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Gut ist nicht gut genug

Saisonbilanz des FC Bayern

Beim FC Bayern stehen dem Rekordgewinn des fünften Meistertitels in Serie die Enttäuschungen in Champions League und Pokal gegenüber. Der Verein scheint nicht genau zu wissen, wie er die Saison einordnen soll. Die Sommertransfers dürften Aufschluss geben.

Thomas Müller (l) und Philipp Lahm (Mitte)
Thomas Müller (l) und Philipp Lahm (Mitte) Quelle: dpa

Am Samstag war alles so wie immer beim Bundesligafinale. Der FC Bayern erledigte seine sportlich bedeutungslose Pflicht gegen den SC Freiburg (4:1) und ließ sich von den Anhängern beklatschen für den Titelgewinn, der ohnehin vorzeitig festgestanden hatte - ebenfalls wie immer in den vergangenen Jahren.

Am Abend steht die Meisterparty auf dem Marienplatz im Münchner Stadtzentrum an. Kapitän Philipp Lahm wird zu seinem Karriereabschluss den Fans vom Rathausbalkon aus ein letztes Mal die Schale präsentieren. Zum fünften Mal hintereinander, ein weiterer Rekord des deutschen Branchenführers, ebenso wie dessen insgesamt 27 Meistertitel.

Vordergründig vergnügt

Jubelnde Bayern also, die allerdings nur vordergründig vergnügt auf die erste Saison unter Trainer Carlo Ancelotti zurückblicken können. Der Dominanz in der Liga stehen die Enttäuschungen in der Champions League und im Pokal gegenüber. In Europa mussten die Münchner bereits nach dem Viertelfinale gegen Real Madrid Abschied nehmen vom erhofften Triple. In der Woche darauf war nach der Heimniederlage im Pokal-Halbfinale gegen Borussia Dortmund auch das fest angestrebte Double passé.

Das Single ist es also geworden, versehen mit dem Zusatz: nur. So klang das jedenfalls auch bei jenen Protagonisten der Bayern, deren Einordnungen sich mit denen des Großteils des Publikums deckten. „Die Saison war okay mit einem Titel. Aber dass wir uns mehr vorgenommen haben, ist auch klar“, sagte beispielsweise Weltmeister Lahm, nachdem der Meistertitel und das Single durch den 6:0-Sieg beim VfL Wolfsburg am 29. April feststand.

Ungewohnte Tiefstapelei

In der Vereinsführung allerdings gingen die offiziellen Meinungen auseinander, wie zu bewerten sei, nur die Ligapflicht erfüllt zu haben, was das Publikum wegen der wirtschaftlichen Vormachtstellung der Bayern als Normalität versteht. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge belehrte im Zuge der Meinungsverschiedenheiten sogar Uli Hoeneß. Der Präsident und Aufsichtsratsvorsitzende hatte vor dem Spiel in Wolfsburg gesagt: „Auf die Dauer ist ein Titel schon ein bisschen wenig für uns.“

Rummenigge widersprach Hoeneß danach im ZDF „ungerne, weil ich mit ihm befreundet bin und er ein extrem wichtiger und sehr erfahrene Mann bei Bayern München ist“, wie er sagte, „aber ich glaube, auch Uli Hoeneß hat Jahre erlebt, egal, ob als Manager, als Spieler oder in seiner Eigenschaft jetzt als Präsident, wo wir titellos waren. Deshalb sage ich: Wir müssen den Anspruch bei Bayern München auch nicht ins Unermessliche führen. Deutscher Meister ist ein toller Titel. In dieser Republik wären 17 andere Mannschaften extrem zufrieden. Bei Bayern München muss es dann auch der Anspruch sein, dass wir zufrieden sind und das nicht als Trostpreis abtun.“

Plastikbecher statt Champagnerglas

Nachdem Rummenigge schon während des Spiels in Wolfsburg ein Bier aus einem Plastikbecher geschlürft hatte, hinterließ er auch noch diesen Satz: „Wir sind total happy. Wir haben nicht diesen arroganten Anspruch, jedes Jahr das Triple zu gewinnen.“ Zuvor hatte Hoeneß auch gesagt, das Pokalaus gegen Dortmund „tut sehr weh, das ist schlimm“. Man müsse das akzeptieren, „aber uns schon auch zusammensetzen, wie wir es wieder besser machen können“.

Plastikbecher statt Champagnerglas – es war ein Bild mit Symbolcharakter, das die Saison des FC Bayern ganz gut einordnet. Ebenso bezeichnend fiel Rummenigges Wortwahl aus. Dass es der Anspruch sein müsse, mit dem Single statt mit dem erhofften Triple oder angestrebten Double zufrieden zu sein, erzählte viel über die wahren Begehrlichkeiten des FC Bayern. Und auch darüber, wie schwer es dem Serienmeister fällt, die Saison wirklich als Erfolg einzuordnen. Nach dem Aus gegen Dortmund hatte es in München noch geschneit. Drei Tage später, nach dem Gewinn des Meistertitels, beschien die Sonne wärmend das Klubgelände an der Säbener Straße. Irgendwo dazwischen liegt wohl auch die Wahrheit über die Saison des FC Bayern, die sich im launischen April entschieden hatte.

Ancelotti gelobt Besserung

Wie Lahm hat nun auch der spanische Welt- und Europameister Xabi Alonso seine Karriere beendet, womit der Umbruch in der Mannschaft begonnen hat. Die anstehenden Transfers dieses Sommers werden nicht nur zeigen, wie der FC Bayern diesen gestalten möchte. Spätestens am 1. September, wenn das Transferfenster zugeklappt worden ist, wird das wahre Empfinden und die daraus folgende Strategie der Münchner sichtbar sein. Der Anspruch ist ohnehin erkennbar: Gut ist nicht gut genug. „Wir werden es in der nächsten Saison besser machen“, versprach Ancelotti. Er weiß, was von ihm und seiner Belegschaft erwartet wird. Auch im Verein.

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