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Die Besten zeigen London die kalte Schulter

Sport - Die Besten zeigen London die kalte Schulter

Brustschwimmer Marco Koch gewann bei der Deutschen Meisterschaft in Berlin über 200 Meter leicht und locker. Koch hat sich für Rio qualifiziert, ist aber noch nicht in Olympia-Form.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 09.05.2017, 08:54

Bei der EM in London nehmen am Montag (live bei ZDFinfo und ZDFsport.de ab 19 Uhr) die Beckenschwimmer ihre Wettkämpfe auf. Von den besten DSV-Kräften sind bei den kontinentalen Titelkämpfen nur Weltmeister Marco Koch und die Magdeburgerin Franziska Hentke am Start – aus gutem Grund.

Am vorletzten Wochenende war Marco Koch zur Abwechslung mal unzufrieden. Die rechte Schulter des Weltmeisters zwickte und zwackte, zwischendurch tat es dem 26-jährigen Brustschwimmer richtig weh. Zur nächsten Weltklassemarke (2:07,88 Minuten) auf seiner Spezialstrecke reichte es bei der Olympia-Qualifikation in Berlin trotzdem: Seitdem hält Koch über 200 Meter Brust weltweit die besten drei Zeiten des Jahres.

Olympischer Dreiklang

Doch der große Tüftler unter Deutschlands Wassermännern hat längst nicht genug. Bei der EM in London will Koch nun den olympischen Dreiklang proben. „Man hat nicht so oft Gelegenheit, einen Vorlauf, ein Halbfinale und ein Finale zu schwimmen – dort kann ich das machen“, begründet der wettkampflustige Darmstädter den Trip auf die britische Insel – und erklärt: „Das ist ein Testwettkampf, ganz einfach.“

So simpel wie jetzt lagen die Dinge 2012 nicht. Damals war die EM mit Ende Mai ähnlich ungünstig terminiert wie jetzt. Trotzdem trat der DSV – 2014 immerhin selbst Gastgeber der kontinentalen Titelkämpfe – mit seinem besten Pool-Personal in Debrecen an. Mit dabei unter anderem: Britta Steffen und Paul Biedermann, die in Ungarn mehrere Goldmedaillen einsackten. Ehe sie gut zwei Monate später bei der olympischen Nullnummer von London in die Röhre schauten.

Keine glückliche Entscheidung

„2012 haben wir bei der EM mitgemacht – und es war, glaube ich, keine glückliche Entscheidung“, urteilt Henning Lambertz im Gespräch mit zdfsport.de. Deshalb schickt der Chefbundestrainer nun vor allem Nachwuchskräfte oder Athleten aus der zweiten Reihe an die Themse. Und sagt über die negativen Erfahrungen von 2012 nonchalant: „Ob es daran lag, dass die Sportler in relativ kurzer Zeit nicht zwei Top-Events mental verpacken konnten, oder daran, dass sie sich zu lang auf die EM vorbereitet haben und ihnen diese Zeit am Ende fehlte, um bei den Spielen top zu sein – das ist Kaffeesatzleserei.“

Derartige Diskussionen kommen diesmal erst gar nicht auf. Auch nicht bei Alexandra Wenk. In Berlin stach die WM-Siebte von 2015 über 100 Meter Schmetterling zuletzt mit vier deutschen Rekorden hervor – und stieg direkt danach wieder in die Olympia-Vorbereitung ein. Der EM hingegen zeigt auch die 21-jährige Münchnerin die kalte Schulter. „Dort sind nicht die besten Leute dabei, da kann ich also noch eine Medaille holen – dieser Gedanke war für mich kein Anreiz“, erklärt Wenk.

Aus 17 mach‘ zwei

Das Motto gilt für das gesamte deutsche Team. Von den Arrivierten sind in London nur Marco Koch und Franziska Hentke dabei. Als Mitglieder des Eliteteams durften sie frei über ihre Teilnahme entscheiden. Alle anderen potenziellen Rio-Fahrer sind strikt angehalten, ihren Leistungsaufbau mit Blick auf Olympia weiter voranzutreiben. „Die EM spielt in diesem Jahr keine Rolle, das muss man so klar sagen“, betont Schwimmer-Chef Lambertz.

Denn der DSV hat aus der Vergangenheit gelernt. Statt der acht goldenen und insgesamt 17 EM-Medaillen von Debrecen wird er nun wohl mit zwei Stück Edelmetall für Koch und Hentke (200 Meter Schmetterling) vorlieb nehmen müssen. Ein großes Opfer stellt dieser Verzicht allerdings nicht dar.

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