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Eine schwere Entscheidung

Russlands möglicher Olympia-Ausschluss

Das Internationale Olympische Komitee gibt am Dienstagabend bekannt, wie es Russland für den immensen Doping-Betrug bestrafen will. Egal wie IOC-Präsident Thomas Bach und seine Kollegen urteilen – Entrüstung wird es in jedem Fall geben.

Das russische Team bei der Eröffungsfeier der Olympischen Spiele in Sotschi
Das russische Team bei der Eröffungsfeier der Olympischen Spiele in Sotschi. Fahnenträger Alexander Subkow wurde bereits lebenslang für Olympia gesperrt. Quelle: AP

Im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele von Rio de Janeiro hat sich das IOC noch vor einem klaren Urteil gedrückt – die Entscheidung darüber, ob russische Athleten an den Spielen teilnehmen dürfen oder nicht wurde den einzelnen Fachverbänden überlassen. Zu einer Kollektivstrafe sahen der deutsche IOC-Präsident Thomas Bach und seine Kollegen keine Veranlassung, die Kontrolle und Sanktionierung von Dopingvergehen sei abseits Olympischer Spiele nun mal Sache der Verbände, hieß es. Einen Gesamtausschluss der russischen Mannschaft beschlossen daraufhin nur die Leichtathleten und die Gewichtheber.

Drei mögliche Strafen

Nun ist die Lage eine andere. Es geht um Dopingbetrug während Olympischer Spiele. Und das nicht in der üblichen Variante einzelner Athleten oder Trainingsgruppen, denen die Einnahme verbotener Substanzen nachgewiesen wurde. Es geht um den systematischen Betrug einer ganzen Nation, um eine gezielt vorbereitete und mit viel krimineller Energie organisierte Vertuschung möglicher positiver Proben der Gastgeber der Winterspiele 2014 in Sotschi. Dass dies das Werk einzelner schwarzer Schafe gewesen sein könnte, wie es die russischen Offiziellen bis heute behaupten, scheint abwegig. Aber das hat die so genannte Schmid-Kommission des IOC in den letzten Monaten genauer untersucht. 

Sie wird ihre Ergebnisse am Dienstag in Lausanne Thomas Bach und seinen 13 Kollegen im Exekutivboard des Ringe-Ordens vortragen. Gegen 19:30 Uhr will Bach dann vor die Weltpresse treten und verkünden, was das oberste Gremium des IOC in der Causa Russland beschlossen hat. Drei mögliche Strafen stehen zur Diskussion: Komplettausschluss von den Winterspielen 2018, Start unter neutraler Flagge oder eine sehr hohe Geldstrafe.

Entrüstung in jedem Fall

Egal wie Bach und seine Kollegen entscheiden, jede der drei Möglichkeiten wird bei dem Einen oder Anderen Entrüstung auslösen. Für einen Komplettausschluss spricht die Dimension des Betrugs. Russland hat derart offensiv und offenbar staatlich geplant und gelenkt gegen die olympische Idee verstoßen, dass die Maximalstrafe im Vergleich noch viel zu harmlos anmutet. Schon die Oswald-Kommission, die sich mit den einzelnen Athleten befasst und bislang 25 russische Sportler lebenslang für Olympia gesperrt hat, kam ja zu dem Schluss, dass es ein ausgewachsenes Doping-Komplott gab, an dem russische Behörden wie Sportministerium und Geheimdienst beteiligt waren.

 Andererseits muss man wohl davon ausgehen, dass eine Kollektivsperre für Pyeongchang auch saubere Athleten aus Russland treffen würde – was ebenfalls der olympischen Idee widerspräche. Ein Start unter neutraler Flagge scheint da noch die salomonischste der Strafen zu sein. Nicht nachweislich gedopte oder in das System einbezogene Athleten dürften starten – aber die Verantwortlichen müssten ohne die nationalistische Präsentation der russischen Farben auskommen. Und um eben diese in besonderem Glanz erstrahlen zu lassen, genau dafür war der groß angelegte Betrug ja wohl gedacht.

Chronologie des russischen Dopingskandals seit 2014

Schlimmer betrogen als andere Doper?

Auch eine hohe Geldstrafe ist natürlich möglich, mit dem Geld könnten dann soziale Projekte des IOC gefördert werden. Das wäre sicherlich die Sanktion, die Russland am besten gefiele. Die aber die bislang gesperrten russischen Athleten zu den Buhmännern des Betrugs machen würde. Die individuellen Strafen, die das IOC dieser Tage ausspricht, sind knallhart. Lebenslange Olympia-Verbannung – da wird so mancher Athletentraum zerstört und jahrelanges, hartes Training für umsonst erklärt. Aber haben diese Athleten, weil sie Teil eines staatlichen Doping-Vertuschungssystems waren, schlimmer betrogen als andere, die ganz allein verbotenen Substanzen zur Leistungssteigerung konsumieren und dafür, wenn sie erwischt werden, mit einer zweijährigen Wettkampfsperre belegt werden?

Vielleicht sind diese Einzelstrafen nur der Anfang eines harten Durchgreifens durch das IOC. Vielleicht sind sie aber auch eine vorgezogene Rechtfertigung für ein milderes Gesamturteil. Wobei auch diese Einzelstrafen natürlich vom Internationalen Sportgerichtshof CAS noch gekippt werden könnten. Die russischen Athleten haben ja angekündigt, dagegen vorzugehen. Die mögliche Rechtfertigung für ein weniger drakonisches Urteil gegen das System steht somit auf wackligen Füßen. Aber das IOC könnte sich am Ende immer noch darauf berufen, harte Strafen ja gewollt zu haben.

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