mit ersten Vorverlegungen bereits am Mittwoch begonnen und geht bis nächsten Donnerstag.

Amateure sind schwer verärgert

"Die Ansetzung des Derbys ist ein Schlag ins Gesicht der Amateurfußballer", sagt Holger Siska deutlich. "Durch die neuen Fernsehverträge wird immer mehr Geld in den Profifußball gesteckt, doch die Basis hat gar nichts davon." Der Trainer des Gelsenkirchener Landesligisten SSV Buer, mit seiner Sportanlage Löchterheide keine fünf Kilometer von der Arena entfernt zu Hause, fühlt sich gleich doppelt benachteiligt.

Seine "Rothosen“ müsssen nämlich in diesen Tagen zweimal innerhalb von nur 44,5 Stunden ran: Am Donnerstagabend stand das Nachholspiel gegen den Tabellenführer BSV Schüren an, ehe es am Samstag um 15.30 Uhr gegen Mengede 08/20 weiter geht – beide Gegner kommen übrigens aus Dortmund. "Was bei den Profis nicht geht, nämlich am Donnerstagabend in der Europa League zu spielen und dann schon wieder am Samstag in der Bundesliga, ist bei uns natürlich kein Problem", höhnt Siska.

100 Partien von Verlegung betroffen

Okay, die SSV Buer hätte gegen Mengede auch ganz normal am Sonntag um 15 Uhr auflaufen können, doch dann vielleicht mit zehn gegen zehn Mann auf dem Platz und vor handgezählten Leuten draußen. Denn das Derby elektrisiert den gesamten Ruhrpott, Spieler wie Trainer und Funktionäre haben entweder Dauerkarten für Schalke beziehungsweise den BVB oder wollen das Match zumindest live am Fernseher verfolgen – von den Zuschauern ganz zu schweigen.

Daher sind allein im überkreislichen Fußball im Revier von Gelsenkirchen bis hinter Dortmund fast 100 Partien, die normalerweise am Sonntag um 15 Uhr, angepfiffen würden, verlegt worden. Die kleinen Klubs wissen, dass es unsinnig wäre, trotzig gegen das Duell der Giganten da nebenan in der Arena anzutreten. "Schalke und Dortmund geben sich ja gerne volksnah, aber ich habe von beiden Vereinen leider nichts davon gehört, dass sie dem Amateurfußball den Sonntagnachmittag nicht streitig machen wollen und für eine andere Umsetzung plädieren", bemerkt Siska.

"An Scheinheiligkeit nicht zu überbieten"

Von daher könnten sich der DFB tolle Imagekampagnen für den Amateursport und die DFL ähnlich gelagerte schnöde Lippenbekenntnisse gerne sparen. "Das ist an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten. Da sollen sie doch lieber gleich die Wahrheit sagen, damit könnte ich als Betroffener besser mit leben", betont Siska.

Klare Worte von der Basis. Dass die Amateure keine Profis sind, wissen sie längst.

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