Sie sind hier:

Feinstaub-Belastung und Sport passen nicht

Sportmediziner kritisiert Ausrichter der Australian Open

Sollte die Luftqualität in Melbourne so schlecht bleiben wie zuletzt, sei die Ausübung von Spitzensport für die Tennisprofis gesundheitsgefährdend und damit „unverantwortlich“, sagt der Kölner Sportmediziner Professor Hans-Georg Predel.

Die Slowenin Dalila Jakupovic leidet unter der schlechten Luft in Melbourne
Die Slowenin Dalila Jakupovic leidet unter der schlechten Luft in Melbourne
Quelle: ZDF

Es sind erschütternde Bilder und Nachrichten, die derzeit aus Australien um die Welt gehen. 28 Menschen haben bei den verheerenden Buschbränden bislang ihr Leben verloren, hunderte Millionen Tiere sind verendet. Menschen riskieren viel, um Koalas und Kängurus zu retten. Riesige Landstriche – zerstört und verkohlt. Tausende Feuerwehmänner – rund um die Uhr im Einsatz im Kampf gegen die Flammen. Die großen Städte des Landes – im Dunst der Rauchschwaden versunken.

Gnadenlose Organisatoren

Und doch halten in Melbourne die Organisatoren des ersten Tennis-Grand-Slams des Jahres an ihrem traditionellen Spektakel fest. Am Dienstag ist die Qualifikation der Australien Open gestartet, am Montag soll das eigentliche Turnier beginnen. Und auch die Veranstalter der Tour Down Under, des alljährlich ersten großen Straßenradsport-Events einer Saison, wollen die Fahrer am Dienstag in der Nähe von Adelaide wie geplant los schicken. Australien-Reisenden werden aktuell von vielen Veranstaltern kostenlose Stornierungen und Umbuchungen ermöglicht. Für Sportler ist das schwieriger. Sie könnten ihren Start absagen. Würden dann aber möglicherweise gegen Verträge mit Sponsoren verstoßen und auf finanzielle Einnahmen sowie wichtige Weltranglistenpunkte verzichten.

Weltweit schlechteste Luftqualität

„Bei den Bedingungen, wie sie am Dienstag herrschten, hätten die Organisatoren eine verantwortungsbewusste Entscheidung treffen und die Spiele absagen sollen“, sagt Professor Hans-Georg Predel, Leiter des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin an der Deutschen Sporthochschule Köln. Bei einer so extremen Feinstaubbelastung Spitzensport zu treiben, sei aus medizinischer Sicht unverantwortlich. In Melbourne war am Dienstag die weltweit schlechteste Luftqualität gemessen worden, und die Anwohner waren aufgefordert worden, drinnen zu bleiben.

Doch Tennis wurde nach einem verspäteten Beginn gespielt. Und mehrere Spielerinnen klagten über massive Beschwerden. Die Slowenin Dalila Jakupovic gab ihr Match gegen die Schweizerin Stephanie Vögele auf, sie litt unter starkem Husten und Atemnot. „Es war wirklich schlimm. So etwas habe ich noch nie erlebt, ich hatte wirklich Angst, dass ich kollabiere“, sagte sie später. Und auch die frühere Wimbledonfinalistin Eugenie Bouchard sprach nach ihrem Sieg von leichten Atemproblemen und Schwindel.

Abbruch nach zwei Stunden

Die Deutsche Laura Siegemund bestritt im Melbourner Stadtteil Kooyong ein Show-Match gegen die einstige Weltranglisten-Erste Maria Scharapowa aus Russland. Das wurde nach zwei Stunden abgebrochen, da sich beide Spielerinnen durch die dicke Luft beeinträchtigt fühlten. „Ich habe gemerkt, dass ein bisschen Husten hochkam am Ende des zweiten Satzes. Ich dachte, ich bin krank“, sagte Scharapowa. „Eine hohe Feinstaubbelastung und körperliche Aktivität, das passt nicht zusammen“, sagt Predel und verweist auf eine Veröffentlichung in der medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ im vergangenen Jahr: Es wurden drei Gruppen mit Probanden (gesunde, herzkranke, asthmakranke) zum Walken in den Hyde Park und in die Northern Oxford Street, eine der am stärksten von Feinstaub belasteten Straßen Londons, geschickt.

Asthmaanfall und Kreislaufkollaps drohen

Die medizinischen Checks ergaben, dass die Aktivität an der Straße im Vergleich zu dem Gang im Park bei den vorgeschädigten Probanden zu einer massiven und bei den gesunden Studienteilnehmern zu einer leichten Verschlechterung der Gesundheitswerte geführt hat. Hinzu kamen bei einigen Probanden Anzeichen im EKG, wie sie üblicherweise bei einer Durchblutungsstörung des Herzens auftreten. Tennis-Profis auf der Tour seien natürlich „junge, belastbare Menschen“, sagt Predel. Dennoch sollte ihnen keine hohe Belastung „teilweise über Stunden bei hoher Feinstaubbelastung und hohen Temperaturen“ zugemutet werden. Akut bestehe die Gefahr eines Asthmaanfalls oder Kreislaufkollaps. Und über die möglichen Spätfolgen könnten derzeit keine Aussagen getroffen werden – da fehlten die Erfahrungswerte.

Am Mittwoch wurde der Beginn der Spiele zunächst wieder verschoben. Am Nachmittag setzte dann der ersehnte Regen ein. Allerdings so heftig, dass wiederum Spiele abgebrochen werden mussten. Die Hoffnungen von Tennisprofis und Organisatoren ruhen nun auf diesem Regen, ebenso wie die von Feuerwehrleuten und Tieren. Er könnte die Buschbrände zähmen und die Luft reinigen. Allerdings könnte er auch für neues Unheil sorgen, denn bei starken Gewittern besteht vor allem in den abgebrannten Gebieten die Gefahr schwerer Erdrutsche.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.