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Koch testet für den olympischen Ernstfall

Sport - Koch testet für den olympischen Ernstfall

Das 2. Halbfinale über 200 m Rücken der Frauen mit der DSV-Nachwuchshoffnung Maxine Wolters.

Beitragslänge:
6 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 16.05.2017, 18:28

Auf dem Weg nach Rio de Janeiro nutzt Weltmeister Marco Koch die Schwimm-EM (Mi., 19 Uhr auf ZDFinfo und zdfsport.de) in London für die Feinjustierung. Dabei soll es im Olympia-Becken von 2012 besser laufen als noch vier Jahre zuvor.

Die Beckenwettbewerbe bei der Schwimm-EM sind bereits in vollem Gange, da ist Marco Koch erst auf dem Weg nach London. Der Weltmeister reiste lediglich für seine Starts über 200 Meter Brust am Mittwoch und Donnerstag aus Darmstadt in die britische Hauptstadt. Um seinen Titel zu verteidigen, vor allem aber, um den olympischen Ernstfall zu testen. „Es gibt ja sonst kaum Wettkämpfe, bei denen man wie bei Olympia Vorlauf, Halbfinale und Finale hat“, erklärt der 26-Jährige im Gespräch mit zdfsport.de. Bei den hochkarätig besetzten Titelkämpfen wird Koch zudem bereits auf einige Schwimmer treffen, die es auch beim Sportspektakel unter den fünf Ringen zu schlagen gilt. In Rio de Janeiro soll sich für Marco Koch der Kreis schließen.

Steigerung auf Ansage

Kochs schwimmerisches Talent, seine Art zu gleiten, ohne viel Kraft zu investieren, war

international spätestens aufgefallen, als der damals 19-Jährige 2009 überraschend einen Europarekord hinlegte. Doch an die Zeit danach hat Koch kaum gute Erinnerungen. Bei seiner ersten WM trat er 2009 als Weltranglisten-Zweiter an, schied aber bereits im Halbfinale aus. Als zwei Jahre darauf Schwimm-Deutschland Christian vom Lehn für dessen überraschendes WM-Bronze über Kochs Paradestrecke 200 Meter Brust zujubelte, hatte Koch wegen eines Bandscheibenvorfalls die Qualifikation verpasst. Und bei seinen ersten Spielen 2012 ging er trotz bester Empfehlungen unter.

Doch seither ging es nur noch voran. Schon bei der WM 2013 in Barcelona bewahrte Koch den strauchelnden Deutschen Schwimm-Verband (DSV) mit Silber vor einer medaillenlosen Blamage. Als er dann bei der Heim-EM 2014 in Berlin zum einzigen deutschen Einzel-Gold schwamm, war sich der DSV längst sicher, in ihm einen verlässlichen Medaillenkandidaten für jene Jahre zu haben, die ins Land ziehen werden, bis die nach den Spielen von London eingeleiteten Reformen die geplanten glänzenden Früchte tragen. Tatsächlich krönte sich Koch, der abseits der vom DSV für seine Elite präferierten Stützpunkte in Darmstadt seine Bahnen zieht, dann im vergangenen Jahr auch zum ersten Deutschen Schwimm-Weltmeister seit 2009.

Fastfood-Verzicht als größter Tribut

Marco Koch schwimmt auf einer Welle, die ihn als nächstes ins olympische Finale tragen soll, wo er der erste Schwimm-Olympiasieger seit Michael Groß 1988 werden könnte. Sein persönliches Ziel: Weltrekord über 200 Meter Brust. Dafür hat er die vergangenen vier Jahre hart gearbeitet. Sein größtes persönliches Opfer: Koch hat seine Ernährung auf die Formel „vegan mit Fleisch“ umgestellt, Fastfood und Süßes gönnt sich der bekennende Naschkater nur noch nach erfolgreich beendeten Saisonfinals.

In London will er nun noch ein letztes Mal testen, wie er zwischen Vorlauf, Halbfinale und Endläufen am besten regeneriert. „Ich habe zum Beispiel bisher keine Physio zwischen Vorlauf und Halbfinale gemacht“, erklärt der Tüftler. „Jetzt kann man nochmal experimentieren, ob es nicht doch sinnvoll ist, sich ein bisschen massieren zu lassen.“ Außerdem habe die Erfahrung aus London 2012 ihn gelehrt, dass er nicht zu früh vor seinem ersten Start anreisen sollte. „Ich habe damals nach und nach die Spannung verloren. Daher werden wir diesmal erst einen Tag vor der Eröffnungsfeier anreisen.“

Die Geister der Spiele von 2012

Dass er für diesen wichtigen Testlauf nach vier Jahren erstmals ins Aquatics Centre zurückkehrt und damit in jenes Becken, in dem er mit dem olympischen Halbfinal-Aus seine bislang größte Niederlage erlebt hat, stört Marco Koch nicht weiter. „Ich habe das langsam abgehakt und freue mich eher drauf.“ Mit einem Finaleinzug am Mittwochabend kann er die Geister der vergangenen Spiele endgültig vertreiben.

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