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Schach-Computer fordert Schach-Genie

WM in London

Wunderkind, Genie, Geistesgröße - der Norweger Magnus Carlsen verteidigt bei der Schach-WM in London derzeit seinen Titel. Doch auch sein Gegner Fabiano Caruana ist in der Szene kein unbeschriebenes Blatt.

Schach-WM - Magnus Carlsen (Norwegen) - Fabiano Caruana (USA, aufgenommen am 08.11.2018 in London (Großbritannien)
Magnus Carlsen (Norwegen/li.) und Fabiano Caruana (USA)
Quelle: AP

Norwegen war auf der Landkarte des Schachsports ein absolutes Niemandsland, bis Magnus Carlsen kam - und seine Landsleute mit seiner Kunst auf den 64 Feldern verzauberte. Die Partien des Weltmeisters werden, wenn er seinen Titel gegen den amerikanischen Herausforderer Fabiano Caruana nach 2014 und 2016 zum dritten Mal verteidigt, zur besten Sendezeit live gezeigt, kommentiert und analysiert, wie man es in hiesigen Landen nur von Fußballübertragungen kennt.

Mit 19 Jahren zur Nummer eins


Der 27-jährige Norweger gehört zur seltenen Spezies der Wunderkinder. Im Alter von nur 13 Jahren wurde er Großmeister, damals als zweitjüngster Spieler in der Geschichte des Sports, und luchste dem bis dahin besten Spieler der Welt, Garri Kasparow, bei einem Blitzturnier sogar ein Remis ab. Kasparow sagte daraufhin dem jungen Burschen eine erfolgreiche Karriere voraus.

Er sollte recht behalten. Carlsen hat ihm inzwischen den Rang als bester Spieler der Schach-Geschichte abgelaufen. Im Alter von 19 Jahren wurde er die Nummer eins der Weltrangliste und hat diese Position seit Juli 2011 nicht mehr abgegeben. Im November 2013 kürte er sich im Alter von 22 Jahren zum Weltmeister, bevor er im Mai 2014 mit 2882 Elo-Punkten die höchste jemals gemessene Wertungszahl in der Geschichte des Denksports erreichte. Im selben, auch für seine Verhältnisse außergewöhnlichen, Jahr war er dreifacher Weltmeister.

Neben dem Titel im klassischen Schach gewann der Fußballfan auch die Titel im Schnell- und Blitzschach.Magnus Carlsen ist inzwischen eine Weltmarke mit einer eigenen Firma, die zahlreiche Lern-Apps ("Play Magnus") anbietet. Als Berühmtheit ist er ein häufiger Gast in Talkshows und bei Showveranstaltungen.

Auf den Spuren von Bobby Fischer

Sein Gegner, der US-Amerikaner Fabiano Caruana, spielt als erster US-Amerikaner seit dem legendären "Bobby" Fischer um den WM-Titel im Schach. Der 26-Jährige ist weniger schillernd als es sein berühmter Landsmann war - doch nicht weniger brillant. Sein Duell in London mit Titelverteidiger Magnus Carlsen ist ein Kampf der Systeme - wenn auch auf anderer Ebene. Denn der Norweger und Caruana sind zwei grundverschiedene Spielertypen. Während sich "König Magnus", der "Mozart des Schach" und große Superstar der Szene, vor allem auf seine überragenden Improvisationsfähigkeiten verlässt, ist der zurückhaltende Caruana eher ein kühler Analytiker.



Als "Computer" betitelte ihn Carlsen einmal, als seinen Kontrahenten mit nur einem Wort beschreiben sollte. Was sein Gegner damals durchaus ein wenig despektierlich meinte, ist bei genauerer Betrachtung Caruanas großer Trumpf. Kaum ein anderer Topspieler stellt während einer oft stundenlangen Partie derart exakte Chancen/Nutzen-Kalkulationen auf wie der 26-Jährige. Zwar bringt ihn diese Herangehensweise aufgrund längerer Bedenkzeiten regelmäßig in Zeitnot. Sie lässt ihn jedoch auch selten unvorbereitet in gegnerische Fallen tappen.

Früh gefördert

In diesem Jahr schaffte der schmächtige Amerikaner den endgültigen Durchbruch, gewann vier Turniere, darunter das hochkarätig besetzte Kandidatenturnier in Berlin, bei dem der WM-Herausforderer ermittelt wurde. In der Weltrangliste liegt Caruana inzwischen auf Rang zwei - ganz knapp hinter Carlsen.

Wie so viele Spitzenspieler galt der in Miami geborene Caruana einst ebenfalls als "Schach-Wunderkind". Seine Eltern, ein IT-Berater und eine Lehrerin, förderten früh sein Talent, nahmen ihn mit zwölf von der Schule und zogen mit ihm von New York nach Budapest und später nach Madrid, stets auf der Suche nach den besten Trainingsmöglichkeiten. Lange spielte Caruana für den italienischen Verband, ehe ihn der amerikanische Mäzen Rex Sinquefield zurück in sein Heimatland lockte. Dort soll Caruana nun seiner Sportart mit einem WM-Erfolg zu einem erneuten großen Aufschwung verhelfen. Ganz so wie es sein Gegenüber Carlsen in Norwegen geschafft hat. "Es war schon interessant zu sehen, wie sich das ganze Land in Schach verliebt hat, weil sie plötzlich einen Helden hatten", sagt Caruana. Einen Helden, wie einst auch "Bobby" Fischer einer war.

Mit Material von sid und dpa

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