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Sebastian Rudy - ein Teamplayer aus dem Lehrbuch

Fußball-WM - Qualifikation gegen Aserbaidschan

Er ist der wohl am meisten unterschätzte Nationalspieler: Sebastian Rudy hat mit dem Wechsel zum FC Bayern noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht. Vermutlich muss der 27-Jährige auch im letzten WM-Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan in Kaiserslautern (Sonntag 20:45 Uhr) das deutsche Spiel lenken.

Sebastian Rudy
Sebastian Rudy Quelle: imago

Das Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern ist ein besonderer Ort. Beinahe majestätisch thront die Spielstätte wie ein Wahrzeichen über der Stadt, die am Wochenende mal wieder einen Hauch vom großen Fußball atmet. Auch wenn die deutsche Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation die Pflicht bereits erfüllt hat: Der Hunger nach dem zehnten Sieg im zehnten Spiel zum Abschluss gegen den Außenseiter Aserbaidschan (Sonntag, 20:45 Uhr) ist groß.

Rudys besondere Erinnerungen

„Wir wackeln in diesen Spielen nicht, wir haben über Jahre eine unglaubliche Konstanz entwickelt – das spricht für unsere Mannschaft“, sagte Bundestrainer Joachim Löw am Samstag auf der Pressekonferenz in Mainz, wo er drei Personalveränderungen verriet: Bernd Leno im Tor, Emre Can im Mittelfeld und Leroy Sané auf der Außenbahn dürfen beginnen.

Viele Nationalspieler verknüpfen besondere Erinnerungen mit dem Spielort aus ihren aktiven Zeiten: Kevin Trapp ist erst beim 1. FC Kaiserslautern zum Profi gereift, Sandro Wagner oder Amin Younes haben zeitweise in der zweiten Liga für den FCK gespielt. Und dann gibt es noch die Episode mit Sebastian Rudy, der noch im Trikot der TSG Hoffenheim einst eines seiner aufregendsten Spiele auf dem Betzenberg machte.

Rückkehr als Nationalspieler

Die Pfälzer klopften im Mai 2013 letztmals an die Tür zur Bundesliga, als die Kraichgauer in der Relegation zum Rückspiel kamen. Mehr als 50.000 Menschen drängten sich im Stadion und peitschten ihre Mannschaft nach vorne. Rudy, inzwischen bekanntlich beim FC Bayern unter Vertrag, saß damals zunächst auf der Bank. Nach einer halben Stunde reagierte Trainer Markus Gisdol, nahm den überforderten Stefan Thesker heraus und brachte Allzweckwaffe Rudy. Der bedankte sich auf seine Weise: Im Anschluss an seinen Freistoß köpfte David Abraham kurz vor der Pause das 1:0, der Rest war nach dem 3:1-Sieg im Hinspiel Formsache.

Mehr als vier Jahre später kommt Rudy als gestandener Nationalspieler zurück. Zuletzt wurden auf ihn nach dem 3:1 in Belfast gegen Nordirland lauter Lobeshymnen gesungen. „Ganz toller Spieler, super Techniker, gutes Auge für seine Mitspieler“, sagte Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff und klang nicht einmal pflichtschuldig. Auch die Mitspieler schwärmten in den höchsten Tönen von einem Mittelfeldspieler, der in seinem 22. Länderspiel mit einem Traumtor aus 25 Metern die Weichen auf Sieg gestellt hatte.

Immer noch gerne unterschätzt

„Er spielt einen ganz sauberen Fußball“, erklärte Mats Hummels. Und sein ehemaliger Klubkollege Sandro Wagner ergänzte: „Er hat sich super entwickelt. Es war ein guter Schachzug der Bayern, so einen ablösefrei zu holen. Es tut uns sehr weh, dass er nicht mehr in Hoffenheim ist – auf seiner Position haben wir das Niveau nicht mehr so.“ Der Kunstschuss des geschätzten Kollegen hat ihn übrigens gar nicht überrascht: „Er hat im Training schon solche Dinger abgelassen.“


Es liegt vielleicht im Naturell und in der Spielweise der aktuellen Nummer 21 begründet, dass die Öffentlichkeit den vielseitigen Mittelfeldspieler, den Bundestrainer Joachim Löw phasenweise als rechten Verteidiger einsetzte und vor der EM 2016 sogar noch aus dem Kader strich, noch nicht so wahrgenommen hat. Rudy („Die Nicht-Nominierung in den EM-Kader war für mich kein Knackpunkt“) selbst hat kein Problem damit, unter dem Radar zu fliegen: „Ich werde lieber unterschätzt als überschätzt. Ich komme ganz gerne aus der zweiten Reihe.“

Rudy ist zum Lenker geworden

Bereits beim Confed Cup war der 27-Jährige gesetzt und kam in allen fünf Partien zum Einsatz. Zuletzt war er bei der 6:0-Gala gegen Norwegen als auch beim 3:1-Auswärtssieg in Nordirland einer der besten Deutschen. Als stiller Stratege, der mit seinem Ordnungssinn, seiner Weitsicht und seiner Passsicherheit das Spiel lenkt. Mit dem Wechsel zum FC Bayern scheint sich der gebürtige Schwabe einen großen Gefallen getan zu haben, weil er damit den nächsten Entwicklungsschritt eingeleitet hat.


Regelmäßige Champions-League-Einsätze können für den Prototyp Teamplayer nicht schaden, der sich als echte Alternative zu dem verletzungsanfälligen Sami Khedira an der Seite des nun wegen einer leichten Rippenverletzung bereits abgereisten Weltklassemannes Toni Kroos im zentralen Mittelfeld herauskristallisiert hat. Emre Can wäre neben dem gesetzten Taktgeber Kroos die körperlichere, Leon Goretzka die angriffslustigere Variante. Ilkay Gündogan oder Julian Weigl sind erst dann ein Thema, wenn sie über einen längeren Zeitraum im Verein einen Leistungsnachweis erbracht haben.

Robuster und widerstandsfähiger

Rudys Aufstieg ist auch deshalb bemerkenswert, weil er lange kein unumstrittener Stammspieler bei der TSG Hoffenheim war. Sein Talent war unbestritten, aber ein Hang zum Phlegma eben auch offensichtlich – und wo bitte blieb mitunter der Behauptungswille? Speziell unter Julian Nagelsmann machte der Allrounder in der vergangenen Saison einen großen Schritt nach vorne. Defensivverhalten und Balleroberung sind verbessert. Er ist robuster geworden und wirkt widerstandsfähiger. Ansonsten hätte er nach seinem Wechsel nach München nicht gesagt: „Ich will eine feste Größe bei den Bayern werden.“ Nicht ausgeschlossen, dass ihm dieses Prädikat sogar für die WM 2018 bei der Nationalmannschaft anhaftet.

Liveticker zum Spiel gegen Aserbaidschan

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