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Der russische Sport versinkt im Doping-Sumpf

Wenig Kooperation mit der internationalen Doping-Agentur

Nach monatelangen Querelen hat die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA vergangene Woche endlich Zugang zu den Datenbanken der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA erhalten. Doch der Hauptakteur in dem russischen Dopingskandal zeigt sich uneinsichtig: Die russische Politik.

RUSADA-Generaldirektor Juri Ganus.
RUSADA-Generaldirektor Juri Ganus.
Quelle: reuters

"Die RUSADA ist immer zu einer Kooperation bereit". Über diesen Satz, mit dem sich die russische Anti-Doping-Agentur auf ihrer Internetseite in übergroßen Lettern schmückt, dürften Ende Dezember viele Kritiker des russischen Sportsystems nur den Kopf geschüttelt haben. Spätestens bis zum 31. Dezember sollten Datenbanken des Moskauer Anti-Doping-Labors an die WADA übergeben werden, was jedoch schon Tage zuvor bereits zum zweiten Mal an der Willkür der russischen Behörden scheiterte. Diese bemängelten, dass die Ausrüstung des fünfköpfigen WADA-Expertenteams, das in die Datenbanken Einsicht bekommen und diese an die Welt-Anti-Doping-Agentur übermitteln sollte, nach russischem Recht hätte zertifiziert werden müssen.

Wir stehen am Rande des Abgrunds, und ich bitte Sie, die Gegenwart und Zukunft unseres fairen Sports, der gegenwärtigen und zukünftigen Generationen von Athleten zu schützen.
RUSADA-Generaldirektor Juri Ganus

Es war eine Aktion, die durchaus als ein Affront gegen die WADA verstanden werden kann. Denn die Einsicht in die Datensätze des russischen Anti-Doping-Agentur war eine der Voraussetzungen für die Wiederzulassung der russischen Anti-Doping-Angentur, die von der WADA am 20. September 2018 trotz aller Kritik beschlossen wurde. 2015 wurde die RUSADA wegen des systematischen Dopings im russischen Sport suspendiert.

WADA berät über die RUSADA

Doch eine erneute Suspendierung des Dopinglabors in Moskau scheint trotz aller aktuellen Hinhalte-Taktik seitens Russlands zumindest momentan vom Tisch zu sein. Am 9. Januar reiste erneut ein dreiköpfiges Team der WADA in die russische Hauptstadt und sicherte endlich die insgesamt rund 9.000 Doping-Daten von 4.500 russischen Sportlern, die aus den Jahren 2012 bis 2015 stammen. Erst auf Grundlage dieser Original-Daten können gegen russische Dopingsünder juristisch abgesicherte Verfahren eingeleitet werden. Bisher musste sich die WADA lediglich mit Kopien begnügen, die sie von einem Whistleblower zugespielt bekam.

Wie die WADA weiter wegen der RUSADA vorgehen wird, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Zuerst berät ab dem heutigen Montag bis zum morgigen Dienstag das Compliance Review Committeeder der WADA über das weitere Vorgehen. Am 22. Januar will dann das Executive Board der Welt-Anti-Doping-Agentur bei einer Telefonkonferenz die endgültige Entscheidung in der Causa treffen.

Kritiker fordern Konsequenzen der WADA

Ob mit in der nächsten Woche zu erwartenden Entscheidung auch die Kritiker zum Schweigen gebracht werden, welche seit September die Wiederzulassung der RUSADA durch die Welt-Anti-Dopingagentur bemängeln, ist jedoch unwahrscheinlich. "Aus unserer Sicht hat der russische Sport die Forderungen der WADA nicht erfüllt", ließ beispielsweise die deutsche Anti-Doping-Agentur bereits Anfang des Jahres verlauten. "Zum Schutz der sauberen Athletinnen und Athleten weltweit und für einen dopingfreien Sport ist diese klare Positionierung der WADA unerlässlich", hieß es in der Erklärung der NADA, die mit dieser Forderung nicht allein steht.

Denn Zweifel, ob der russische Sport tatsächlich aus der Suspendierung der RUSADA und dem Ausschluss russischer Athleten von internationalen Wettkämpfen Konsequenzen gezogen hat und nicht komplett sauber, aber zumindest sauberer geworden ist, sind mehr als angebracht. Was jedoch nicht unbedingt an dem russischen Sport selber, sondern vor allem an dem russischen Staat liegt. Dessen Einfluss auf den Sport ist trotz der erwiesenen Verwicklung staatlicher Behörden und wichtiger politischer Amtsträger in den Dopingskandal weiterhin groß.

Der Einfluss der Politik auf den Sport ist ungebrochen

Davon konnte sich spätestens Ende Dezember jeder Beobachter selbst überzeugen. In einer Videobotschaft, die auch noch auf der Internetseite der RUSADA veröffentlicht wurde, wandte sich der Generaldirektor der russischen Anti-Doping-Agentur an den russischen Staatspräsidenten Vladimir Putin. "Wir stehen am Rande des Abgrunds, und ich bitte Sie, die Gegenwart und Zukunft unseres fairen Sports, der gegenwärtigen und zukünftigen Generationen von Athleten zu schützen", appellierte der seit 2017 amtierende Juri Ganus und warnte vor einem erneuten Ausschluss der russischen Sportler von allen internationalen Wettkämpfen, falls die WADA keine Einsicht in die Datenbanken der RUSADA bekommen sollte.

Eine Erklärung, die im Kreml für keine großen Emotionen sorgte. "Der Direktor ist unglücklicherweise überhaupt nicht auf dem Laufenden über die aktuelle Zusammenarbeit zwischen den Repräsentanten Russlands und der WADA. Er kennt einfach nicht die Einzelheiten", erwiderte Kreml-Sprecher Dimitrij Peskow und machte damit deutlich, dass die Dopingbekämpfer im russischen Sport nur eine Statistenrolle innehaben. Dem Hauptakteur fehlt jedoch bis heute jegliche Einsicht und Selbstkritik. Russland weigert sich bis heute, selbst die vom IOC abgeschwächte Version des McLaren-Reports anzuerkennen, was eigentlich die zweite Voraussetzung für die Wiederanerkennung der RUSADA im September war. 

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